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Kundenrezensionen

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am 21. Februar 2004
"Griff nach der Weltmacht" - das vorliegende Buch von Fritz Fischer, revolutionierte die deutsche Geschichtswissenschaft und löste bei seinem Erscheinen im Jahre 1961 die sogenannte "Fischer-Kontroverse" aus. Es behauptet, Deutschland habe die Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Allerdings stellt Fischer klar, dass er - ähnlich wie Sebastian Haffner in seinem Werk: "Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches" sich lediglich mit der Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschlands zwischen 1914 und 1918 beschäftigt und die Schuldfrage der anderen beteiligten Mächte nicht erörtert. Das Buch kann auch nicht ohne seinen "Nachfolger": "Krieg der Illusionen" verstanden werden, welches 1969 erstmals erschien und die deutsche Politik zwischen 1911 und 1914 herausarbeitete. Aus heutiger Sicht ist die einseitige Schuldzuweisung an Deutschland, vor allem was die zivile Reichsleitung angeht, eindeutig überholt. Hierauf hat zuletzt wohltuend Volker Ullrich in seniem Buch: "Die nervöse Großmacht 1871 bis 1918" in seinen außenpolitischen Kapiteln hingewiesen.
Dennoch ist das Buch auch heute noch interessant zu lesen und zwar aus vier Gründen. Erstens belegt Fischer, dass es eindeutige deutsche "Kriegsziele" gab und Deutschland nicht unschuldig in den Krieg "hineingeschlittert" war. Diese - aus heutiger Sicht banale - Feststellung wirkte zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches im Jahre 1961 fast revolutionär. Zum zweiten gibt es heute verstärkt die Tendenz, die deutsche Mitschuld am Entstehen des Krieges zu leugnen. Dies wird besonders deutlich in dem im November 2003 im Olzog-Verlag erschienenen Buch von Gerd Schultze-Rhonhof: "1939: Der Krieg, der keine Väter hatte" in dem die Schuld am Kriegsausbruch allen anderen beteiligten Mächten, nur nicht dem "unschuldigen" Deutschland, zugewiesen wird. Insofern ist die Aufklärung Fischers heute noch notwendig und wichtig. Drittens jährt sich in diesem Jahr der 90. Jahrestag des Ersten Weltkrieges. Zahlreiche Neuerscheinungen, Bücher und Filme, werden erwartet. Insofern dürfte auch Fischers Buch erneut auf Interesse stoßen. Auf die "Fischer-Kontroverse" machte auch der "Spiegel" vom 16.02.2004 in seiner Titelgeschichte: 1914-1945: Der (zweite) Dreißigjährige Krieg aufmerksam. Heinrich August Winkler sprach - zu recht - von der "Urkatastrophe" des Ersten Weltkrieges. Viertens weisen Politikwissenschaftler wie Richard Ned Lebow immer wieder auf die "Juli-Krise" von 1914 hin. Sie dient als Beispiel, wie eine Krise eskalieren und zum Krieg führen kann. Der Juli 1914 zeigt beispielhaft, unter welchen Umständen eine Krise eskaliert und zum Krieg führt und ist deshalb heute noch für die historische und politische Forschung ungemein wichtig. Ein Grund mehr, sich die Thesen Fischers zu Gemüte zu führen, auch wenn sie nicht mehr den neuesten Forschungsstand wiederspiegeln.
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am 15. November 2000
Einseitige Betrachtungsweise der Schuldfrage am 1.WK, wobei der Autor nahezu ohne jegliche Einschränkungen dem Deutschen Reich die Alleinschuld aufbürdet. Die meißten anderen Nationen werden nicht betrachtet, so daß der (falsche) Eindruck entsteht, das Deutsche Reich habe zielstrebig auf diesen Krieg hingearbeitet und ihn provoziert. Allerdings muß man dem Autor zugutehalten, daß er (wie einleitend ausdrücklich erwähnt) nur die deutsche Schuldfrage erörtert und die anderen beteiligten Nationen bewußt außen vor läßt. Trotzdem argumentiert Fischer überzeugend und stellt im weiteren die deutschen Ziele und Aktionen während des 1.WK detailliert und gekonnt dar. Das Buch ist sehr gut strukturiert und liest sich flüssig. Fazit: Insgesamt ein gelungenes Werk, wenn auch einseitig. Bei Neulingen im Bereich der Kriegsschuldfrage besteht die Gefahr, daß die eindeutige Kriegsschuld der anderen beteiligten Staaten in Vergessenheit gerät. Zum Einstieg nicht geeignet, man sollte sich erst mit objektiveren Darstellungen beschäftigen. Für den Fortgeschrittenen ein MUSS. Kein Wunder, daß dieses Buch die Frage um die Kriegsschuld neu belebt und neue Akzente gesetzt hat.
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am 16. April 2015
Ein Wort für Fischers "Griff nach der Weltmacht" und für eine Remittendenentsorgung von Clark, Münkler und der ganzen anderen Denkmüllproduktion geschichtsrevisionistischer Staatsgeschichtenerzähler

'Natürlich ist der Nationalismus seinem inneren
Wesen nach absurd. Warum sollte der ' glückliche
oder unglückliche - Zufall, als Amerikaner, Albaner,
Schotte oder Fidschi-Insulaner geboren worden
zu sein, Bindungen auferlegen, die das individuelle
Leben beherrschen und eine Gesellschaft so struk-
turieren, dass sie mit anderen in förmliche Konflikte
gerät ?'

(William Pfaff, Die Furien des Nationalismus)

1) Das Blöken der geschichtsrevisionistischen Lämmer

Der geschichtsrevisionistische Publikumsjubel, die 'Fischer Schule' sei mit den WK 1 Schrif-ten von Clark und Münkler endlich mausetot gemacht worden und die DEUTSCHE Sache ideell wieder grosso modo kriegsschuldfrei, ist plärrend und kreischend bis zur Hysterie, sachlich aber grund- und argumentlos (wie, leider leider, auch das Gros der Kritik an Clark und Münkler). Es reicht der Fischer-Bashing-Meute, einfach leer zu erklären und beständig zu wiederholen, mit Clark und Münkler sei die leidige 'Schuldfrage' (die gar nicht Fischers Thema war, er handelte von KriegsZIELEN) erledigt, ohne sich noch in irgendeiner Form sachlich mit Fischers Ansichten zu befassen (1). Dabei ist zu bezweifeln, ob das Gros des Basherpöbels überhaupt verstanden hat, mit welchem gedanklich korrupten Dreh sowohl Clark als auch Münkler mit ihrer modernisierten 'Hineinschlittertheorie' zu WK 1 nicht nur den alten Hamburger geshreddert haben wollen. Sondern zudem JEGLICHE Theorie, die einen untrennbaren Zusammenhang zwischen staatspolitischen Zwecken und Kriegen aus-spricht und darüber keine affirmativen Vorstellungen und Gedanken verbreitet, sondern er-klärt, warum das eine das andere nach sich zieht, also REALE Staatspolitik auch nichts mit der Clark-Münklerschen 'realpolitischen' Meta-Phantasie der Herstellung und Wahrung einer völlig inhaltsleeren 'Stabilität' als ihrer innersten ratio zu tun hat. Hauptsache scheint der Basher-Gemeinde zu sein, dass sie sich an einem von Schuldzuweisungen an die DEUTSCHE Sache befreiten Geschichtsbild ideell delektieren kann. Alle ANDEREN waren`s natürlich, wer sonst ? (Es ist nicht ohne Ironie, dass es weder Clark noch Münkler bei ihrer Entsorgung der 'Schuldfrage' um eine solcherart revidierte Schuldzuweisung, auf die gerade ihrer glühendsten Fans scharf sind, ging; aber dass KEINER den Krieg wollte, obwohl ihn alle unzweifelhaft sich wechselseitig erklärten und mit einiger Inbrunst führten, ist auch ein in seiner metaphysischen Spitzfindigkeit nicht so leicht eingängiger Gedanke)

(1) Pätzold, 1914, Das Ereignis und sein Nachleben, S. 88, bemerkt richtig: '2013 bezog sich kein einziger, der Fischers Arbeiten ins Archiv ablegen will, auf die von ihm und seinen Schü-lern vorgelegten (Dokumente, R.). Operiert wird mit der (begründungslos pauschalen, R.) Behauptung, die Sache sei durch Clark erledigt worden.'- Zur Münklerschen Manier, Fischer zu denunzieren, vgl. U. Rippert/P. Schwarz, Die Wiederkehr deutscher Großmachtpolitik und die Attaken auf den Historiker Fritz Fischer, 31.07.2014, unter der World Socialist Web Site ([...]). Die Autoren weisen richtig darauf hin, dass Münklers gesamte Polemik 'von Grund auf verlogen ist. Sie unterstellt Fischer Aussagen, die er nie getroffen hat, um ihm dann mit Begründungen zu widerlegen, die auf die Rechtfertigung einer imperialistischen Kriegspolitik hinauslaufen.' Das warum und wie des 'hinauslaufen' erklären die Autoren al-lerdings nicht. Dem wurde unsererseits mit der Kritik Münklers (vgl. hier unsere Rezesenion zu "Der große Krieg") bereits ausführlich Abhilfe verschafft.

2) Warum also man den alten Fischer heute durchaus noch lesen kann

Auch Fischer war freilich Historiker und von den Denkspleens der Fachdisziplin beileibe nicht frei. Auch seinen Werken ist die pathetische Ambition, mit LEHREN aus der Geschichte einen produktiven Beitrag zur 'deutschen Selbstbesinnung' und darüber dem staatspolitischen Machen zu leisten, anzumerken. Die Kritik der nationalen Sache ALS SOLCHE ist daher nicht seine Angelegenheit (NOTWENDIG bzw. a priori falsch ist das, was er sich gedacht hat, allein deshalb aber nicht; zu einem BEGRÜNDETEN Urteil darüber ist immer noch das WAS maßgebend). Mit einer staatspolitischen Tradition, in der diese Sache eine 'Machtentfaltung' 'über das einem Staatswesen Zuträgliche und Mögliche hinaus' an den Tag legte und es 'ein Überwiegen des Militärischen in Staat, Gesellschaft und Geistesverfassung', 'gesteigert durch einen Wirtschaftsimperialismus' herrschte, das in größenwahnsinnigen 'Illusionen über das Zuträgliche und Mögliche' in der 'Selbstzerstörung' auslief, konnte er sich als ernüchterter Angehöriger der WK 2-Generation allerdings nicht mehr anfreunden. Der zeitgeschichtliche Kontext seines Werkes 'Griff nach der Weltmacht' ist die soziokultu-relle Käseglocke des stramm antikommunistischen CDU-Westfrontstaats, in dem Krupp wie-der Krupp, Thyssen wieder Thyssen und die Nazi-Banker nun Adenauers Banker waren und, - das kurzzeitige 'Nie wieder !' war längst passe -, 'Vergangenheitsbewältigung' majorativ bevorzugt hieß, das Vergangene, soweit das totalitärimperialistische Spitzenleistungen der DEUTSCHEN Sache betraf, eben Vergangenes bleiben zu lassen bzw. das NS-Regime und seinen Frontman als 'Betriebsunfall', der mit der guten deutschen Sache in ihrem einneh-menden Wesen eigentlich gar nichts zu tun hatte, abzuhaken. Das alles gab`s auch zum restaurativ-konservativen Geschichtsbild verarbeitet und von der universitären Kanzel herun-ter gepredigt. Tenor: pikobello an und für sich die deutsche Sache, vor Dichtern und Denkern kann man sich da ja kaum retten und Bismarcksche Staatskunst, Erfindergeist und Wertar-beit zuhauf, nur da und dort halt unglücklich und tragisch in was reingeschlittert. Aber ist doch auch ein Kreuz, wenn einen die ANDEREN dauernd missgünstig und neidisch einkrei-sen und das 'Zentralmachtdasein' mit seinem nichts als Europa (unter deutscher Herrschaft) verpflichteten Auftrag immer schnöde missverstehen wollen. Da rutscht einem halt schon mal die Eröffnung eines 'Verteidigungskrieges' raus'

Gegen diesen Gedankenmief streitbar mit Argumenten Einrede eingelegt und dafür Verleumdungen und Diffamierungen und allerlei fachkollegiale Hinterhältigkeiten in Kauf ge-nommen zu haben macht Fritz Fischer sympathisch. Und das, was er geschrieben hat, ist nun mal wenigstens kein durchgehender Schrott wie das Clarksche oder Münklersche Zeugs. Unbeschadet seines Demokratieidealismus ist bei Fischer nämlich unverdruckst die Rede von politischen Zwecken, deren intendierte Realisierung untrennbar etwas mit der 'Urkatastrophe' als ihrer Folge zu tun hat. In den 'Kriegszielen' identifiziert Fischer den politi-schen Willen einer Nation, die sich entgegen einer ja existierenden 'Ordnung' in der Staa-tenwelt 'einen Platz an der Sonne' verschaffen wollte, legt die instrumentalisierenden Berechnungen, die diese Nation gegen ihre Konkurrenten verfolgt hat, offen und weist diese als den Stachel des 'Willens zum Kriegsrisiko' aus. Ein Wille, der den Krieg zur Durchsetzung der nationalen Interessen und Rechte erst aufrüstend vorbereitet und plant wie ihn dann auch erklärt und unter Aufbietung von allem, was sich an 'Mensch und Material' dafür rekru-tieren lässt, auf Teufel komm raus eskaliert. Diese unter Beibringung von sackweise Archivmaterial geleistete Widerlegung der seinerzeit herrschenden 'deutschen Geschichtsanschauung' folgt der grundlegenden Einsicht des alten Clausewitz in diese Sache: 'Die politi-sche Absicht ist der Zweck, der Krieg ist das Mittel, und niemals kann das Mittel ohne Zweck gedacht werden.' Und deshalb und entgegen den von den Geschichtsrevisionisten verbreiteten Gerüchten ist Fritz Fischers 'Griff nach der Weltmacht' auch heute noch ein durchaus brauchbares gedankliches Gegengift wider die falschen Gedanken parteiischer Nationalgeschichtserzählungen und wider untertänige Illusionen über das Tun und Lassen der für die Staatsgeschäfte verantwortlichen Herrschaft. Wer das sorgfältig recherchierte Buch achtsam studiert hat, der weiß dann nämlich, dass die deutsche 'Last der geographischen Mitte' (Münkler) oder eine 'im fatalen Selbstlauf unvorhersehbar zur Krise eskalierende Instabilität', die in ihren RESULTATEN ' und DESHALB von VORNEHEREIN keiner gewollt hat (Clarks Denkzerrüttung, bei Münkler etwas anders formuliert, aber mit demselben "Schluß"), kein 'tieferer' Grund, sondern ein völliges ABSEHEN von dem sind, was die Macher und Mitmacher beim 'Griff nach der Weltmacht' umtrieb und was sie mit ihren Intentionen, Entscheidungen, Handlungen und deren schädigenden Folgen in die Welt setzten. Und dass das auch kein konditionierter Re-flex, ausgelöst von einem fatal-unwiderstehlichen 'Sachzwang', oder das Abweichungsaufschaukeln in einem determinierten Chaossystem war. Sondern solche 'Erklärungen' nur aus Vor-Urteilen gespeiste, reichlich abgestandene und als durchdachte Gedanken unhaltbare Phrasen sind. Denkfehler zur zu bedenkenden Sache also, mit denen ihnen immanent für den Erfolg dieser politischen Sache Partei ergriffen wird ' sonst, wissenschaftlich, gar nichts. Sie erklären nicht das, was sie vorgeben zu erklären. Wer von der Sache der Nation nicht reden will, sondern ihr einen Höchstsinn verleihen, der sollte vom Krieg schweigen. Das ist nicht dem alten Fischer, sondern seinen geschichtsrevisionistischen 'Widerlegern' und ihren gedankenlosen Nachplapperern ins Stammbuch zu schreiben.

*

PS 1: 3,5 Blinkersterne wären`s, geht hier aber nicht.- Im Kommentarteil wird u.a. die Manier, in der die "Fischer Schule" von geschichtsrevisionistischer Seite "kritisiert" wird, anhand einiger Lieblingsaufreger dieser Freunde einer sehr speziellen "Wahrheit" analysiert. Durchgehend fällt auf, daß hier auf Basis eines von den Gegnern gemalten Fischerbildes reine Gesinnungsurteile gefällt werden, die sich "wissenschaftlich" ("neuester" Stand der Forschung etc.) kostümieren. Statt Sachverhalte zu erklären werden völlig willkürliche Einfälle an sie herangeschleppt und aus anachronistischen Meta-Konstruktionen heraus gefällte Urteile als "Fakten" hochgejubelt. Kein einziges dieser so "fundierten" (Ver-)Urteile zu Fischers Buch genügt wenigstens philologischer Redlichkeit. .

PS 2 : Fischer war in seiner Kritik der "deutschen Geschichtsauffassung" sehr darauf bedacht, die staatsmoralisierende "Kriegschuldfrage" zu eliminieren. Er zielt im "Griff nach der Weltmacht" vielmehr darauf: "Die deutsche Auffassung vom Ersten Weltkrieg als einem reinen Verteidugungskampf hat so stark nachgewirkt, daß für die Deutschen (und insbesondere für die deutsche Historiographie) das Bild der deutschen Kriegszielpolitik in den Jahren 1914 bis 1918 irrelevant blieb und bis heute geblieben ist." (Griff nach der Weltmacht (1961/2013, S. 93) Fischer leistet dann einfach zweierlei: a) er rekonstruiert in einer staubtrockenen "Materialschlacht" die verfolgte Kriegszielpolitik und weist nach, daß b) diese Ziele "nicht plötzlich vom Himmel fielen". Die heutigen Hard-Core-Revisionisten bestreiten einfach rundweg wieder, daß Preußen-Deutschland irgendetwas in der Welt vorhatte, was nur im entferntesten nach ambitioniertem Imperialismus aussehen könnte. Alles, was da getrieben wurde war, so wollen es die Geschichtsrevisionisten verklickern, den lieben langen Tag eigentlich nur der Hauptmann von Köpenick als großes Nationaltheater. Das nichts als nibelungentreue Pickelhaubland habe keinerlei Ziele außer die leere "Verteidigung" gegen übermächtige Gegner gehabt, zu der man "verzweifelt" einen offensiven Präventivkrieg eröffnete, von dem man aber wußte, daß man ihn a la longue ohnehin nicht gewinnen konnte. Wenn das nicht schlagend zeigt, daß Pickelhaubenland eigentlich die harmloseste und treudoof blödeste Großmacht war, die es je gab ...Man sieht:interessiertes, deshalb falsches Denken ist viel "komplizierter" als richtiges. Was man sich nämlich alles an verschachteltem Blödsinn für solche "Narrative" zusammenspintisieren muß (mit dieser ironischen Bemerkung ist NICHT gesagt, daß etwa die erzählten Geschichten der Revisionisten "kompliziert" wären; sie sind im Resultat denkbar einfach bzw. einfältig. "Kompliziert" ist vielmehr, sich solch falsches Zeugs zu denken: man zähle bei z.B. Clark ab, wieviele Konditionalis und Irrealis er braucht, um seine absurde Schlafwandlerthese zu "begründen")

PS 3: Der Kommentarteil ist leider durch den Überfall eines geschichtsrevisionistischen Trolls völlig verunstaltet worden; wir empfehlen dem an weiterer Sachinformation interessierten Leser sich nach den die Rezension ergänzendes Anhängen nicht weiter mit den Provokationen und Störversuchen eines offenbaren Profilneurotikers aufzuhalten.
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am 13. April 2000
Fischer hat mit diesem Buch die deutsche Sicht des Ersten Weltkrieges und insbesondere seiner Schuldfrage revolutioniert. Anhand neuen Quellenmaterials hatte er 1961 die Schlüsselrolle des Deutschen Reichs in der Julikrise herausgearbeitet. Nach langer vehementer Diskussion setzten sich seine Hauptthesen durch, trotz z.T. erheblicher Korrekturen durch Gerhard Ritter (Staatskunst und Kriegshandwerk).
Obwohl sich das Buch mitunter etwas tendenziös liest, da es die Beteiligung Frankreichs und Rußlands unterbewertet, muß man den wegweisenden Charakter von "Griff nach der Weltmacht" anerkennen. Eine unangenehme Wahrheit!
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am 20. Januar 2015
Gut festhalten, jetzt startet eine Achterbahnfahrt mit den Fluchtreflexen und Aggressionsgefühlen Ihres Madelkerns (der Amygdala). Im Januar 2015 schrieb ein gewisser Ivan Dvorsky in einem Leserbrief an eine süddeutsche Regionalzeitung: "So bewies Fischer, dass die Schuld am Ersten Weltkrieg in Deutschlands Griff nach der Weltmacht läge." Fritz Fischer hat aber gar nichts bewiesen, er hat euch nur einen Glauben gegeben, ihr Knilche. Den Ungläubigen bratet ihr die Wortkeule "Revisionismus" über. Fritz Fischers Märchen von der germanischen Weltverschwörung ist noch 54 Jahre später das Dogma, an dem niemand zweifeln darf.

(Jetzt gibt es als neuste Kuriosität die Idee einer britischen Weltverschwörung, Gerry Docherty, Jim Macgregor, aber sie findet gleich Spötter, statt für die nächsten 50 Jahre zum Dogma erklärt zu werden. Ein schneller Kritiker verweist empört auf den Verstoß gegen das Dogma Fritz Fischers und zitiert aus den heiligen Schriften Hans-Ulrich Wehlers den Außenkriegstreibminister Grey, zu dessen Reinwaschung. Außerdem wird gesagt, auch ohne Verschwörung sei das nur "traditionelles Verhalten der britischen Elite" gewesen. Tja.)

Fritz Fischer und andere, die um 1970 Professor wurden, waren keine geborenen Lügner. Sondern sie waren durch ihre Erlebnisse in Hitlers Nazireich psychisch unter Druck und hatten das Gefühl, Deutschland wäre seit Anbeginn aller Zeiten an allem schuld gewesen. Und die anderen Länder unschuldig. (Menschen nehmen die Geschichte spontan verkehrt herum, also rückwärts wahr, sie wissen also schon, was später kam - Fritz Fischer konnte Hitler im Ersten Weltkrieg nicht als Nullität gelten lassen.) Außerdem wehrten sie sich gegen die alten Nazis und deren Schüler, die an den Universitäten bis 1960 eine wichtige Rolle spielten. Und sie hatten eine ehrenwerte pädagogische Absicht, mit der sie erfolgreich waren: Ihr Zerrbild half mit, Deutschland zu dem friedlichsten und am wenigsten militaristischen Land zu machen.

Die Nazis hatten Deutschland nach rechts aus der Spur getragen, also drehte Fischer das Lenkrad heftig in die Gegenrichtung, so holpern wir bis heute auf der anderen Seite durch den Graben - jetzt könnten wir wieder in die Bahn zur Wahrheit zurückkehren. Es wird Zeit.

Fritz Fischer hat im Inneren pädagogisch Positives bewirkt, aber außerhalb Schaden ermöglicht. Viele Historiker in anderen Ländern können ihn als billige Ausrede benutzen, um in dem Loch der einstigen törichten Kriegspropaganda einfach steckenzubleiben. Anstatt ein realistisches Bild von ihrem eigenen Land zu gewinnen. Macht euch ehrlich. (Es würde Franzosen, Russen und Briten nicht schaden, wenn sie vor sich zugeben würden, dass ihre Länder die Situation des Ersten Weltkriegs eifrig herbeiführten und dann unter die Räder ihrer eigenen Konstruktion gerieten.)

Bevor ich anfange zu spotten, möchte ich einen Augenblick ernsthaft bleiben. Was hat Fritz Fischer getan? In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen beschrieb Professor Christopher Clark es so: Fritz Fischer habe seine Quellen nicht erfunden, darum wolle er seine fleißige Arbeit so stehen lassen. Clark wolle sie aber in einem Punkt widerlegen: Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg nicht vorhergeplant. Fischer war vom eigenen Erleben beherrscht. Er interessierte sich nur für Deutschland. Und ignorierte die anderen Länder. Er häufte eine Menge Quellen und Zitate, die ein düsteres Bild von den deutschen Eliten malten. Clark wolle das in den größeren Kontext einordnen, ins Gesamtbild: Wenn mit der Methode Fischers auch die Entscheidungsträger in Russland, Frankreich, England betrachtet würden, komme man zu ähnlich negativen Wertungen über sie, was die Schuldfrage relativiere. (Meiner Beobachtung nach sogar zu deutlich negativeren Wertungen. Denn Russland, Frankreich und Großbritannien gingen mit vorher geplanten, konkreten Eroberungswünschen in den Ersten Weltkrieg. Es waren die drei aggressivsten und expansivsten Imperien der damaligen Zeit! Wie konnte das vergessen werden? Deutschland ging 1914 in den 1. Weltkrieg mit dem Wunsch, seine Grenzen zu verteidigen. Erst mit Verspätung begann in Deutschland eine konfuse Debatte über sonstige Kriegsziele: Jeder machte andere Vorschläge - und Fritz Fischer addierte sie einfach.)

Christopher Clark billigt Leuten wie dem britischen Außenminister Grey zu, dass sie eifrig auf den Weltkrieg hinarbeiteten, aber zugleich (oder in anderen Stunden) gegen einen solchen Krieg waren - das können aber auch Lippenbekenntnisse gewesen sein. (Es gibt sehr viele Quellen zum 1. Weltkrieg, so dass jeder als Unschuldslamm und jeder als Oberschurke hingestellt werden kann, je nachdem, welche Zitate ausgesiebt werden.)

Spätere Zeiten werden darüber lachen, dass Fischers fixe Idee von der besonderen Unschuld der Entente-Mächte und der besonderen Schuld Deutschlands auch nur einen Tag lang geglaubt wurde. Aber alle heutigen Historiker plappern sie verbal leicht abgeschwächt brav oder stur weiter nach, es ist wie ein religiöser Glaube, der von den Fakten nicht erschüttert werden kann. (Nicht mehr Alleinschuld, besondere Verantwortung Deutschlands lautet die aktuelle Formulierung.)

Jetzt nenne ich die für einen Mann seiner Generation nicht sonderlich originelle These Fritz Fischers:
Er glaubte an eine germanische Weltverschwörung, wo in Geheimkonferenzen beim Oberhaupt aller Pickelhauben, Kaiser Wilhelm Zwoo, die Unterjochung Frankreichs geplant worden wäre, oder gleich ganz Europas, oder sogar der ganzen Welt. (Und zwar in dem einzigen Land unter den 1914 am Ausbruch des Weltkriegs beteiligten Großmächten, das nachweislich bis dahin kein Imperium zu errichten versucht hatte - die anderen dagegen sehr hartnäckig.)

Beweisstück eins der Anklage: Rule Britannia, Britannia rules the World (oder abgeschwächt: the Waves, die Weltmeere). Oh pardon, ich habe aus Versehen das falsche Beweismaterial vorgelegt, ich meinte natürlich: Eutschland, Eutschland über aaalles in deeer Weeelt! Peinliches Kreuzverhör der Verteidigung: Wann entstand das Lied? 1841, als Deutschland in mehr als vierzig souveräne Staaten getrennt war, die meisten so klein wie Luxemburg. Unwahrscheinlich, dass Kleinstaatler von einem Weltimperium träumen. Sondern die Verbreiter des Lieds meinten, Deutschland wäre ihnen wichtiger als alles auf der Welt. Dagegen: Rule Britannia - sie verbreiteten das Lied, als das Empire aktiv die Welthegemonie anstrebte (Make the World to England) und die Ozeane dominierte, als es große Teile der Welt beherrschte und alle paar Jahre einen weiteren Eroberungskrieg führte, noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Südafrika, Persien, Kuwait. Für jeden Beweis gegen Deutschland gibt es stärkere Gegenbeweise, die vorläufig unter dem Teppich lagern.

Der Erste Weltkrieg war ein strategischer Angriff Russlands, Frankreichs und Großbritanniens auf Deutschland. Trotz Belgien, trotz Serbien und ein paar weiterer Umstände, die den Aggressoren zur günstigen Tarnung dienten.

Eine peinliche Konsequenz: Der Weltpolizist USA sprang also den Aggressoren des Ersten Weltkriegs rettend bei - und griff somit erst gegen Hitler nicht mehr daneben - aber Hitler war ein von den Siegern des Ersten Weltkriegs erschaffenes Monster, es war nur Dr. Frankensteins Pflicht, etwas gegen sein eigenes Geschöpf zu unternehmen. Außerdem war Hitler eine Anomalie, genau das ließ Neville Chamberlain so schlecht aussehen, er dachte, er hätte es bloß mit dem Normalfall zu tun (wie die Franzosen 1914 bloß Revanche und Grenzverschiebung gewollt hatten, so vermeintlich nun die Deutschen).

Wie erklären Gehirnforscher die zornigen Auftritte der alten Eminenzen gegen den redlichen, behutsamen Christopher Clark? Es wurde erkannt, dass unser Gehirn jede neue Information sofort emotional einfärbt, mit den Modulen, die auch für die moralische Bewertung von gut und böse zuständig sind. Die Emotion wird mit der Information gespeichert, also verdrahtet, und beide werden immer wieder gemeinsam neuronal aktiviert. Kommt dann eine Aussage, die wir als Abweichung wahrnehmen, aktivieren sich jene Gehirnmodule, die bei körperlichem Unwohlsein und Schmerz aktiv sind. Es ist einfach unangenehm, mit abweichenden Fakten konfrontiert zu werden! Der Mandelkern aktiviert Blutdruck und Aggression, die alten, pensionierten Professoren tauchen als Springteufel in den Zeitungsredaktionen auf, sie schalten auf Kampf mit oder Flucht vor der Wahrheit. (Tun das auch ein paar jüngere Oxfordianer ...?)

So fing alles an, kein Hitler in der Politik, kein Stalin und nicht einmal ein Mussolini, ohne den Wunsch der drei sowieso schon großen Imperien Russland, Großbritannien und Frankreich, ihre Imperien weiter zu vergrößern, indem sie zu dritt einen strategischen Angriffskrieg gegen Deutschland vorbereiteten und bei passender Gelegenheit führten - ohne Plan und doch ganz wie nach Plan.

Was hatten die Deutschen bis zum Juli 1914 Böses getan, das ihre Karriere als Meisterverbrecher unter den Nationen vorausgesagt hätte? Nichts. Die Hereros. Von den Briten wurde zwanzig Jahre später die überhöhte Zahl von 80.000 Opfern genannt, sie wollten Namibia vom Völkerbund zur Annexion erhalten. Die nach Plausibilitäts-Prüfungen genannte Zahl von neuntausend gestorbenen Hereros erscheint mir zu niedrig, ich kann dafür vor allem mein Gefühl angeben - nachdem ich so lange beigebracht bekommen habe, dass es sich um ein besonders großes Verbrechen gehandelt hatte, müssen es mehr Opfer gewesen sein. Zumal da fast gleichzeitig mehr als 26.000 Zivilisten in den britischen Konzentrationslagern des Burenkriegs starben und die US-Armee ebenfalls fast gleichzeitig mindestens 800.000 Philippiner massakrierte (zehnmal mehr, als sogar die britische Maximalzahl möglicher gestorbener Hereros). Wie schafften es die anderen Länder, Deutschland in den Klub der Genozidalen hereinzulocken und ihn alle gleichzeitig durch den Hinterausgang zu verlassen?

(Das Wort "Angreifer" ist natürlich strategisch gemeint, dabei spielt es keine Rolle, wer taktisch zuerst über Grenzen rückt, erst recht nicht, wer dem anderen formal den Krieg erklärt: Im Zweiten Weltkrieg erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, trotzdem war eindeutig Hitler der strategische Angreifer.)

Warum ist es oft schwierig, den Angreifer eines Krieges zu identifizieren?

Die Evolutionsbiologen und die Gehirnforscher fanden den In-Group-, Out-Group-Bias. Unser Gehirn nimmt die eigene Gruppe immer als positiv wahr, und wenn andere Gruppen den eigenen Interessen im Weg stehen, dann werten wir das moralisch: sie sind böse! Menschen sind dazu fähig, wenn ihre ethischen Normen im Gegensatz zu ihrem Vorteil stehen, sich die Realität zurechtzubiegen, die Welt so zu sehen, dass sie mit ihrem eigennützigen Interesse und ihrem netten Selbstbild vereinbar ist.
(Indem sie die erschöpften Aggressoren des 1. WKs retteten, konnten die USA mit einem opportunistischen Coup an die erste Stelle in der Welt treten. Sie wollten sich aber weiterhin als City on the Hill im Bund mit Gott empfinden. Aus dieser Perspektive sehen die Massaker auf den Philippinen 1898 bis 1902 oder an den Indianern so winzig klein aus.)

Psychologisch ist interessant, wie vor allem die Briten sich all das zubilligten, was sie an Deutschland kritisierten (die naive, gespaltene Wahrnehmung von Ingroup und Outgroup) - oder mehr noch, wie sie ihre dunklen Absichten auf die Deutschen übertrugen, Sigmund Freud nannte das Projektion (eigene finstere Antriebe werden fälschlich bei jemand anderem wahrgenommen und an diesem heftig bekämpft; Schläger beteuern stets, sie wären von ihrem Opfer bedroht worden).
Immer sind alle davon überzeugt, mit besten Absichten das Gute und Notwendige zu tun. Niemand hält sich selbst für böse. Leider haben unsere Gehirne raffinierte Strategien, um auch ihre größten Irrtümer glatt übersehen zu können. Ganze Gesellschaften können so ins Wahnhafte abgleiten. Und dabei ihr bestes Gewissen behalten. Das geht so weit, dass zwei Kriegsparteien, die spiegelbildlich handeln, die Verbrechen der Gegenseite mühelos erkennen können, während ihnen für ihre eigenen tausend gute Gründe einfallen.

Wenn Frankreich ein Stück von Deutschland erobern möchte, dann stellt es nur die natürliche Ordnung der Dinge her. Wenn Deutschland sich verteidigen möchte, dann widersetzt es sich verbrecherisch der natürlichen Ordnung der Dinge. Die Historiker erklären uns den Ersten Weltkrieg mit einer merkwürdigen Logik.
(Kommt das in einem Schulbuch vor? Die Gründer der ersten Menschenrechtsorganisation, die sich gegen die Verbrechen Belgiens im Kongo einsetzte, wurden nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs in London wegen "Hochverrat" hingerichtet - es war plötzlich opportun, die Belgier nicht mehr als Täter, sondern als Opfer zu gebrauchen.)

Den Aggressor eines Krieges finden wir am einfachsten, wenn wir uns die Ziele ansehen, mit denen die Länder in den Krieg hineingingen:

1914, Frankreich wollte Gebiete jenseits der Westgrenze Deutschlands erobern, Lothringen und das Elsass. (Nach dem letzten, schiefgegangenen, seiner notorischen Angriffsversuche hatte Frankreich diese Gebiete verloren. Bismarck schloss sonst lieber Frieden ohne Gebietsgewinne, aber diesmal ließ er sich überreden: Der nächste Angriff Frankreichs sei sowieso unvermeidlich, ein Vorfeld zur Verteidigung wäre nützlich, die Gipfel der Vogesen würden Baden vor Kanonenschüssen abschirmen, was übrigens stimmte.) Frankreich wollte außerdem Togo, Kamerun, Libanon, Syrien - wie sich in Versailles herausstellte, spekulierte es auch auf das Saarland, Rheinland, Luxemburg und Belgien - aber das wurde ihm von seinen Verbündeten (Briten und Amerikanern) verwehrt, weil sie ihren Bevölkerungen weisgemacht hatten, sie kämpften als "Beschützer der Belgier".

Russland war nicht so bescheiden wie Frankreich, es wollte große Gebiete im Osten Deutschlands erobern (und so die Unabhängigkeitsbestrebungen von Finnland, Baltikum, Polen und der Ukraine für immer unterbinden), dazu den ganzen Balkan mitsamt seinem Schützling Serbien haben (aber Tito ging später auf Distanz zu Stalin) und natürlich die Meerengen am Bosporus einschließlich Konstantinopel (Istanbul) annektieren.

Die Briten wollten die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft ruinieren, um einen mit fairen Mitteln nicht einzuholenden Aufsteiger abzuwürgen (aber in ihrem Rücken stiegen unbemerkt die USA auf) und natürlich Persien, Kuwait und den Irak haben (ihre Flotte hatte gerade von Kohle auf Öl umgestellt). Und Irland oder gar Indien von Unabhängigkeitswünschen ablenken. Togo und mehr.

Deutschland wollte 1914 seine Grenzen verteidigen. Der deutsche Militarismus war aus der geografischen Lage und der geschichtlichen Erfahrung defensiv motiviert. (Mancher verweist auf Israel.) Sogar Schlieffens Szenario hatte die Aufgabe, einen Verteidigungskrieg (Zweifronten-) zu gewinnen. Begriffsverwirrung: Wenn der Verteidiger stark genug ist, muss er schnell vorrücken, um den Angreifern ihre Kraftquellen wegzunehmen, damit sie ihre Eroberungsabsicht aufgeben und Frieden schließen. Sonst sammeln sie neue Kräfte und greifen immer wieder an - wie es Frankreich und Großbritannien 1915 bis 1918 praktizierten. (Wobei es zu Massenerschießungen von französischen Angriffs-Verweigerern kam, "Meuterer" genannt.)

Es ging im Ersten Weltkrieg nicht um einen Angriff Deutschlands auf Belgien, sondern um einen strategischen Angriff Russlands, Frankreichs und Großbritanniens auf Deutschland. Was fanden die Belgier an der Autokratie des Zaren so schön, dass sie den Angriff Russlands auf Deutschland 1914 begeistert unterstützten? (Das taten sie nicht. Sie dachten gar nicht an das, was gleichzeitig in Russland geschah. Sie dachten nur bis zur eigenen Nasenspitze.) Das kleine Belgien - das übrigens im Kongo das mörderischste von allen Kolonialreichen unterhielt - erkannte die Gesamtsituation nicht und trat den drei expansivsten Imperien der damaligen Zeit hilfreich zur Seite. Die Deutschen wollten Belgien durchqueren, um den angreifenden Franzosen in die Flanke zu kommen, unter dem Zeitdruck der gleichzeitig im Osten angreifenden Russen. (Vergleiche die Invasion der Briten und Franzosen in Griechenland 1916, um eine neue Front zu eröffnen - die Griechen erkannten, dass es gar nicht um sie ging, und unternahmen nichts: nichts passierte, fast niemand kam um.) Natürlich sind Kriegsverbrechen auch dann welche, wenn der strategische Verteidiger eines Krieges sie begeht.
Das ist ein Phänomen: Ob 1914 in Belgien deutsche Soldaten einem "massiven Fall von kollektiver Autosuggestion" unterlagen, als sie sich von belgischen Zivilisten aus dem Hinterhalt beschossen fühlten, wobei "eine Million Soldaten ihre Befürchtungen für die Realität hielten", das erscheint erstaunlich - außer für die in Oxford ausgebildete Militärhistorikerin Beatrice Heuser: Rebellen, Partisanen, Guerilleros, Seite 196. Herfried Münkler möchte sogar spekulieren, belgische Milizen hätten wegen ihrer Zylinderhüte wie Zivilisten ausgesehen. Ich frage mich, ob irgendwer in all den Jahrzehnten richtige Forschungen verschleppt hat, dabei ist es doch ein gravierendes Rätsel. Immerhin waren vier deutsche Länder Gründungsmitglieder der Genfer Konvention (Baden, Württemberg, Hessen, Preußen). Während die USA Jahrzehnte warteten, um erst noch gemütlich die Indianer ausrotten zu können.

Nur ein paar Wochen nach dem Eintritt 1917 der Vereinigten Staaten in den Krieg besetzten Revolutionäre die Ministerien in Russland und veröffentlichten die Geheimverträge, mit denen Briten, Russen und Franzosen (plus Japaner, plus Italiener) die Welt als Beute unter sich aufgeteilt hatten. Das wäre sehr peinlich geworden, aber geistesgegenwärtig stellte die amerikanische Presse mit Getöse die Deutschen als wölfische Orks dar, ein netter Zaubertrick.

Stellen wir uns doch einen Augenblick lang vor, wie die Nachkriegsordnung der Welt ausgesehen hätte, wenn der Krieg für Russland, Frankreich und England nach ihrem Plan verlaufen wäre! (Schon mit den Wörtern Angreifer und Verteidiger hat es etwas Trügerisches auf sich - wenn der Verteidiger stark genug ist, muss er vorrücken, damit die Angreifer ihre Eroberungsabsichten aufgeben. Verteidigung ist kein rein passives, bloßes Erleiden.)

Für einen weltgeschichtlichen Augenblick trafen sich die Absichten der drei aggressivsten und expansivsten Imperien der Welt (Russland, Frankreich, Britisches Empire) in dem Wunsch, einen gemeinsamen Vernichtungskrieg gegen Deutschland herbeizuführen - weil es nicht machtlos genug erschien, also bedrohlich? - und danach die Welt als Beute unter sich aufzuteilen (nicht ahnend, dass nicht Deutschland, sondern Amerika diesem Traum im Weg stehen würde).
Präsident Poincaré besprach Vorwände Jahre vorher mit Russland sogar ganz konkret unter dem Stichwort Balkan: Es ging darum, einen solchen Krieg (gegen den sich Teile der Bevölkerung dieser Länder gewendet hätten, insofern kann Franzosen, Briten und Russen fälschlich zugebilligt werden, sie hätten den Weltkrieg nicht gewollt) unter einem günstigen Vorwand herbeizuführen und sich selbst vor der Weltöffentlichkeit als Verteidiger zu präsentieren (also diese offensichtliche Rolle Deutschland zu stehlen und das Bild der Realität ins Gegenteil umzukehren). Die Tatsache, dass man selbst der strategische Angreifer, alias Aggressor, mit den vor dem Krieg festgelegten offensiven Eroberungsabsichten war, zu verschleiern.
Und dabei halfen die Deutschen mit, indem sie sich nicht so verhielten, wie es dem unterlegenen strategischen Verteidiger eines Krieges eigentlich zukommt: Sie betraten das Gebiet eines kleinen Landes, um den Angreifern präventiv in den Rücken zu gelangen, was schiefging - die Verteidiger unter Zeitdruck in verzweifelter Waghalsigkeit und Rücksichtslosigkeit; sie begingen Kriegsverbrechen (wenn auch nicht so exklusiv, wie behauptet); sie debattierten über Gebietsgewinne, um eine weitere verzweifelte Verteidigungssituation für die Zukunft zu verhüten; sie waren inzwischen genauso chauvinistisch wie die anderen - und vor allem hatten sie den Weg zur Demokratie verschlafen, wenn auch mehr scheinbar als wirklich, siehe das britische Wahlrecht: die Kolonialbevölkerung, Frauen, Männer ohne Grundstück und Haus hatten keine Stimme, aber reiche Männer durften mehrere Stimmen in die Wahlurne werfen - dagegen das Stimmrecht für die Wahl zum Reichstag seit Bismarcks Zeiten: geheim, gleich, allgemein, sprich: schon demokratisch.

Der deutsche Militarismus war defensiv ausgerichtet, man wollte einen drohenden Verteidigungskrieg gegen eine Übermacht gewinnen. Frankreich war militarisierter als Deutschland, die Hälfte der deutschen Männer hatte keinen Wehrdienst absolviert. Der Rüstungswahn Russlands und Britanniens war größer, die Absichten dieser Mächte auf Eroberung ausgerichtet - nicht auf den Sieg in einem befürchteten Verteidigungskrieg wie in Deutschland. Säbelrasseln bedeutet nicht automatisch offensive oder expansive Absichten.
Kaiser Wilhelm der Zweite war ein Fantasy-Rollenspieler, der für sein Kostüm-Theater den Frieden brauchte - und als ein Krieg ausbrach, war er für nichts mehr zu gebrauchen, tauchte ab und ging völlig unter - aber als Hassfigur für die Propaganda der Entente war er geeignet. Nichts ist leichter, als den Gegner mit einer Metzgerschürze zu malen und sich selbst mit einer weißen Weste.

Gründe für die hartnäckige Leugnung, dass Fischers These von der besonderen Unschuld der Entente-Mächte falsch ist:

Britische Historiker benötigen eine selbstwertdienliche Rationalisierung, denn nie in der Geschichte hat ein die Welt dominierendes Imperium durch eine einzige falsche Entscheidung (1914) sein Empire die Kloschüssel hinunter gespült. Sie wollen einen Grund sehen (die Welt gegen die sich wölfisch verteidigenden Hunnen erobern - wer ein lockeres Verhältnis zur Wahrheit hat, darf die Verben austauschen: die Welt gegen die wölfisch erobernden Hunnen verteidigen). Und sie wollen sich wenigstens als die Guten sehen, wenn sie schon alles verloren haben. (Rationalisieren, Sigmund Freud: irrationales, emotionales o.ä. Verhalten nachträglich verstandesmäßig zu erklären und zu rechtfertigen versuchen.)

Nach allem, was sie erlitten haben, wollen die Franzosen auf keinen Fall glauben, dass sie diesen Krieg unbedingt wollten. Aber sie stellten sich den Verlauf eben vorher ganz anders vor. Sie haben den Krieg selbst gewollt, vorbereitet und eifrig mit ausgelöst, aber später wollten sie sich nur noch als Opfer sehen. (Und nach Woodrow Wilsons Logik war Deutschland der Unruhestifter, weil es die von Frankreich gewünschten Gebiete nicht hergab.)

Es ist interessant, wie schnell Menschen alternative Verläufe aus dem Gedächtnis verlieren, die ihnen damals viel wahrscheinlicher vorkamen. Die Franzosen glaubten, mit den Russen und Briten erfolgreich über die Deutschen herfallen zu können - und warfen diesen später vor, stärker als erwartet gewesen zu sein. Ein paar Jahre später wäre die Entente uneinholbar stärker gewesen. Die Deutschen waren also gar nicht so irrational, als sie 1914 lieber jetzt als später angegriffen werden wollten.
Das ist laut Clausewitz die Alternative, wenn eine Seite von der anderen hoffnungslos überrüstet zu werden droht: Sie will nicht jetzt angreifen, sondern lieber jetzt als später angegriffen werden, falls der Angriff sowieso unvermeidlich erfolgen wird. Das ist nicht dasselbe! Sollte Fritz Fischer den sich glasklar ausdrückenden Clausewitz nicht verstanden haben, wäre er in zahlreicher Gesellschaft: Ludendorff, Joffre, ... Die Entente schlug 1914 zu früh los und verzieh den Deutschen diesen Fehlschlag nie.
Was fiel der Großmutter ein, sich aufzurichten und die Straßenräuber mit ihrem Regenschirm zu verdreschen - bis der zur Hilfe gerufene Sheriff aus Amerika sie niederschoss (die Oma, nicht die Straßenräuber) und zur Strafe ihr Häuschen enteignete.

Deutsche Historiker vermengen psychologisch verständlich die große Schuld der Deutschen unter Hitler (eines von den Siegern des 1. WKs erst als Möglichkeit in die Welt gebrachten Monsters) mit allen fernen und nahen historischen Epochen. Aber wenn jemals ein Land einen Verteidigungskrieg führte, dann Deutschland im Ersten Weltkrieg, während die Entente ein Kartell von (Möchtegern-) Eroberern und Beutemachern war.

Es sind vor allem die bereits in Pension befindlichen Historiker, die sich noch einmal auf die Bühne drängen: Noch einmal sattelt mir den Lug! Die hoch emotionalen Eminenzen und Hierarchen mit dem Wort "Lebenswerk" im Hintergrund. Nachdem sie ihre ganze Karriere auf eine bestimmte Sicht gegründet hatten. Inzwischen haben ihre Schüler längst aufgehört, Fritz Fischers Thesen wörtlich nachzuplappern oder das Wort Aggressor zu verwenden. Sie geben das Lippenbekenntnis ab, dass von der Alleinschuld Deutschlands nicht die Rede sein könne, haha, wer habe das denn jemals geglaubt? Sie räumen die unhaltbare Position. Aber dann bleiben sie doch dabei, um in ihrem Gehirn Unwohlsein durch Dissonanz zu verhindern: Sie sprechen jetzt von besonderer Verantwortung Deutschlands und in allerletzter Not davon, dass es wenigstens ein bissel mehr verantwortlich gewesen sein sollte. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Deutschland mobilisierte zuletzt, Russland zuerst, sogar Frankreich früher (heimlich), England war 1911 schon bereit zum Angriff auf die deutsche Flotte, damals wollte aber Frankreich noch nicht. Usw.

(Wenn Deutschland nicht die erste Welle gebrochen hätte, dann hätten die alten Imperien als nächstes die Vereinigten Staaten ins Visier genommen. Dank Deutschland waren sie nach dem 1. WK zu schwach dazu und wurden zu den USA untergeordneten Mächten.)

Homo Neandertalensis (auch bekannt als "Normalmensch") vermischt Gefühle, Märchen und Weltbilder zwanghaft mit der Realität. Das gilt auch für geschichtliche Wahrheiten. Homo Sapiens (also known as "hochfunktionaler Autist oder Asperger-Hochbegabter") dagegen sucht nach der reinen Wahrheit - das darf er auch, in der Physik, aber als Student der Geschichte wird er früh gemobbt und verjagt. Deswegen gibt es bis heute zu viele Historiker, die ein emotionales, mythisches und ideologisches Zerrbild von der Geschichte malen. Naiv empfinden sie es als völlig wahr. Genarrt von ihrem Gehirn. Ihre Karrieren ergattern sie durch soziale Spielchen: Seilschaft, Konsens-Nachplapperei, Gruppengleichtaktung, Macht und Hierarchie - alles Fehlerquellen, die Homo Sapiens, der hochbegabte Autist, konsequent vermeiden will. Geradezu mönchisch. Was ihm jedoch verboten wird.

"Wenn Sie mehr wissen wollen, klicken, äh, lesen Sie hier." Bei Günther Jauch am 15. Februar 2015 sagte Norbert Röttgen, die Narrative beider Seiten unterschieden sich völlig. (Ein Narrativ: Erzählung, Deutung, Mythos von einem Ereignis.) In Anwesenheit der Botschafter Russlands und der Ukraine. Tatsächlich sind sich die meisten Russen völlig sicher, dass die Ukrainer den gegenwärtigen Krieg angefangen hätten und mit dem Westen die Schurken des Konflikts wären. Präsident Putin veranstaltet eine geradezu "britische" Propagandakampage. Die Ukrainer sehen die russischen Separatisten und Russland in der Rolle der Bösen. Diese Sicht hat mehr für sich, aber das würden die meisten Russen heftig abstreiten. Auch 1914 waren die Aggressoren des Ersten Weltkriegs nicht in der Lage, die eigene Rolle richtig zu sehen; als sie überraschend vom Verteidiger (Deutschland) in die Defensive gedrängt wurden, empfanden sie sich als Angegriffene, vergaßen ihr jahrelanges, offensives Pläneschmieden und unterstellten grotesk Deutschland einen Plan. Bei diesem Narrativ (erzählten Mythos) verharrt der Mainstream der Historiker; psychologisch auffällig, obwohl die Fakten immer mal wieder benannt werden, wenn auch zaghaft (Clark: keine Seite plante richtig. Ferguson: zuerst plante die spätere Entente, als Reaktion planten die bedrohten Deutschen. / Die Sicherheit der einen ist immer die Bedrohung der anderen!).
Dieses völlige Auseinanderklaffen der Sichtweisen ist typisch. Gleichzeitig sind beide Seiten von der eigenen Meinung hypnotisiert, sie kommt ihnen unbezweifelbar wahr und gründlich bewiesen vor. Das ist wie eine religiöse Überzeugung. Sie sehen nur noch das, was ihre Meinung scheinbar bestätigt. (In seinem neuen Buch: Denken - zu Risiken und Nebenwirkungen, wundert sich der Gehirnforscher und Direktor einer Psychiatrischen Klinik Manfred Spitzer darüber, dass im Russland-Ukraine-Konflikt Schwarmdummheit entstand, Zitat: "Und weil jede Nachricht sofort weitergeleitet, vervielfältigt, gedankenlos kommentiert und wieder weitergeleitet und vervielfältigt wird, entstehen so in unterschiedlichen Gruppen oder Staaten völlig verschiedene Realitäten. Es ist dann nicht mehr so, dass man sich über die Bewertung der Realität, die alle kennen und die nun einmal so ist wie sie ist, streitet, sondern über die Realität selber."

Aber das war schon immer so, im Krieg und wenn der Krieg später in die Geschichtsbücher gekleistert wurde. Churchill war ein Meister im Verbergen der Lügen, Verbrechen und dunklen Absichten seines eigenen Landes im Ersten Weltkrieg. Er schrieb wie Julius Cäsar auch noch gleich die Geschichtsbücher selber, um auf Nummer Sicher zu gehen. Das meinte er mit seinem zynischen Zitat, vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg wäre die Wahrheit so kostbar, dass sie von einer Leibwache von Lügen beschützt werden müsste. Churchill meinte die passend gebogene "Wahrheit" aus der Sicht seines Landes, sie sollte weltweit dominieren und nicht angezweifelt werden, damit sie den Interessen Britanniens diente. (Dazu wird kein Ministry of Silly Thoughts benötigt -- streng geleitet vom "Q" der geschüttelten, nicht gerührten Doppelnullagenten mit der Lizenz zur Zwecklüge, also dem charakterlichen Gegenteil von John Cleese, aber doch gleich flexibel wie das Ministry of Silly Walks --, sondern die Historiker fügen sich freiwillig den tricksenden Sprachregelungen.) Als "Meister" der gegenteiligen Art brachte Hitler als einziger das Kunststück fertig, einen eindeutigen Fall herzustellen, so dass gegen ihn sogar Stalin hellgrau wirkte und eine gute Figur machte. Normalerweise sind die Fälle nicht so eindeutig, die Märchen beider Seiten dienen meistens als Tarnungen von schlechten Absichten. Der Erste Weltkrieg war so ein Fall.

Und Deutschland wurde 1914 viel gefährlicher strategisch angegriffen, als die USA am 9/11, etwas die Contenance zu verlieren, war also nicht ganz unerklärlich -- dann gerieten Unschuldige zwischen die Fronten, bei sich selbst empfinden die Amerikaner das als entschuldbar. In-Group und Out-Group, zweierlei Maß, und dazu die Fähigkeit, wie der Verhaltensökonom am MIT Dan Ariely sagt: "Uns erst einmal einzugestehen, dass wir in Situationen, in denen unser ... Vorteil im Gegensatz zu unseren ethischen Normen steht, durchaus fähig sind, uns die Realität 'zurechtzubiegen', die Welt so zu sehen, dass sie mit unserem eigennützigen Interesse vereinbar ist." Das Interesse der USA 1917 war es, mit einem opportunistischen Coup die erste Stelle in der Welt zu ergattern, indem sie die entkräfteten Aggressoren des 1. Weltkriegs retteten - aber die Bevölkerung musste glauben, Gut kämpfte gegen Bitterböse, ihr Land sei im Bund mit Gott. Satirisch gesagt: Draufhauen gegen die Bösen. Wer möchte das nicht? Wenn z.B. die Deutschen einen verbrecherischen Verteidigungskrieg gegen das Kartell der drei aggressivsten und expansivsten Imperien der damaligen Zeit führen, das nette Eroberungen plant, dann stürzen die USA sich für die edlen Aggressoren in den Streit. "Uups, we 've created a monster!" Und verursachen aus Versehen die Karrieren von Hitler, Stalin, Mussolini (Italien war sehr enttäuscht, von seinen Komplizen die versprochene Beute nicht vollständig erhalten zu haben). Auch Japan wollte mehr Beute.

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am 20. Februar 2015
Dieses Buch war und ist totaler Humbug.
Eigentlich hätte es NULL Sterne verdient.
Fischer versucht uns mit diesem Schundwerk einzureden, Deutschland trage die alleinige Schuld am ersten Weltkrieg, was inzwischen längst von Historikern wie Christopher Clark widerlegt wurde.
Der erste Weltkrieg war kein Griff nach Weltmacht, sondern ein Verteidigungskrieg gegen übermächtige Feinde, von denen Deutschland umzingelt war.
Das dürfte der "Orden der Patrioten" auch ganz genauso sehen..., aber egal.
Zum Inhalt kann ich nur sagen:
Schuldzuweisungen ganz im Sinne der 68er Linken, für die alle Deutschen automatisch böse (und natürlich rechts) sind.
Fazit:
Kann man sich sparen; dieses Buch war rausgeworfenes Geld für mich :-(
Es ist ein Griff ins Klo.
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am 3. August 2014
The thinking about the path that led Europe to WW1 and destruction of its (imperial) order as it was known then has moved on with Clarke's 'Sleepwalkers'. Clarke and his peers have dug deeper in archives and other sources and given us a much more differentiated picture of, and access to, what probably happened and shaped the decisions in the 20 or 30 years before 1914. Yet, the themes that Fischer, and also Tuchmann (Guns of August) discussed some decades earlier remain the cornerstones of this new 'painting'. Fischer is probably the most pronounced, and hence most controversy, historian and interpreter of WW1. He was a German who pointed the finger at his own people which is always a brave and necessary thing to do - even if, with Clarke and Co, some may say today that he probably over-painted the intentions of imperial leadership of Germany (interestingly, Ferguson (in 1998) took a comparable 'shoot' at his own people, which can very well be judged in the same line). So, for reader who wants to understand the run-up to WW1 and the history of thought about the same, this book should be part of the 'canon'.
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am 25. April 2014
Ein MUSS für jeden, der die Tragödien des 20. Jahrhunderts verstehen und daraus Lehren für das 21. Jahrhundert ziehen will. Fischer belegt nicht nur mit einer Fülle von Dokumenten die imperialistischen Kriegsziele der deutschen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Elite des deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg, sondern auch die Identität dieser Ziele mit jenen des Hitler-Faschismus im Zweiten Weltkrieg. Würde Fritz Fischer heute noch leben, würde es ihm nicht schwer fallen, diese Kontinuität des deutschen Imperialismus bis in die Gegenwart hinein nachzuweisen.
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am 31. Dezember 2012
Mit diesem Buch hat Fritz Fischer damals eine kleine Revolution im Betrieb der alten bundesdeutschen Geschichtswissenschaft angezettelt, gegen eine scheinbare Übermacht an konserativen Historikern.
Auch wenn seine Erbe mehr und mehr mit Füßen getretten wird, so hat er zu seiner Zeit frischen Wind in die verkalkten Gelehrtenstubben gebracht und damals künftige Generationen von Historikern zur Suche nach der historischen Wahrheit annimiert.

Gewiss ist er teils zu fixiert auf die Machenschaften der Eliten des Reiches, doch zur Zeit seiner Veröffentlichung war diese Spitze gegen die Rolle Deutschlands im 1.WK mE dem Zeitgeist angemessen. Er hat damit den Blick auf die ökonomische Stellung Deutschlands im Geflecht der europäischen Volkswirtschaften nach dessen Aufstieg zur dominierenden, imperialistischen Großmacht gelenkt und damit verbunden auch die Frage der Kontinuitäten zwischen den Kriegszielen des Kaiser- und des Dritten Reiches, und der Ursachen dafür aufgeworfen.
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am 8. September 2014
Fritz Fischer ist immer noch ungeschlagen auf diesem Gebiet. Die pseudohistorischen Werke einiger heutiger Historiker wie Clark, welche zwanghaft versuchen, die klare Kriegsschuld der Allianz Berlin/Wien zu relativieren, schlagen sich bei Fischer immer noch die Zähne aus.
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