Der Titel des hochwertig ausgestatteten Bildbandes "Greta Garbo - Das private Album" ist in dem Buch, das anlässlich ihres 100. Geburtstages erschienen ist, wirklich Programm. Denn, die hier teilweise erstmals veröffentlichten Fotos entstammen dem privaten Album der Diva, die die Öffentlichkeit scheute und ihr Privatleben zeitlebens geheim hielt. Greta Garbo ließ sich nur fotografieren, wenn es der Vertrag verlangte. Dennoch sammelte sie eben diese Fotos. "Greta Garbo - Das private Album" wurde von Scott Reisfield, dem Großneffen Greta Garbos und Robert Dance, herausgegeben und bietet so einen Einblick in das Leben der "göttlichen" Diva aus zwei Blickwinkeln.
Scott Reisfield beschreibt die Erinnerungen an seine Großtante, zu der er immer ein gutes Verhältnis hatte. Von ihrer Hollywoodkarriere erfuhr er erst später, zunächst war sie für ihn immer nur "Tante Kata". Er schreibt liebevoll: "Meine Großtante war eine faszinierende Mischung aus Ernst und Spaß". Als er aber die erste Greta Garbo-Biographie las, war er sehr enttäuscht, weil diese - seiner Meinung nach - den Charakter seiner Großtante nicht nahe kam. Scott Reisfield selbst legt in seiner Kurzbiographie, aus dem Englischen von Petra Thoms übersetzt, nun mehr Wert auf den Charakter Greta Garbos, die 1905 geboren wurde und zunächst in einem Stockholmer Kaufhaus arbeite. Erst durch Werbefilme für dieses Kaufhaus kam sie zum Film. Sie besuchte eine der renommiertesten Schauspielschulen Schwedens und wurde durch ihre Rolle im Film "Gösta Berling" zu einer berühmten Schauspielerin in Europa. Daraufhin schloss sie einen Vertrag mit den "MGM"-Filmstudios und ging 1925 nach Amerika. Ihre Erwartungen wurden hier zunächst enttäuscht, da sie anfangs nur in einfacheren Filmen mitspielte, die allerdings zu großen Erfolgen wurden, wie "Dämon Weib" und "Es war". Daraufhin kam es zu einem Streit mit dem Filmstudio um ihren Vertrag, den Greta Garbo schließlich gewann.
Bis 1941 war sie die berühmteste Schauspielerin Amerikas oder, mit den Worten von Scott Reisfield: "Greta Garbo war mehr als eine Persönlichkeit oder eine berühmte Schauspielerin: Sie war eine Ikone." Der Film "Die Frau mit den zwei Gesichtern" war 1941 jedoch nur mäßig erfolgreich und sollte Greta Garbos letzter Film sein. Die Diva zog sich ins Privatleben zurück, reiste viel und verbrachte vermehrt Zeit mit Familie und Freunden. Greta Garbo starb 1990. Dieser Einblick in die Biographie einer der größten Schauspielerinnen des letzten Jahrhunderts bringt dem Leser Greta Garbos näher. Einige Zitate aus Briefen der Schauspielerin verstärken die Authentizität.
Im zweiten Teil des Bildbandes "Greta Garbo - Das private Album" beschäftigt sich Robert Dance mit den Porträtfotos, die von Greta Garbo im Zusammenhang mit ihren Filmen gemacht wurden. Viele berühmte Fotografen haben diese Aufnahmen gemacht, unter ihnen Clarence Sinclair Bull, der zehn Jahre lang der ausschließliche Fotograf der Diva war, Ruth Harriet Louise und Edward Steichen. Für Robert Dance haben diese Fotos eine besondere Ausstrahlung und haben viel zum Ruhm der Schauspielerin beigetragen. Diese Fotos, die für den Bildband brillant in Tritone reproduziert wurden, dokumentieren auf eindrucksvolle Weise die Karriere Greta Garbos und machen den Großteil von "Greta Garbo - Das private Album" aus.
Diese Porträtfotos verfügen tatsächlich über einen großen Charme und lassen die 1920er und 30er Jahre auferstehen. Alle strahlen eine besondere Magie aus. Leider sind sie auf eine seltsame Weise geordnet, die sich dem Betrachter nicht sofort erschließt. Außerdem fehlen Bildunterschriften, so dass man weder weiß, in welchem Zusammenhang diese Fotos entstanden sind, noch in welchem Jahr. Zwar gibt der Essay von Robert Dance einen guten Überblick über diese Fotos, trotzdem kann man nach seinen Beschreibungen nicht jedes Foto eindeutig zuordnen.
Die anschließende Filmografie enthält nun jeweils ein Foto zu jedem Film von Greta Garbo, mit genauen Angaben zum Film und zum Fotografen. Diese Fotos sind daher wesentlich aufschlussreicher als die Porträtfotos und erschließen sich auch dem Betrachter, der die Filme mit Greta Garbo noch nicht alle kennt.
"Greta Garbo - Das Private Album" ist ein wunderschöner Bildband, der den Zauber der großen Schauspielerin gekonnt einfängt - einfach göttlich!