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Griechische Orakel. Eine Kulturgeschichte
 
 
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Griechische Orakel. Eine Kulturgeschichte [Gebundene Ausgabe]

Veit Rosenberger
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
  • Verlag: Theiss (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3806215626
  • ISBN-13: 978-3806215625
  • Größe und/oder Gewicht: 22,8 x 15,2 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 470.523 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Ratschlag der Götter

Veit Rosenberger über griechische Orakel

Was sagte den Griechen das Gurren der heiligen Taube im Eichenhain von Dodona? Was bedeutete ihnen der oftmals dunkle Spruch der delphischen Pythia? Was für Auskünfte suchte, wer sich nach umständlichen Reinigungsritualen in die unterirdischen Gänge des sogenannten Totenorakels von Ephyra begab? Wir wissen, dass Orakel im politischen wie im privaten Leben der Griechen von der Archaik bis in die Spätantike eine wichtige Rolle spielten. Mehr als sechzig Orakelheiligtümer sind neben dem berühmten Delphi bekannt. Um einen göttlichen Rat einzuholen, wurde eine Vielzahl von Techniken angewendet – neben den verschiedenen Formen der inspirierten Mantik auch Los-, Würfel- und Buchstabenorakel und andere «Zufallstechniken» mehr.

Früh schon wurden Orakel aufgezeichnet, gesammelt und archiviert. Doch im Einzelnen sind wir nur ungenau unterrichtet. Die inschriftlichen und archäologischen Zeugnisse sind örtlich und zeitlich sehr ungleich verteilt, und nur selten dokumentieren sie Ritual, Kultpersonal und Ratsuchende über einen längeren Zeitraum hinweg. Der in Mythos, Geschichtsschreibung und Literatur entwickelte «Orakeldiskurs» lässt Rückschlüsse auf die tatsächliche Praxis nur bedingt zu. Das macht das Terrain schwer überschaubar.

Nun hat der Augsburger Althistoriker Veit Rosenberger das disparate Material zu einer «Kulturgeschichte» des griechischen Orakelwesens gebündelt, die zugleich eine «allgemein verständliche Einführung» bieten soll. Seine gut lesbare Darstellung, die im Anmerkungsteil die einschlägige neuere Forschung erschliesst, gibt zunächst einen systematischen Überblick über die Techniken und die Funktionen der Orakelbefragung im Kontext der Poliskultur wie auch des Privatlebens. Bei den Konsultationen der Orakel handelte es sich für die Griechen, so Rosenbergers Grundthese, weniger um eine Angelegenheit des Glaubens als vielmehr um eine «Kulturtechnik»: «Das Orakel stellt sich als eine symbolische Arena dar, in der die gesellschaftliche Ordnung bestätigt oder neu formiert wird.» Es ging den Ratsuchenden um «Legitimation und Entscheidungshilfe», um «die Verarbeitung von Unglück, die Bildung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Normen sowie die Ausübung von Macht». Städtische Anfragen zielten oftmals auf die Sanktionierung politischer oder kultischer Reformen. Kriegführung und Kolonisation wurden nach Möglichkeit durch Orakel legitimiert. Privatleute suchten Rat bei riskanten Unternehmungen wie weiten Reisen, Heirat oder Umsiedlung, bei Rechtsstreitigkeiten und in Statusfragen, in Fällen schwerer Krankheit usw.

Orakelbefragungen waren, so Rosenberger, «zutiefst kommunikative Vorgänge». Dies nicht nur auf Grund der dialogischen Struktur der Befragung, sondern vor allem auch deshalb, weil die Entscheide zumeist interpretiert werden mussten. Darin vor allem lag ihre «kulturtechnische» Funktion. Entscheidungsfindung wurde entsubjektiviert und diskutabel gemacht. Diesen Interpretationsansatz erweitert Rosenberger im dritten Teil seines Buchs zu einer «kleinen Mediengeschichte des Orakels». Als «Medium» fasst er dabei «all das, was Funktionen in sozialen Informations- und Kommunikationssystemen übernimmt» – im Falle der Orakel also die Götter selbst, die Seher und Priester, die Weihgeschenke und Inschriften sowie die mit der Befragung verbundenen Riten.

Insgesamt ist hier ein nützlicher und anregender Zugang zum Thema eröffnet. Rosenberger formuliert pointierte Thesen, die das methodische und begriffliche Instrumentarium der neueren religions- und kulturwissenschaftlichen Forschung reflektieren. Der Untertitel seines Buchs ist jedoch ein wenig zu hoch gegriffen: Um den Anspruch einer «Kulturgeschichte» zu erfüllen, bedürfte die durchaus illustrative Ausbreitung des Materials systematischerer Interpretation und genauerer historischer Kontextualisierung. Die Einordnung der Orakelpraxis in das grössere Feld der antiken Divination wird nicht recht deutlich, und zu bedauern ist, dass die antike Kritik am Orakelwesen nicht zusammenhängend beleuchtet wurde.

Barbara von Reibnitz

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2001
Im Grundton anerkennend äußert sich Barbara von Reibnitz über Rosenbergers Untersuchung zum altgriechischen Orakelwesen - ein vielschichtiges Phänomen der Antike, das von den großen durchorganisierten Orakeln wie Delphi oder Dodona bis hin zu den Los-, Würfel- und Buchstabenorakeln des religiösen Alltags reicht. Der Augsburger Althistoriker habe in der Theiss-Neuerscheinung (Übernahme durch die WBG Darmstadt), die eine Einführung in das Thema darstellen soll, den kommunikativen Aspekt des Orakels betont, jedoch bleibe eine systematische Interpretation und eine genauere historische Kontextualisierung des Materials sowie die zeitgenössische Kritik am Orakelwesen unberücksichtigt. Somit ist nach Meinung der Rezensentin der Anspruch des Untertitels, eine "Kulturgeschichte", zu hoch gegriffen.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Rosenbergers Buch bietet einen guten Überblick über "Techniken", "Funktionen" und "Mediengeschichte" griechischer Orakel, so die Titel der einzelnen Kapitel. So werden die Hintergründe des Kontaktes zu Gottheiten, die Regeln, nach denen Befragungen abliefen und die Rolle der Priester oder "Medien" wie der Pythia in Delphi beleuchtet. Das Buch ist damit geeignet zum Einlesen in die Thematik, geht allerdings kaum über eine Quellensammlung hinaus. Letztlich werden hauptsächlich Berichte antiker Schriftsteller wiedergegeben, aus denen die Rolle der Orakel entwickelt und ihre Rolle im Leben der antiken Gesellschaft verortet wird.
Interessant wäre es gewesen, darüber hinauszugehen und z.B. die Absichten der Beteiligten wie der Priesterkollegien zu untersuchen. Rosenberger schreibt in seinem "Epilog" selber: "In der vorliegenden Untersuchung [wurde]die Einteilung nach Historizität und Fiktionalität der Orakelsprüche weitgehend vermieden". Das wäre aber doch genau der brisante und interessante Punkt gewesen. Haben z.B. Priesterkollegien Sprüche erfunden; wie wurde das "Gebrabbel" der Pythia von Priestern gedeutet, was lief hinter den Kulissen ab? Welche Intentionen hatten Autoren wie Herodot (oder deren Informanten) und Priester, indem sie Orakelsprüche erfunden haben? Wenngleich Antworten darauf sicher sehr schwer zu geben sind, hätten diese Fragen doch zumindest problematisiert werden sollen. Der Leser bleibt mit dem Eindruck zurück, dass hier eine Chance zu tiefergehender Auseinandersetzung verpasst wurde.
Insgesamt ist das Buch flüssig geschrieben und gut an einem Wochende durchzulesen, kann aber für den Fachmann und den sehr interessierten Leser nur Anstoß zu eigener, tieferer Beschäftigung mit dem Thema sein.
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