Mannomann, der Grass, er erzählt und erzählt, er kommt weit herum und kehrt zurück zum Anfang, berichtet von den Brüdern Grimm und von ihrem fast unmöglichen Auftrag, ein großes Wörterbuch zu erstellen, von deren Erlebnissen und von deren Mut als geschasste Professoren.
Und so kommt etwas zustande, das verlangt ein genaues Hinsehen, ein Mitdenken, ein Miterleben. Familiengeschichten,
regelrechte Dramen mit Umzügen, Krankheiten und Sparsamkeit (das sowieso) kommen auf.
Und Vergleiche kommen hoch, gibt es so etwas wie deren Widerstand auch heute?
Gibt es einen derart festen Mut wie den von Jakob Grimm etwa? Ja, es gibt ihn, Heinrich Böll könnte man z.B. nennen
oder gar den Autor dieses Buches selbst? Bei letzterem wäre ein früheres Eingestehen etwaiger Mitgliedschaft wohl
angebracht gewesen, aber nun Schwamm drüber!
Was wird geboten?
Biographisches die Menge (von den Grimms und von Grass!).
Seitenauslage, Seitenhiebe (Quart, Doppelquart, Schlaufe gar würde ein Corpsstudent wohl sagen) mit dem Degen,
dem Florett und immer wieder die politischen, die wichtigen Einschübe, die geschichtlich wichtigen und die humorvollen.
Nur beim C (Grass hangelt sich an den Buchstaben heran, herum) würde ich bei Besen und Besenkammer Boris zu gerne gesehen haben. Beim C könnte man auch Chemotherapie bringen, überhaupt, aber das macht er gut, die Chemische Industrie ins Visier zu nehmen.
Mitleid mit den Gebrüdern Grimm, Hinweise auf eine agierende und immer wieder agierende Bettine (Bettina von Arnim, geb. Brentano), die politischen Abzweigungen immer, z.B. über Adenauer zu Brandt (köstlich!) und überhaupt, dass er in seinem Alter noch derart agil ist in Wort und Sprache (er hält ja auch Lesungen, produziert Hörbücher), bewundernswert!
Dieses Buch ist wie ein Hammer, der immer wieder wortkundig, wortgewaltig zuschlägt, ist ein köstlicher Lesegenuss.
In Zukunft mehr Gedichte, hört man? Sehr schön, den Verlag Steidl wird es freuen, uns Leser auch.
Auf ein hoffentlich baldiges Neues in dieser Richtung!