Der Film orientiert sich laut Vorspann an der berühmten Tucholsky-Novelle, suggeriert aber durch massive Verwendung verbürgter Details aus Tucholskys Leben die Handlung sei rein autobiografisch.
Ich finde diese Vermischung fragwürdig.
Den Text, v.a. die Wortwahl empfand ich häufig als zu modern, stellenweise das Sprechen selbst.
Der Darsteller des "Karlchen" hört sich an, als wäre er synchronisiert worden, wodurch seiner Figur etwas Künstliches anhaftet.
Den "Flug"szenen merkt man zeitweise die untergeschobene Kulisse an.
Abgesehen von diesen Störfaktoren wartet "Gripsholm" mit solider Darstellerkunst, einer ansprechenden Optik und einigen besonders gelungenen Szenen auf.
Stark in ihrer Wirkung fand ich die Szene, als ein Flugblatt mit dem Konterfei Hitlers gegen die Windschutzscheibe des Taxis fliegt...
Das Bonusmaterial verdient seinen Namen kaum;
kein Making Of oder Produktionsnotizen geschweige denn weggefallene Szenen oder gar ein Audiokommentar.
Es besteht aus banalen Gesprächsfetzen ("Interviews"), was angesichts der Thematik des Films unwürdig ist, liegt aber wohl auch an der Auswahl der Bruchstücke, Gesprächsfetzen eben.
Ferner besteht das Bonusmaterial aus magerem Filmmaterial vom Dreh, das sich großspurig "Behind the scenes" nennt und einigen Trailern.
Fazit : Der Film ist unterm Strich sehenswert, die DVD deshalb erwerben würde ich nicht.