Extrem akribisch recherchiert und dann in eine sprachliche Form gegossen, die Lesefreude und Neugierde zugleich generiert wie auch befriedigt: Boehnke und Sarkowicz ist mit dieser neuen Biographie Grimmelshausens ein Coup gelungen. Man bekommt einen anschaulichen Begriff davon, dass dieser Gelnhäuser Bub Grimmelshausen zum bedeutendsten deutschen Barockdichter und Autor eines der größten Romane der Weltliteratur geworden ist, und man begreift durch die nebenbei erläuterten schriftstellerischen Verfahren auch, warum. Das lokale biographische Umfeld des Dichters, insbesondere seiner ersten 13 Jahre, über die man fast nichts wusste, ist glänzend dargestellt. Die Familiengeschichte ist, weit ausholend, ans Licht gebracht, für mich spannend wie ein Krimi. Die Frage, wie Grimmelshausen an die zahlreichen Bücher und Quellen kam , die er genial in seinem Werk verarbeitete(obwohl die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs dies eigentlich hätten unmöglich machen müssen), konnte bislang in der Forschung immer nur ansatzweise beantwortet werden. Boehnke und Sarkowicz haben mit der Erforschung der Familiengeschichte (und der Widerlegung mancher bisher anerkannten biographischen Erkenntnisse) einen verblüffenden Beitrag zur Klärung geleistet. Grimmelshausen kommt dem Leser in dieser Biographie ganz nah. Besonders beeindruckt hat mich, wie die beiden Autoren die unvorstellbaren Grausamkeiten des Krieges als Kindheits- und Lebenstrauma Grimmelshausens erkennen und beleuchten, und wie sie dessen Lesemanie, Bildungshunger und dann dessen geniale Verarbeitung im (satirischen) Schreiben als Therapie sehen. Auf diese Weise entsteht das Bild eines Autors, der nicht nur tiefsinnig, sprachlich virtuos und geistreich mit der Wirklichkeit und den Verrücktheiten dieser Welt spielt, sondern der sich bei allem Versteckspiel als Friedensfanatiker und großer Humanist zu erkennen gibt.