Der im September 2009 erschienene Band "Große Bauwerke der Antike: Von den Pyramiden bis zur Haghia Sophia" ist das erste Gemeinschaftswerk des Architekturgrafikers Jens Jähnig und Prof. Dr. Holger Sonnabend. Während Jähnig als Theaterplastiker am Opernhaus Magdeburg beschäftigt ist, hat Sonnabend in der Abteilung für Alte Geschichte am Historischen Institut der Universität Stuttgart einen Lehrstuhl inne. Als Spezialist für die historische Geografie der antiken Welt ist Letztgenannter auch Autor einer Reihe weiterer Sachbücher und Mitherausgeber der Zeitschrift Orbis Terrarum.
In seinem Vorwort macht Prof. Sonnabend deutlich, dass es bei der Präsentation der 25, für das Buch ausgewählten, bedeutenden Bauwerke der Antike nicht alleine und nicht einmal in erster Linie um die Bauten als solche geht. Wichtig ist ihre Einordnung in den historischen Kontext, in den sie hineingehören. Hinter ihren Mauern offenbaren sich Menschen, die diese Bauwerke mit einer bestimmten Absicht zu einem bestimmten Zeitpunkt errichten ließen. So gesehen sind die vielfach bewunderten Monumente nicht zeitlos, sondern als Spiegel wichtiger Geschichtsphasen anzusehen. Bei der Auswahl der Bauwerke kam es neben den obligatorischen "Sieben Weltwundern" darauf an, einer mit 3000 Jahren breiten zeitlichen und auch geografischen Streuung Rechnung zu tragen. Während der zeitliche Rahmen von den ägyptischen Pyramiden bis zur Haghia Sophia ausgeschöpft wird, beschränkt sich der räumliche Blick nicht alleine auf das antike Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom. Auch an der Peripherie der mediterranen Kulturwelt des Altertums entstanden historisch äußerst bedeutsame Bauwerke....
Bevor mit der Cheops Pyramide das erste Monument vorgestellt wird, beantwortet Jens Jähnig Fragen zur Entstehung seiner Rekonstruktionszeichnungen, ihrer Colorierung sowie den dazu hilfreichen Quellen und architektonischen Überresten. Hierbei räumt Jähnig auch ein, dass dennoch am Ende vieles Spekulation bleibt.
Im vorderen Buchdeckel zeigt eine zweiseitige Landkarte, die von Persepolis im Osten bis Orange im Westen, von Abu Simbel im Süden bis zur Krim im Norden reicht, die (einstigen) Standorte der beschriebenen Monumente. Die sieben "Antiken Weltwunder" sind mit einem Stern besonders gekennzeichnet. Jedes einzelne Kapitel folgt dem selben Aufbau, der mit einer farbenprächtigen, zweiseitigen Zeichnung beginnt, der weitere Detailzeichnungen folgen. Die spannenden Begleittexte von Prof. Sonnabend erzählen das oftmals wechselvolle und abenteuerliche Schicksal der Bauten. Hierbei werden auch Mythen und Legenden entlarvt. Zum Beispiel, dass die assyrische Königin Semiramis nichts in den gleichnamigen Gärten zu suchen, der Koloss von Rhodos nicht breitbeinig über der Hafeneinfahrt gestanden hat und sich wohl auch niemals klären lassen wird,wer einst tatsächlich im Palast von Knossos gelebt hatte. Zu jedem Kapitel gehört ein durch ein Mäandermuster abgesetzter "Infokasten" mit Daten und Fakten, denen Funktion, Standort, Bauzeit, Bedeutung und Erhaltungszustand zu entnehmen sind.
Den Abschluss Prachtbandes bildet neben seinem Impressum ein kurzes Literaturverzeichnis. Als originelle Zugabe gibt es noch ein edles herausnehmbares Poster (41 x 82 cm) mit den Abbildungen der "Sieben Weltwunder der Antike", das zugleich eine Empfehlung für die zweite Zusammenarbeit von Sonnabend und Jähnig, "
Die Sieben Weltwunder" abgibt. "Grosse Bauwerke der Antike" weckt zudem Assoziationen an die Wanderausstellung "
Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulpturen: Katalog zur Ausstellung in Berlin, Pergamonmuseum, 13.07.2010-03.10.2010", die timediver® Anfang 2009 im Liebieghaus in Frankfurt am Main besuchen konnte und die derzeit noch bis zum 12. Februar 2012 im Antiken Museum der Ruprechts-Karls-Universität in Heidelberg zu sehen ist.
5 Amazonsterne für einen in Bild und Text hervorragend gelungenen, edlen Band.