Das wird sicher ein Aufsehen erregendes Sport- und Skandalbuch über die Schattenseiten des Sports. Vollgestopft bis zum Anschlag mit Unglaublichkeiten, die sich um das Thema Doping ranken, hat mich jede einzelne Seite des Buchs immer wieder überrascht, erschreckt und fasziniert. In allen nur denkbaren Einzelheiten wird die ganze Wahrheit um das Doping im Hochleistungssport packend in Szene gesetzt. Die Energie, mit der hier hinter der vordergründigen Hochglanzwelt eines sauberen Sports agiert wird, ist schon mehr als unglaublich. Auch wenn man immer wieder in Zeitungen von diesen Dingen lesen muss. Zwar wissen wir inzwischen gerade aus den Skandalen rund um den Radsport, dass es schwarze Schafe gibt, aber wahrscheinlich kaum jemand ahnt, wie es um den Sport wirklich bestellt ist. Jetzt packt also ein ehemaliger österreichischer Sportmanager aus und erzählt von seiner Beteiligung am Drogennetz und einer Welt aus Epo, Designersteroiden und leistungssteigernden Hormoncocktails. Ich finde das sehr lesenswert.
Die Erlebnisse, die der ehemalige Sportler (selbst früher Mittelstreckenläufer) hier berichtet und den Sportjournalisten Manfred Behr aufschreiben ließ, sind mehr als bemerkenswerte Anekdoten. Das Buch liest sich wie ein Sportkrimi. Es handelt von Drogenrazzien, actionreichen Versteckspielen, Drogen in Kühlboxen und Geheimverstecken, geheimen Seilschaften, dubiosen Geschäften mit aufgemotztem Blut.
Neben der logistischen Planung und dem Aufbau eines ganzen betriebsmäßig aufgebauten Drogennetzwerk hat mich auch die realistische Beschreibung der Formen des Dopings (v.a. das Blutdoping selbst) erschreckt und fasziniert zugleich. Es ist kaum zu glauben, was sich Menschen im Zeichen des Erfolgs antun, wie sehr sie bereit sind an Abgründe zu gehen. Skandalös fand ich auch, zu lesen, wer wie an diesem System aus welchen Beweggründen beteiligt ist. Sind Sportler von heute tatsächlich alles chemisch hochgezüchtete Kampfmaschinen in einem riesigen System aus Täuschung, (Selbst)Lüge und Betrug? Fast mag man es nach der Lektüre dieses Buchs glauben. Und vielleicht hat Matschinger ja wirklich Recht, wenn er behauptet, es gäbe im internationalen Leistungssport nicht nur einige schwarze Schafe, sondern man dürfe vermuten, es sei wahrscheinlich umgekehrt und es gebe wahrscheinlich erschreckender Weise lediglich ein paar weiße Schäfchen in einer riesigen schwarzen Herde?! Wenn man liest, mit welchen Mitteln Menschen ihre Körper manipulieren, um ihre Leistung zu optimieren und ihre Gewinnchancen zu erhöhen, wenn man liest, welche Machenschaften von Funktionären, Sportmedizinern, Medien und der Gesellschaft selbst gedeckt und aktiv oder passiv unterstützt werden, wird man (wurde ich jedenfalls!) schon nachdenklich! Wie steht es denn tatsächlich mit dem abgedroschenen Spruch, der Sport sei ein Spiegelbild unserer Gesellschaft?
Wenn man weiß, dass Herr Matschiner alle möglichen Sportler aus insgesamt 13 Nationen und innerhalb aller Sportarten 'betreut' hat, kann man sich denken, welche Tragweiter diese Bekenntnisse auch über Österreich hinaus haben dürften. Wenn ein Radsportgott wie der Gesamtdritte und Gewinner des Bergtrokots der Tour de France und damit ein Held des österreichischen Radsports Bernhard Kohl entlarvt wurde, wer mag wohl noch alles mit Mitteln aus dem Zauberkasten von Stefan Matschiner seine Leisungsfähigkeit unterstützt haben? Matschiner nennt keine Namen. Warum? Er selbst sagt, er wolle verhindern, dass wir alle nach der Nennung von Namen denken, damit sei alles erledigt, mehr gebe es wohl nicht, this was it - obwohl doch noch viel mehr (eigentlich fast jeder) aus der Leistungssportbranche längst im Drogensumpf stecken?! Ragt hier also nur eine kleine Spitze eines riesigen Eisbergs aus einem Dopingmeer???
Ich sag nur: Skandalös, packend, unglaublich. Meine Kapitel-Favoriten: 1. Eine italienische Reise (Teil 1 und 2) 2. Das Spiel mit dem Feuer und 3. Der Fall ins Bodenlose.