Bevo ich mich diesem Werk zuwende möchte ich noch eine grudsätzliche Empfehlung aussprechen.
Bei der Bestimmung sollte man sich nie auf ein Werk allein verlassen. Und das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich irgendeinem Werk mißtraue. Aber es sollten mindestens 2 oder 3 Bücher sein. Der Grund ist einfach. Jedes Buch hat andere SChwerpunkt, besser oder schlechtere Fotos, ergänzende Angaben zu Doppelgängern und Unterscheidungsmerkmale. Aber auch Informationen zu Bekömmlichkeit, Verarbeitung, Seltenheitsfaktor, und Vorkommen sind sehr unterschiedlich detailliert dargestellt.
Die Bücher ergänzen sich und werden erst in der Kombination so richtig wertvoll. Neben zwei bereits vorhanden und dem hier vorliegenden Werk habe ich mir in diesem Zuge bei Amazon noch das "Großes Handbuch der Pilze" und "Pilze: 600 Arten einfach bestimmen und sammeln" gekauft.
Was gefällt:
- Das Buch ist überdimensional und mit Sicherheit nicht zum Mitschleppen in den Wald gedacht. Davon abgesehen ist es einfach auch zu Schade dafür. Aber ich habe diesen Punkt trotzdem nicht unter Manko aufgeführt, da ich somit sehr detailreiche, häufig lebensgroße Bilder der Arten erhalte.
- Der Pilz ist idR immer von der Seite, von unten und häufig auch aufgeschnitten abgelichtet. Damit wird die Bestimmung ungemein erleichtert. Viele andere Bücher bieten nur ein Photo.
- Die markanten Erkennungszeichen sind auf den Photos mit Pfeilen ausgewiesen und kurz erläutert. Das finde ich sehr gut. Wer weiß schon immer was ein Bersteigersöckchen ist, oder wo sich die Manschette am Pilz befindet. Hier sehr schön dargestellt und erläutert.
- DAs bringt mich auch gleich schon zu dem Punkt der Erkennung von Doppelgängern. Das ist hier für den Laien mit am besten gelöst - mal ganz im Gegensatz zu dem fast wisseschaftlich anmutenden riesen "BLV Pilzführer: Über 1.200 Arten", der da schon mehr an Sachverstand voraussetzt und diese Details aus dem Text selber herausgearbeitet werden müssen (meine gesonderte Rezension hierzu bitte an der entsprechenden Stelle nachlesen). In dem hier vorliegenden Buch sind die "Eßbaren" und ihre Doppelgänger auch unmittelbarer auf der gleichen oder nächsten Seite zu finden. Das bieten andere Bücher auch nicht immer.
- Wer mit der Intention auszieht Speisepilze zu sammeln dem mag diie Unterscheidung in "Eßbar" und "Giftig" evtl. zu wenig sein. Sehr schön ist es hier gelöst. Die Wertigkeit für den Topf wird in 3 Kategorien gefaßt. SChwarze Mütze - Gourmetzeug, weiße Kochmütze - naja geht so, und Kochmütze in Klammern - hier sind Besonderheiten zu beachten, die erläutert werden (roh giftig, Unverträglichkeiten, usw.) Denn wer sich schon mal an einem Rotfußröhrling versucht hat, wird schnell den Unterschied zu sagen wir mal einer Marone herausschmecken. Das fand ich in diesem Buch mit am Besten, für alle übrige Bücher ist das zunächst mal alles gleich "eßbar".
- Insgesamt hat mir dieses Buch, was die Verarbeitung und Zubereitung von Speisepilzen anbelangt, mit am Besten gefallen. Es befindet sich ein ganzer Abschnitt hierin welche Zubereitungsmethode für welchen Pilz am eheseten geeignet ist und wie man vorgeht - sehr schön.
- Aber nicht nur der Inhalt des Buches gefällt, sondern auch die Aufmachung und Bindung ist sehr ordentlich. Für den Preis - unschlagbar.
Was gefällt mir nicht:
- Von der Regel, dass die Pilze immer aus verschiedenen Perspektivne abgelichtet sind, gibt es leider unrühmliche Ausnahmen. So ist bspw. der Leberreischling lediglich senkrecht von oben abgelichtet. Der Widererkennungswert tendiert hier gegen Null.
- Leider sind die Photos auch so gehalten, dass lediglich der Fruchtkörper abgelichtet ist. Der Pilz ist aus dem Photo wie "ausgeschnitten". Das mag Platz sparen, aber die Bestimmung wird häufig doch auch durch den Standort und die Wuchsform auf dem Untergrund mitgestimmt. Wie bspw. der o.g. Leberreischling, der unmittelbar an einem Eichenstamm seitlich herauswächst. Hier werden Informationen unnötig "herausgeschnitten".
- Dieses Manko wird teilweise durch die kleinen Handzeichnungen kompensiert, die auf ungefähr 3x5cm dargestellt sind. Diese Minizeichnungen führe ich dennoch unter Minus auf, da sie weder einem künsterlischem Anspruch genügen, noch aufgrund ihrer Ungenauigkeit der Bestimmung selber zuträglich sind. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Zeichnungen und gebe guten Photos immer den Vorzug. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die Zeichnungen so ungenau sind, dass sie latent gefährlich sind und einfach ignoriert werden sollten.
- Der Autor muss einige Jahre in Amerika im Südwesten der USA aufgehalten haben, vermute ich mal. Denn es befinden sich immer wieder Exemplare darin, die nur hier vorkommen, wie bspw. der "Prächtige Röhrling". Ich fand es zwar interessant, aber auf der anderen Seite stellt das die Konzeption in Frage. Was will ich denn darstellen? Umfrangreiches Datenmaterial?- Dem wird das Buch mit einer vergleichsweise geringen Anzahl von dargestellten Pilzen nicht gerecht.
Pilze die mir auf der Wanderung begegnen?- Die Gefahr, dass ich mich auf einer ausgedehnten Pilztour nach Amerika verlaufe sind relativ gering. Und sollte mir das mal passieren, würde ich mir dort vor Ort doch ein anderes Buch zulegen, welches auf die Region zugeschnitten ist.
Es hat vielmehr den Anschein als sei das Photo zufällig da gewesen und deshalb hier aufgenommen worden. Trotz dieser konzeptionellen Schwäche ein sehr verzeihliches, kleines Manko.
Fazit:
Insgesamt ein sehr schönes Pilzbuch. Auch wenn das hier vorliegende Buch sehr großformatig daherkommt, so kann es doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die dargestellten Arten recht überschaubar sind. Dafür bekomme ich aber schöne, große Photos aus unterschiedlichen Perspektiven mit sehr hilfreicher Pfeilbeschriftung zur Erkennung des Doppelgängers. SChwerpunkt ist hier weniger die Bestimmung der mannigfaltigen Arten, als vielmehr die Konzentration auf die gängigen Speisepilze und deren Artverwandte oder giften Doppelgänger. Sehr schön auch die Unterscheidung in WErtigkeit und die hilfreichen Hinweise auf die Verarbeitungsmethoden.
Für den Preis ist das Buch ein Hammer und ich würde es jedem Anfänger oder Fortgeschrittenem zur Ergänzung der Literatur empfehlen.