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Die Liebe ist greifbar nah für Kurt und Lydia. Ein paar Stunden, vielleicht sogar ein paar Tage und Nächte lang verdrängt sie alles andere. Ihre Möglichkeiten scheinen unendlich zu sein. Sie schließen selbst eine menage à trois mit Billie nicht aus. Doch die Zeit verhindert ein dauerhaftes Glück. Kurt kann selbst über die Liebe nicht die Entwicklungen in Deutschland und sein Gefühl von Machtlosigkeit vergessen, und die starke, kämpferische Lydia kann sich nicht abfinden mit Kurts Resignation. Am Ende des Sommers ist der Zauber verloren, die Realität hat die Liebenden wieder eingeholt, und der Weg Tucholskys in den Freitod, den er 1935 im schwedischen Exil wählen wird, ist schon hier vorgezeichnet.
Xavier Koller nähert sich dem Roman und seinem Autor mit der gleichen Genauigkeit. Die Kostüme, die Requisiten, die Schauplätze, alles beschwört ein authentisches Bild der frühen 30er-Jahre herauf. Die Musik der Klezmer-Gruppe Kol Simcha und die von Jasmin Tabatabai gesungenen Gedichte Tucholskys erzählen unaufdringlich von der einzigartigen urbanen Kultur des Berlins der Weimarer Republik, die blindwütig zerstört wurde von den Nazis. Doch das eigentliche Herz des Films sind seine Darsteller. Ulrich Noethen zeichnet ein beeindruckendes Porträt eines Künstlers und Intellektuellen, der an der Welt, aber letztlich auch an sich selbst scheitert. Er ist nicht stark genug, um seinen Kampf zu gewinnen, aber doch zu stark für ein Leben jenseits seiner moralischen und politischen Vorstellungen. Und Heike Makatsch ist als Lydia wirklich eine Prinzessin. Ihr Lächeln und ihre Unbeschwertheit sind einfach bezaubernd, aber nur eine Fassette einer faszinierenden und überaus komplexen Figur. Heike Makatsch gelingt es zugleich naiv und pragmatisch, verträumt und stark zu sein. --Sascha Westphal
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Psychogramm statt Sommergeschichte,
Von Bohus-Frank (Tanumshede / Schweden) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gripsholm (DVD)
Der Charme von Tucholskys "kleiner Sommergeschichte", wie sein Verleger es sich gewünscht hatte, wurde mit diesem Film leider zugunsten eines Psychogramms über Kurt Tucholsky aufgegeben.Tucholsky war einer der großen "Tagesschreiber" in der Tradition eines Heinrich Heine, der düster in Deutschlands düstere Zukunft schaute. Mit GRIPSHOLM hatte er eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt geschrieben - schade, daß der Film gerade die Leichtigkeit dieser Erzählung zunichte machte. Vielleicht hätten die Manusskriptschreiber stattdessen lieber ein eigenes Plot entwerfen sollen ?? Auch der schwedische Charme wurde herausgestrichen; weite Teile des Films wurden sichtlich in Österreich eingespielt, da half es auch nicht, daß die Kamera tief gehalten wurde... Deshalb nur 2 Sterne (trotz der tollen Songs). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Nix Halbes und nix Ganzes,
Rezension bezieht sich auf: Gripsholm (DVD)
Der Film orientiert sich laut Vorspann an der berühmten Tucholsky-Novelle, suggeriert aber durch massive Verwendung verbürgter Details aus Tucholskys Leben die Handlung sei rein autobiografisch.Ich finde diese Vermischung fragwürdig. Den Text, v.a. die Wortwahl empfand ich häufig als zu modern, stellenweise das Sprechen selbst. Der Darsteller des "Karlchen" hört sich an, als wäre er synchronisiert worden, wodurch seiner Figur etwas Künstliches anhaftet. Den "Flug"szenen merkt man zeitweise die untergeschobene Kulisse an. Abgesehen von diesen Störfaktoren wartet "Gripsholm" mit solider Darstellerkunst, einer ansprechenden Optik und einigen besonders gelungenen Szenen auf. Stark in ihrer Wirkung fand ich die Szene, als ein Flugblatt mit dem Konterfei Hitlers gegen die Windschutzscheibe des Taxis fliegt... Das Bonusmaterial verdient seinen Namen kaum; kein Making Of oder Produktionsnotizen geschweige denn weggefallene Szenen oder gar ein Audiokommentar. Es besteht aus banalen Gesprächsfetzen ("Interviews"), was angesichts der Thematik des Films unwürdig ist, liegt aber wohl auch an der Auswahl der Bruchstücke, Gesprächsfetzen eben. Ferner besteht das Bonusmaterial aus magerem Filmmaterial vom Dreh, das sich großspurig "Behind the scenes" nennt und einigen Trailern. Fazit : Der Film ist unterm Strich sehenswert, die DVD deshalb erwerben würde ich nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Geschichte und Literatur im Verbund, in schönen Bildern!,
Von Wimmer.Karin@t-online.de (Hof, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gripsholm [VHS] (Videokassette)
Ich habe die Dreharbeiten zu diesem Film teilweise an den Originalschauplätzen miterleben dürfen und bin von dem kompletten Werk angetan. Besonders die Schauspieler Noethen und Makatsch überzeugen in ihren Rollen. Die vertonten Gedichte des Schriftstellers Tucholski, gesungen von Jasmin Tabatabai, sind gekonnt interpretiert. Literaturverfilmungen haben es in der heutigen Zeit (im Moment erleben wir auch durch den 11. September hoffentlich eine Wandlung von "Action Total" in wieder mehr anspruchsvollere und intellektuellere Verfilmungen) vielleicht nicht ganz so "einfache Kost" für das Massenpublikum, aber auf jeden Fall ist dieses Exemplar sehr sehens- und durch seine Musik auch hörenswert.
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