Der Roman besticht vor allem durch schriftstellerische Brillanz und seinen Humor, was zwei markante Schwächen des Romans, über die noch zu sprechen sein wird, fast verzeihbar macht. So findet sich hier eines der besten ersten Kapitel, die ich je gelesen habe. Die primäre Grundlesehaltung ist die des Schmunzelns - sehr angenehm. Man wird hier eher nicht in eine wirklichkeitsnahe, beklemmende Lebenssituation des letzten Überlebenden einer Katastrophe geworfen, wie man es von thematisch ähnlich angelegten Romanen kennt.
Zunächst also: es handelt sich hier nicht um einen realistischen Endzeit-Roman. Wer eine detaillierte Simulation der Situation "letzter Mensch auf Erden" sucht, sucht hier vergeblich - es entspricht vermutlich auch nicht Rosendorfers literarischem Interesse, welches wohl eher im Komischen, Skurrilen, Spielerischen und Phantastischen liegt. Wer gehobene Unterhaltung sucht, hat gute Chancen, mit diesem Büchlein glücklich zu werden.
Bereits die Art und Weise wie die Figur des Protagonisten, Anton L., eingeführt und entwickelt wird, zeigt, dass man es mit einem etwas anderen letzten Menschen auf Erden zu tun hat. Was Rosendorfer dem Genre durch diesen Roman - allein durch seinen Charakter - hinzufügt ist insgesamt recht innovativ und gelungen. Aus einer eigentlich bierernsten Situation wird eine urkomische, unterhaltsame Geschichte.
Unterhaltsam sind unter anderem die vielen (natürlich inzwischen "entmaterialisierten") Personen, man könnte schon sagen Karikaturen, die Rosendorfer entwirft und sie zum Gegenstand Anton L.'s Refketionen macht. Diese überzogenen Charakterstudien werden teils über zahlreiche Seiten hinweg entwickelt und informieren über Anton L.'s Vergangenheit, obwohl sie im faktischen Verlauf der Erzählung natürlich nicht gebraucht werden. Mit diesem Mittel vermeidet Rosendorfer geschickt die Langeweile des Lesers, ein Problem, mit dem alle Autoren von Robinsonaden spätestens nach der 100sten Seite zu kämpfen haben.
Aber man muss sagen: spätestens nach der 10. unnütz - bzw.: zur reinen Unterhaltung - eingeführten, "entmaterialisierten" Person muss man sich fragen: Wozu einen Roman über den letzten Menschen der Erde lesen, wenn dieser (über einen Umweg) doch von Personen nur so wimmelt? Ich möchte behaupten, 1/3 des Romans spielt nicht in der Endzeit, über 100 Seiten sind kein "Großes Solo für Anton", sondern (sehr unterhaltsame) Rückblenden. Das Mittel wird also inflationär angewendet und aus meiner Sicht (vor dem Hintergrund des Genres) eine der beiden großen Schwächen - da es nur schwach mit der realen Situation Anton L.'s verbunden wird. Dieses Mittel der Unterhaltung fügt sich nicht 'organisch' in das Gesamtwerk.
Die zweite Schwäche ist die eigentliche Story, die parallel zu den Rückblenden und Karikaturentwürfen verläuft: sie ist zwar ebenso unterhaltsam geschrieben, inhaltlich aber streckenweise substanzlos - eigentlich passiert doch recht wenig, weshalb hier und da die Lesemotivation etwas nachzulassen droht. Doch hier muss man sicherlich etwas Nachsicht walten lassen, da diese Schwierigkeit einfach alle Robinsonaden haben. Auch ist das ereignisarme Dasein Anton L.'s in Bezug auf seinen Charakter nachvollziehbar, denn er ist als ein passives Wesen angelegt und keines, welches um seine Existenz kämpft oder neugierig die Gegend erkundet (das tut dankenswerter Weise aber der Erzähler). Anton L. macht es sich in der Stadt, soweit das ohne größere Umstände möglich ist, gemütlich, plündert systematisch Pralinengeschäfte und verheizt alles, was irgendwie aus Holz ist. Er hinterfragt nicht, ob er nun wirklich der letzte Mensch auf der Welt ist. Er nimmt es einfach an, das ist einfacher als Suchen. Die Grenzen der Stadt verlässt er nur einmal um einige Kilometer.
Aber war es das? So bleibt letztendlich ein etwas ambivalentes Gefühl. Das was sich unter schriftstellerischer Brillanz und würzigem Humor verbirgt, ist letztendlich ein lebensunfähiger, fast bemitleidenswerter Protagonist, was dem Ganzen, trotz aller Komik, etwas Tragisches verleiht. Immerhin wird man dann (nach einer relativen langen Durststrecke) auf den letzten dreißig Seiten damit belohnt, dass Anton L. - wie könnte es anders sein - ... nun, so viel verrate ich nicht (jedenfalls haben das Ende anscheinend nicht alle Leser, die hier eine Rezension verfasst haben, verstanden.).
Alles in allem aber eine klare Leseempfehlung für all jene, die gut unterhalten werden möchten. Die Schwierigkeiten des Gegenstandes wurden gut bewältigt.