Mit ihrem dritten Album "Grit" ("gritty" nennen die Amerikaner schmutzig-rotzige Rockmusik) scheinen sich Madrugada endgültig von ihrem Nick-Cave-Image verabschiedet zu haben. Kennt man die vorigen Scheiben "Industrial Silence" und insbesondere die elegische "The Nightly Disease", so wird man eher überrascht sein über den neu anklingenden Stil vom puren Rock'n'Roll á la Stones wie in "Try" oder neuartigen Einflüssen von Dub-Reggae ("Get back in line"). Dennoch behalten sie ihren eigenen speziellen mystisch magischen Sound, der sie erst zu "Madrugada" werden lässt. Sie begeistern dabei nicht mit der Menge der Songs auf ihrem dritten Album ("Nicht die Masse macht die Klasse"), sondern mit der Qualität, die sich wohl von Mal zu Mal gesteigert hat. Eine anmutsvolle Ballade wie "Majesty" zeigt dabei Krontast zu den rockigeren Stücken und bringt Abwechslung ins Spiel. Für den, der auf Musik steht, die sich nicht von dem Strom der identisch-klingenden Newcomer-Bands der Pop-/Rock-Schiene mitreißen lässt, ist "die magische Dritte" genau das, was man sich von wahrer und individuell-unabhängiger Musik wünscht. Dies versteht sich natürlich nicht im Bezug auf die an die Stones und die Stooges erinnernden Tonfarbe, sondern eher verglichen mit der Einzigartigkeit des Stils von Madrugada in der gegenwärtigen Musikszene, die ja von den sich selbst ernannten "Musikern" ohne Talent aber toftem Aussehen geprägt zu sein scheint. Madrugada-Fanatiker werden sich sicherlich nur anschließen können...