Von dieser "Griselda" kann man getrost die Finger lassen, denn es gibt hier den für eine relativ unbekannte Barockoper erfreulichen Umstand einer Alternative, sodass man nicht auf diese Einspielung angewiesen ist. Die vorliegende Aufnahme ist nämlich in fast allen Belangen der Konkurrenz von Naive (unter Spinosi) unterlegen: Besonders problematisch ist das sehr langweilige, übertrieben behäbige und wenig akzentuierte Dirigat, das gerade bei den Bravourarien für gähnende Langeweile sorgt. So dauern die Arien in etwa 1-2 Minuten länger als bei der Konkurrenz. Die langsamen Tempi kommen vor allem den Sängern entgegen, die sonst mit den z.T. halsbrecherischen Koloraturen überfordert gewesen wären. Neben den behäbigen Tempi sind zudem noch einige fragwürdige Transkriptionen zu kritisieren: So wird die Soprankastratenrolle des Ottone (hervorragend bei Naive von Simone Kermes gesungen) hier von einem Tenor dargeboten, der mit den Verzierungen so seine Schwierigkeiten hat. Eine solche Besetzungspolitik ist eigentlich seit den 80iger Jahren obsolet!
Auch wenn in der vorliegenden Aufnahme auf Countertenöre verzichtet wird (was meinem persönlichen Geschmack ja prinzipiell entgegenkommt), können die Alternativbesetzungen (Bariton / Mezzo) nicht überzeugen, weil die Sängerriege der Starbesetzung bei Naive (Kermes, Cangemi, Lemieux) einfach deutlich unterlegen ist.
Fazit: Auch wenn der Preis günstig ist, sollte man lieber ein paar Euro mehr ausgeben und sich die "Griselda" von Naive zulegen. Es ist gut investiertes Geld!