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Grisey: Quatre chants pour franchir le seuil
 
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Grisey: Quatre chants pour franchir le seuil

Catherine Dubosc, Klangforum Wien, Sylvain CambrelingMP3-Download
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Wiedergabe   1. Prélude: I. La mort de l'ange 12:39 Nur Album  
Wiedergabe   2. Interlude: II. La mort de la civilisation 7:04 EUR 0,83
Wiedergabe   3. Interlude: III. La mort de le voix 4:38 EUR 0,83
Wiedergabe   4. Faux Interlude: IV. La mort de l'humanité 12:50 Nur Album  
Wiedergabe   5. Berceuse 4:19 EUR 0,83
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von dibegup
Format:Audio CD
Um es gleich vorweg zu sagen, dieses "Requiem" von Gérard Grisey - fast in Vorwegnahme seines eigenen unerwarteten plötzlichen Todes kurz nach Vollendung der "Quatre chants pour franchir le seuil" (Vier Gesänge, um die Schwelle zu überschreiten) - ist ein absolutes Meisterwerk. Und die Interpretation ist ganz hervorragend.

Jeder Teil beginnt mit geräuschhaften perkussiven Wirbeln, die dann in die Vertonung der jeweiligen Gedichte bzw. Texte münden. Der Klangteppich, der aus mikrotonalen Harmonien gebildet wird (Spektralmusik) fluoresziert zu einem lebendigen Gewebe, aus dem heraus die Stimme im ersten Teil einsam und verzweifelt den Tod des Engels besingt, fast möchte man sagen herausruft. Am Ende dieses Teils hört man äußerst farbige, tief anrührende Klänge in sich erschöpfenden absteigenden Phrasen.

Der zweite Abschnitt nennt sich Tod der Zivilisation und hat als Textgrundlage die Entzifferung von Texten ägyptischen Sarkophagen. Die Emotionalität dieses Satzes liegt ganz bei der Harfe, die im ganz tiefen Register mit nur wenigen Tönen dramatische Klänge hervorbringt. Die übrigen Instrumente geben spährische Farben hinzu. Die Stimme dechiffriert fast nüchtern darüber die Inschriften.

Der dritte Abschnitt ist der melodiöseste und heißt Tod der Stimme. Am Ende verliert sich die Klangvielfalt bis nur noch zwei Tönen in tiefer Lage im Ensemble übrig bleiben.

Der vierte Abschnitt ist Tod der Menschheit genannt und enthält den dramatischsten Teil. Nach einem langen perkussiven Vorspiel kommt die Sintflut in Form von bewegten kurzen Linien in den übrigen Instrumenten, zu der dann die "letzten Posaunen" in Form von zwei Tuben ertönen. Die Stimme besingt ganz hoch mal klagend, mal hektisch diese Flut, um dann in dem abschließenden Wiegenlied in tiefer Ruhe den Tod anzunehmen.

Catherine Dubosc singt mit großer Sicherheit in der Intonation und schöner Ausdruckskraft die äußerst schwierige Partie. Das Ensemble Klangforum Wien ist ausgezeichnet. Sylvain Cambreling, dem Dirigenten gelingt eine tief ergreifende Interpretation.

Ich finde es völlig richtig, daß der Kairos-Verlag sich entschlossen hat, nur dieses Werk auf die CD zu pressen. Auch wenn die CD nur 3/4 Stunde lang ist, wirkt das Stück um so nachhaltiger. Das Beiheft ist hervorragend.

Uneingeschränkt empfehlenswert. Dieses Werk ist auch Nicht-Spezialisten Neuer Musik nahezulegen. Diese Musik ist für mich genau so tief bewegend wie ein Brahms-Requiem oder Das Lied von der Erde von Gustav Mahler.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von O. Kraft
Format:Audio CD
Griseys Musik habe ich erst vor kurzem kennen gelernt. Nach und nach höre ich mich nun durch sein außergewöhnliches Schaffen - zum Glück hat Kairos ganz wunderbare Einspielungen von Griseys Musik veröffentlicht.

Als Komponist gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der so genannten "spektralen Musik". Beim erstmaligen Hören äußert sich das zunächst in dem Erleben von mikrotonalen Klängen, von einer instabil wirkenden Klanglichkeit. Das mag im ersten Moment selbst für Hörer zeitgenössischer Musik eine ungewöhnliche und sich nicht sofort erschließende Klangerfahrung sein, aber wenn man der Musik mit voller Aufmerksamkeit zuhört, wird dieser amorph wirkende Klang schon sehr bald der einzig denkbare für diese Musik und man kann eine wirklich großartige, vielschichtige, aber sich ständig wandelnde Klanglichkeit erleben.

Das Stück setzt sich in fünf Abschnitten mit dem Tod auseinander. Auch die vertonten Texte haben etwas nicht greifbares, amorphes - wenn etwa im 2. Abschnitt Texte, die auf ägyptischen Sarkophagen entziffert wurden, verwendet werden. Da heißt es dann z.B.: "n° 811 et 812 (presque entièrement disparus) n° 814: «Alors que tu reposes pour l'éternité?»". Diese wenigen erhalten Schriften sind berührend, anregend, lassen vieles offen, wenn es etwa - dieses Mal in der deutschen Übersetzung hier wiedergegeben - heißt: "Der Erleuchtete fällt in das Innere des...".

Die CD ist in ihrer künstlerischen Kraft dieser Musik wirklich angemessen: C. Dubosc ist eine großartige Sängerin, das Klangforum Wien unter Cambreling spielt wunderbar. Das Booklet, wie man es von anderen Kairos CDs kennt, ist sehr gut gestaltet.

Für Menschen, die klangliche Erfahrungen machen wollen, die sich auf eine musikalische Entdeckungsreise begeben wollen, die tiefgründige Auseinandersetzungen mit einem der großen Themen des Menschseins - nämlich mit dem Tod - suchen, ist diese CD sehr (!!) Empfehlenswert.
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