Produktinformation
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Es ist schon erstaunlich, wie wenig Physis und Anschlagkultur bei einem Pianisten zusammenhängen können. Denn Grimauds körperliche Zartheit steht im hellen Kontrast zu ihrem geradezu ungestümen kraftvollen Zugriff. Sie versteht es, mit geradezu widerborstigem Charme die Töne regelrecht hervorzuknallen und gegen den Strich zu bürsten und dabei Klanggewalten zu entfesseln, die besonders den Ton in Beethoven "Sturm"-Sonate treffen. Ihr Pedaleinsatz ist dabei geschickt kalkuliert, keine Chance also für melodramatische "Klangwolken", auch nicht in Beethovens "Chorfantasie".
Gerade diesem Werk, das recht schlicht-plakativ daherkommt, verleiht ihre Interpretation noch eine gewisse Größe. Sie ist eben eine Virtuosin von Format, keine, die in Selbstgefälligkeit und Eitelkeit erstickt. Dass zeigt sich auch in Arvo Pärts "Credo", wo sie sich nicht als Solistin, sondern nur als weiteres Mitglied versteht in einem Ensemble (schwedisches Rundfunkorchester- und Chor), das sich unter Esa Pekka-Salonen in Höchstform zeigt. --Teresa Pieschacón Raphael
Beethovens Choralphantasie gehört zwar nicht zu des Meisters besten Werken und andererseits ist seine Sonate op. 17/3 bereits in unzähligen anderen Einspielungen zu hören. Doch was sollen Pianisten denn noch aufnehmen, wenn bereits bekannte "Hits" oder unbekanntere Sachen? Die "Reißer" gibt's bereits in genügender Anzahl und die "zweitrangigen" Meisterwerke sind zu schlecht für eine CD. Also, schließen wir den Laden und nehmen nichts mehr auf! Dann brauchen wir auch keine Pianisten mehr, setzen uns vor den Kaminofen, öffnen ein Fläschchen Bordeaux, schieben Richter und Gilels rein, ergötzen uns am doppelseitigen Geknister und erinnern uns mit gramumwölkter Faltenstirn an die gute alte Zeit, die leider nicht mehr wieder kommen wird.
Arvo Pärt ist einer der interessantesten modernen Komponisten. Immer wieder gibt es Leute, die seine Kirchenmusik mit Messiaen Werken vergleichen wollen. Da werden Äpfel mit Apfelschimmeln verglichen. Wenn jemand mit Messiaens Musik mehr anfangen kann, als mit Pärts Werken, dann kann allerdings Frau Grimaud nichts dafür - ich verzichte in solchen Fällen auf den Kauf des Tonträgers und anerkenne die unterschiedlichen Geschmäcker, die es gottlob gibt.
Helene Grimaud gehört zu den Besten Ihrer Zunft und darf in einem Atemzug mit Clara Haskil und Martha Argerich genannt werden. Die CD ist unbedingt empfehlenswert
Emotionale Intensität und absolute Überzeugung von ihrem eingeschlagenen Weg waren immer schon die Markenzeichen des Klavierspiels von Hélène Grimaud, was sich am besten in ihren bisherigen Brahms- und Beethoven-Interpretationen widerspiegelte. Mit der klanglich hervorragend kontrollierten, versponnen-nüchternen Einspielung des ursprünglich für den Van Cliburn-Wettbewerb komponierten Stückes von John Corigliano erweist sie sich auch als überzeugende Anwältin zeitgenössischen Repertoires; hier steht sie der gleichfalls hervorragenden Interpretation Ragna Schirmers (Berlin Classics) nicht nach. - Einschränkungen sind in geringem Umfang bei der Klaviersonate op. 31 Nr. 2 zu machen, bei der die Anzahl hervorragender Vergleichseinspielungen naturgemäß erdrückend ist. Pollini (DG), Gilels (DG), Brendel (Philips) oder Gulda (Decca/Amadeo) haben Maßstabsetzendes hinterlassen, wogegen Grimauds Interpretation teils etwas oberflächlich daherkommt. Bekanntermaßen nimmt die Pianistin Stücke zuerst auf, bevor sie sie öfters im Konzert gespielt hat - hier hätte eine umgekehrte Vorgehensweise einem Reifeprozeß der Interpretation sichtlich gutgetan. - Die Chorfantasie Beethovens hingegen liegt ihrer engagierten und energiegeladenen Spielweise und wirkt frischer als etwa Brendels schon etwas ältere Aufnahme (Philips) oder die im Vergleich zu kühl wirkende Einspielung Kissins (DG); Grimaud findet hier eine exzellente Balance zwischen Naivität und Pathos. Äußerst gelungen ist auch hier wieder der Übergang zum hymnischen Anfang des „Credo", welches auf dem ersten Präludium des „Wohltemperierten Klaviers" von Bach basiert und dieses auf interessante Art und Weise mit seriellen Kompositionstechniken kombiniert. Auch wenn der Klavierpart hier mehr obligate als solistische Funktion erfüllt, fügt sich die Französin gut in das engagiert und präzise auftretende Orchester und den Chor ein. Schließlich erklingt dann noch einmal das C-Dur-Präludium Bachs in der Originalfassung - ein künstlerisch und interpretatorisch überzeugender Abschluss dieser CD.
Die Klangqualität ist - obwohl es sich bei den letzten beiden Stücken um Live-Aufnahmen handelt (3./4.9.2003) - sehr gut; das Beiheft enthält einen stellenweise bemüht wirkenden Artikel aus der Feder der Pianistin sowie ein interessantes Interview mit derselben. - Man kann hoffen, dass Hélène Grimaud uns in Zukunft mit ähnlichen innovativen und gelungenen Einspielungen erfreut!
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