Mit Greys Anatomy wurde eine Serie geschaffen, in der die persönlichen Probleme der Chirurgen im Werden eine ebenso große Rolle spielen wie die medizinischen Fälle. Dabei wurden die kleinen und großen Dramen meist auch mit einer Prise Humor und viel kuriosen Ereignissen gewürzt, um die Serie nicht zu einer Seifenoper verkommen zu lassen.
Aber die Produzenten gingen auch in anderen Bereichen neue Wege und schufen so auf der Homepage zur Serie nicht nur einen Blog der Produzenten, in dem die Leute, die die Fäden ziehen, den Fans etwas über ihre Arbeit erzählen können - es wurden auch die Blogs von Schwester Debbie und Joe, dem Besitzer der Bar in der Nähe des Krankenhauses, geschaffen. Hier werden die Folgen im Grunde nacherzählt - allerdings aus einem anderen Blickwinkel. So erfährt der Leser, wie die Schwestern im Krankenhaus oder Joe in seiner Bar die Erlebnisse um Meredith und ihre Freunde erleben. Das ist zugegeben mal eine andere Art, eine Serie nachzuerzählen - vor allem auch, weil so zwei Nebencharaktere besser dargestellt werden und mehr Leben eingehaucht bekommen.
Das Buch zur Serie ist ein Doppelband mit beiden "Blogs", der die ersten beiden Staffeln der abdeckt. Dabei muss man das Buch umdrehen, um entweder das "Bargeflüster" oder das "OP-Getuschel" zu lesen. Dass jede Seite der Geschichte ein eigenes Cover hat, ist sicher eine nette Idee, eine kleine Markierung in der Mitte des Buches, um zu erkennen, wann das Umdrehen angesagt ist, wäre trotzdem nett gewesen.
Ansonsten präsentiert sich das Buch schnörkellos. Kleine Überschriften leiten bestimmte Geschichten in den Blogs ein, zudem gibt es eingeschobene "Instant-Massage-Unterhaltungen" zwischen Joe und Debbie, damit beide zumindest ungefähr auf dem Stand der Serienhandlung und damit der Fans sind.
Das Format des Buches ist relativ klein und handlich, trotz der Masse an Seiten. Jedoch kann man sich fragen, ob ein größeres Format nicht eher das Gefühl vermittelt hätte, wirklich einen Blog zu lesen.
Fans der Serie, die gerne ihre Lieblingsfolgen noch mal aus einem etwas anderen Blickwinkel erleben wollen, sollten zugreifen. Das Buch ist nett gemacht und trifft einen für die Serie passenden Ton. Ein bisschen frech, aber mit viel Herz wird über die Neulinge im Seattle Grace berichtet. Dabei ist es völlig egal, ob man das Buch von vorne bis hinten durchliest, oder eine spezielle Folge heraussucht Fans dürften ihre Freunde haben. Auch, weil man eben mehr über Joe und Debbie erfährt, die im Fernsehen ja eher kleinere Rollen haben. Auch merkt man hier, wie dicht gedrängt sich alle Ereignisse im Seattle Grace abspielen. Schließlich decken die ersten drei Staffeln von Greys Anatomy "nur" ein Jahr ab - eine Tatsache, die man im Fernsehen leicht vergessen kann.
Menschen, die die Serie nicht kennen oder mit Greys Anatomy nichts anfangen können, werden auch das Buch stehen lassen. Es ist eben für Fans der Serie gemacht - und die dürften mit dem Klatsch und Tratsch ihre Freude haben und ein paar neue Einblicke in das Leben im und um das Seattle Grace, neben dem Nacherzählen beliebter Augenblicke, bekommen.