Hinter "Grinderman" verbirgt sich Nick Cave mit den "Bad Seeds"-Mitgliedern Warren Ellis, Martyn P. Casey und Jim Sclavunos, die in dieser Formation schon seit Jahren als "Nick Cave-Solo" auf der Bühne zu erleben sind. Es handelt sich um ein "Side Project"-Album, auf dem sich Nick Cave erstmalig auch für den Gitarrensound verantwortlich zeichnet.
Was erwartet einem? Zum einen treibende, ungehobelte Rock-Songs wie "Get it on": ein rauer, wilder Song, der aus einem mit Eierverpackungen gedämmten Kellerproberaum zu kommen scheint, "No pussy blues": wüst und mit flirrendem Wah-Wah-Gitarrensound a la Stooges/Iggy Pop, "Love bomb" in einer Tradition von Gun Club/Jeffrey Lee Pierce , oder "Depth charge ethal": 70er Jahre-Rock-Tradition wie T.Rex/Marc Bolan, aber einfach erheblich schmutziger und schließlich "Honey bee": wurden Bienen musikalisch auch schon mal romantisch-verklärend interpretiert, so sind sie hier wild gewordenen Killerbienen, die der Menschheit nichts Gutes verheißen - bizzzzzzzzzz, bizzzzzzzz.
Dann unheilvolle Blues-Songs: sie kommen träumerisch-psychodelisch daher wie "Electric Alice", eher unheilvoll-dramatisch ("When my love comes down") oder aber staub-trocken und völlig verloren-desillusionorisch ("Grinderman", stimmungsverprühend wie der Soundtrack von "The Proposition").
Es gibt aber auch Songs, welche entweder erfrischend groovy sind ("I don't need you to set me free") oder die zwar in alter Motown-Tradition daherkommen, aber entschieden trostloser ("Go tell the women that we leaving").
Ein Wunder, dass man auf solch einem Album sogar eine Ballade hören darf: "Man in the moon", ein Song, auf dem man nicht mehr zu hoffen gewagt hat, denn nach mehr als ca. 30 Jahren gießt er den Verlust und Einfluß seines Vaters auf seine Weltsicht in einem Song, vor dem ich Ehrfurcht habe.
Fazit: ein wüstes, raues Rock-Album, dass ungehobelt-naturalistisch abgemixt ist und diametral zum angesagten "Indie"-Rock steht. Ein Album, was die Ursprünge des Rock'n'Roll und Blues huldigt.
Nick Cave arbeitet bereits am neuen Album, welches er mit den kompletten "Bad Seeds"-Mitgliedern im Sommer einspielen wird und mal hören, welch schöne Überraschung man dann erwarten darf. Für Überraschungen sollte man jedenfalls als Nick Cave-Fan immer empfänglich sein - ist zumindest für ein Fan-Dasein eine Grundvoraussetzung