Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Sammelband von Uwe Schultz (Hrsg.) befaßt sich nicht mit fiktiven Verschwörungstheorien, sondern mit ihrem sehr realen Gegenbild, der Verschwörung als Instrument der Politik.
Daß Verschwörungen stets mehr als "Attentat, Mord, Verrat oder Geheimbund" gewesen sind, "eben die Programmatik einer anderen Politik", belegen Schultz und seine Co-Autoren am Beispiel ausgewählter historischer und zeitgeschichtlicher Verschwörungen, die den Gang der Geschichte veränderten oder zumindest verändern sollten. Sie spannen dabei den Bogen von der Antike bis zur Gegenwart, von den Umsturzversuchen im Reich der Pharaonen bis zum Attentat auf J. F. Kennedy. Die Autoren zeichnen den dramatischen Ablauf der einzelnen Verschwörungen nach und lassen jede Epoche in "der Schrecksekunde ihrer radikalen Infragestellung" sichtbar werden, wie es Schultz in seinem Vorwort formuliert.
Nur einmal weicht das Buch von dieser Linie ab und präsentiert eine Verschwörungstheorie -- die Legende von der Weltverschwörung des Judentums -- deren Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte aber wiederum alle Züge einer besonders perfiden Verschwörung in sich trägt. Der Berliner Historiker Wolfgang Benz hat hierzu einen aufschlußreichen Beitrag verfaßt.
Das Beispiel der Protokolle der Weisen von Zion zeigt, daß auch Verschwörungstheorien ein Instrument der Politik sein können. Gerade in Diktaturen sind sie eine wirksame Waffe gegen alle tatsächliche und vermeintliche Gegner. Sie legitimieren den Terror und können die eigene Herrschaft stabilisieren. Hitler und Stalin haben sich dieser phantastischen Wahnbilder bedient und waren ihnen zugleich selbst verfallen. Sie waren nicht die ersten, und sie werden wohl nicht die letzten gewesen sein. --Stephan Fingerle
Kurzbeschreibung
"Auch Du, mein Sohn Brutus?" Diese Worte Julius Caesars stehen am Ende der vielleicht spektakulärsten Verschwörung der Antike. Viele weitere Ereignisse dieser Art folgten. In fesselnden Beiträgen schildern siebzehn Historiker die großen Verschwörungen der Weltgeschichte, stellen dar, daß es immer dann zu Erhebungen kommt, wenn Machtstrukturen erstarrt sind, und so ein friedlicher Herrschafts- oder Systemwechsel nicht möglich erscheint.