Man muß bei Nick Cave bekanntlich grundsätzlich mit allem rechnen und sollte daher nie ausschließen, dass er plötzlich zu Möglichkeiten der Geräuscherzeugung greift auf die man nicht vorbereitet war. Von ergreifenden, tieftraurig und selbst versunkenen, melancholischen Balladen, vorzugsweise am Piano, bis hin zu brachialem, auf Unbehaglichkeit und Verstörung abzielenden Wutgeschrei unter peinigender Misshandlung aller im Studio greifbarer Gitarren, ist alles denkbar.
Als nun "Grinderman 2 RMX" angekündigt wurde, hielt ich durchaus für möglich, dass er das vor 18 Monaten veröffentlichte zweite Album seines Nebenprojekts Grinderman zum Remixen freigab, um es von hippen Pop-DJs geschmeidig machen zu lassen. Nicht, dass das typisch für Cave wäre, bisher hat er so etwas ja noch nicht gebracht, aber, wie gesagt, man muß ihm alles zutrauen.
Denkt man an "Outside", jenes schroffe, ungehobelt und herrlich verquere David Bowie Album aus 1995, was durchaus auch ein früher Verwandter von Grinderman sein könnte, wurde aus einem der schmerzschreiendsten und scharfkantigsten Songs, "Hello Spaceboy", durch den Remix der Pet Shop Boys eine gefällige Pop-Tanz-Nummer.
Mit dieser Ahnung hörte ich im Geiste "Heathen child" und "Mickey Mouse and the Goodbye Man" schon im wohlig weichen Popsound, von Zuckerguß überzogen und mit gehauchten Uhs und Ahs "veredelt" und irgendein übercooler, vollkommen hohlbirniger Rapper wäre womöglich auch noch in da house...
Entwarnung!
Auch wenn es vielleicht ganz putzig gewesen wäre Nick Cave in diesem Kontext zu erleben, auf "Grinderman 2 RMX" wird jedenfalls nichts daraus.
Das Konzept des Albums ist es zwar, wie der Name vermuten lässt, die Songs von "Grinderman 2" noch einmal anzufassen, aufzubrechen und durch Hinzufügen und Weglassen zu verändern, aber eben doch im Caveschen Sinne!
Also kein Clubsound, sondern schräge Töne, bis das Trommelfell vor Verwirrung streikt. Die Skurrilität der Klänge auf dieser Platte geht soweit, dass das Hirn zu der irrigen Annahme verleitet wird, die Ohren seien defekt, weil die akustischen Informationen die zur Verarbeitung ankommen unmöglich als Musik angeboten werden können. Das Hirn erkundigt sich während der gesamten Spielzeit der Platte bei den Augen, ob sie irgendwo eine Großbaustelle oder Kriegsgeschehen verorten können, um die Signale der Ohren in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Herrlicher Kunstkrach oder wunderbare Krachkunst!
Also ganz klare Empfehlung für jeden der auch die beiden Grinderman-Alben und alles Heftige und Schräge von Nick Cave liebt, "Grinderman 2 RMX" setzt noch mal gut was drauf und entfaltet den Charakter eines eigenständigen Albums.
Wer in Nick Cave ausschließlich den düsteren Mann am Klavier mit Hang zu Melancholie und Schwermut sieht, sollte tunlichst die Hände von diesem Album lassen - mehr noch als von den beiden regulären Grinderman-Platten bisher.