Um eine wirklich kurze Inhaltsangabe zu präsentieren: dies ist die Geschichte nicht nur der historischen Vorlage für das berühmteste gefallene Mädchen der deutschen Literatur, nämlich dem "Gretchen" aus Goethes Faust. Sie lieferte auch den Auslöser für zahllose literarische "Schicksalsgenossinnen". Susanna Margarethe Brand, eine Magd im Frankfurt des 18. Jahrhunderts wird schwanger und kann natürlich den (schienheiligen) gesellschaftlichen Konventionen nicht entfliehen, bzw. kann sich erst so spät das unsägliche eingestehen, dass es für sie zu spät ist: sie tötet das Kind, ihr wird der Prozess gemacht, sie wird hingerichtet.
Sie hat damit schon - wie gesagt - die Vorlage für DAS Werk der deutschen Klassik geliefert, aber in diesem Roman, in das Zentrum der Betrachtungen gerückt, feinfühlig inszeniert, kommt sie dem Leser so furchtbar nah. Obwohl das Ende bekannt ist, obwohl die Autorin bereits damit einsetzt, dass Ihre eigene Schwester sie anzeigt, obwohl keiner, der dieses Buch zur Hand nimmt, überrascht sein sollte von dem Bild der Gesellschaft, von der Realität des späten 18. Jahrhunderts, fiebert der Leser mit, versteht, warum sie nicht, wie ein vernünftiger und gebildeter Mensch der Gegenwart der Warheit ins Gesicht sehen kann und diese anpacken kann. Denn - anders als in den meisten historischen Romanen - wird Susann nicht dargestellt wie eine Person aus der Moderne, die eben in eine andere Zeit verpflanzt wurde, sondern sie agiert als Kind ihrer Zeit in ihrer Welt. Und dieses Kind ist eben NICHT gebildet oder vernünftig und damit gar nicht in der Lage, anders zu handeln, als sie es eben tut.
Wohlig unterhaltsam dabei auch die Szenen der "großen" historischen Figuren, wie Wolfgang Goethe, damals noch nicht 'von', die Familie Senckenberg oder Peter Brentano, niemals verdrängen sie jedoch die Hauptperson.
Als kleines Manko empfinde ich den Versuch der Autorin, einen stilistischen Kunstgriff einzusetzen, indem sie zunächst zwischen Anfang und nahezu Ende der Geschichte wechselt, daher ein Punkt Abzug. Dramaturgisch absolut unnötig und - wie meist in solchen Fällen - in die Hose gegangen!
Sicherlich nicht in die Bewertung eingegangen ist der verunglückte Einband: ich hoffe, dass trotz des eher nach 08/15-historischer Brei aussehenden Einbandes viele Leser zu dem Buch greifen. Warum bitte muss jeder historische Roman mit einem nichtssagenden Gemälde verunstaltet werden? SO jedenfalls wirk das Buch von außen wie die billige Massenware, die derzeit 'in' ist, aber gut, das soll mein Problem nicht sei, ich habe zum Glück das Buch gelesen und muss es nicht verkaufen....