Griechenland ist nach wie vor ein beliebtes Urlaubziel. Viele unternehmen Studienreisen, sei es auf der Suche nach dem klassischen Altertum oder auf den Spuren des Apostels Paulus. Doch das gegenwärtige Griechenland ist noch immer weithin unbekannt oder - schlimmer noch - vorurteilsbeladen, wie die jüngste Stimmungsmache der Medien angesichts der Finanzkrise offenbart. Da sind die Griechen wieder Schurken wie bei Karl May oder faul wie der Taugenichts Alexis Sorbas. Unbewusst fließt unseren Journalisten das Wort "Sauvolk" in den Computer, das der Nazi-General Le Suire in die Welt setzte. Von dem will man aber so wenig wissen wie überhaupt vom deutschen Kriegsterror. Jedenfalls sind Distomo oder Kalavryta, wo u.a. die Deutschen Massaker verübten, nicht so bekannt wie Lidice oder Oradour. Diese Orte deutscher Verbrechen im Zweiten Weltkrieg werden ja auch in den Reiseführern meistens nicht beschrieben.
Um so wichtiger ist dieses aktuelle Buch, das der langjährige Griechenland-Kenner Eberhard Rondholz recht lesefreundlich veröffentlicht hat. Es sollte in keinem Reisegepäck fehlen
Der Autor räumt nicht nur mit populären Geschichtslegenden auf, sondern beschreibt einfühlsam den Weg des modernen Griechenland. Dabei verschweigt er nicht die politischen Kontroversen, die das Land seit der Türkenzeit immer wieder erschüttern. Er entmythologisiert das geschönte Bild der orthodoxen Kirche, vergisst hingegen selbst den Griechen kaum bekannte Minderheiten wie Arvaniten, Vlachen und Pomaken nicht. Neben der Politik, Ökonomie erläutert er auch die Kultur. Je ein spezielles Kapitel widmet er der "hässlichen und liebenswerten Metropole" Athen und der unglücklichen Kulturhauptstadt Thessaloniki.