Aktenwälzerei und Laufarbeit bestimmen den Alltag der Privatdetektivin Harper Blaine, bis ihr ein Kleinganove das Leben aus dem Leib prügelt - für zwei Minuten. Diese zwei Minuten verändern Harpers Leben für immer. Sie wurde zum Greywalker, einem Teil des Schattenreiches, das sich zwischen Diesseits und Jenseits befindet, und zu einem Magnet für alles Übernatürliche. Geister, Nekromanten, Dämonen, Vampire und andere Monster, sie alle finden ihren Weg zu Harper.
Normalerweise fällt es mir leicht zu beschreiben warum mir ein Buch gefällt oder nicht. GREYWALKER, der Auftakt zu einer neuen Paranormalen Fantasyreihe, bildete davon eine Ausnahme. Gelangweilt musste ich es des Öfteren beiseite legen, konnte aber nicht feststellen woran es lag. Oberflächlich gesehen hatte der Roman die besten Voraussetzungen. Mit dem Schattenreich, dem Grey, hat Kat Richardson ein abenteuerliches neues Magiesystem geschaffen, das sich von gängiger Ware abhebt. Nicht die Romantik dominiert, sondern die paranormale Detektivgeschichte mit Horroreinschlag. Doch dann realisierte ich, was mein Unterbewusstsein die ganze Zeit gestört hatte.
Nahezu jedes Mal, wenn Harper eine Begegnung mit dem Schattenreich hat, rennt sie zu ihren neuen Freunden. Gemeinsam spekulieren sie über das Wesen des Schattenreiches, ihrer Fähigkeiten als Greywalker etc. Während Harpers Freunde ihr erzählen, dass sie ihren neuen Zustand akzeptieren muss, jammert sie sich darüber ab oder rennt davon. Diese Routine wird ad nauseum wiederholt und verhindert ein flüssiges Voranschreiten der Handlung und damit den Spannungsaufbau.
Obwohl die ganze Zeit über das Schattenreich geredet wird, erfährt man kaum Substantielles. Das meiste sind Spekulationen, von denen sich manche zum Schluss sogar als falsch herausstellen. Überhaupt wird sehr viel geredet, gejammert und gedacht, jedoch wenig gehandelt.
Der Romantikteil der Handlung wirkt erzwungen bzw. erst nachträglich eingefügt. Harpers potentieller Liebhaber wird detailreich vorgestellt, wird aber, nachdem er einen sachdienlichen Hinweis liefert, von der Autorin (und damit Harper) links liegen gelassen. Mit dem Aufwand, mit dem er vorgestellt wird, hätte er eine wichtigere Rolle verdient
Vieles davon wäre verzeihbar, wäre Harper Blaine ein Sympathieträger. Ihr Verhalten erschwert dies jedoch. Tatsächlich fand ich die Nebencharaktere interessanter und liebenswerter als sie. Dass sie der Ich-Erzähler ist, verschlimmert die Situation.
Zu guter Letzt stellt sich heraus, dass auch die Haupthandlung nicht das Gelbe vom Ei ist. Sie setzt sich aus zwei Fäden, zwei von Harpers Fällen, zusammen. Für sich genommen sind sie nicht besonders aufregend, aber in Ordnung. Als sie zusammenführen setzen Logikfehler ein. Unglaubwürdig sind insbesondere die Argumente, mit denen Harper versucht den Vampirboss zu überzeugen ihr zu helfen und sie nicht umzubringen und wie dieser darauf reagiert.
GREYWALKER erweist sich als blasse, leicht zu lesende und leicht zu vergessende Lektüre.
Die Greywalker-Reihe:
Greywalker,
Poltergeist,
Underground, ...