Rezension zu dem Buch Der Grenzsoldat" von Richard Hebstreit
Der Autor schreibt genauso offen, wie er damals vermutlich auch gedacht hat.
Die derbe Sprache ist zwar gewöhnungsbedürftig, gleichzeitig spiegelt sie aber die Soldatensprache der NVA wider.
Erstaunlich ist und das vermutlich nicht nur für mich, wie viele Soldaten den Schießbefehl für sich anders auslegten und die totale Ausführung verweigerten -innerlich.
Nach außen durften und konnten sie das ja nicht.
Noch erstaunlicher ist, wie offen untereinander darüber geredet wurde, obwohl auch die Grenzer immer damit rechnen mussten einen Spitzel unter sich zu haben.
Der Autor beschreibt nicht nur Soldatenalltag sehr eindrucksvoll, nein, auch die Umstände und die angeordnete Verdummung der Soldaten mit diesen sich immer wiederholenden kommunistischen Phrasen, die auch der übrigen DDR- Bevölkerung ständig in die Birne gekloppt wurde.
Man kann auch sehr gut den Widerstand des Autors dagegen spüren und lesen, den er teils offen aber auch heimlich diesem System entgegen gesetzt hat.
Der Autor beschreibt das Leben innerhalb seiner Kompanie sehr detaliert und bringt meistens das Geschehen und die Denkweise der Soldaten auf den Punkt.
Hin und wieder schweift er ab und kommt so von Hölzgen auf Stöcksgen".
Das tut aber seinem erzählerischen Stil keinen Abbruch.
Im Gegenteil:
Einerseits bekommt man einen tiefen Einblick in den Soldaten-Alltag mit allem Drum und Dran.
Alkohol innerhalb der NVA, ideologischer Drill, teilweise kaum erträgliche
Zustände während der Grenzsicherung - andererseits wird dieser nicht einfache Stoff durch Witze und Anekdoten aufgelockert.
Vor allem aber kommt man zu der Erkenntnis, das die meisten Grenzer Menschen waren und keine Gesinnungsschweine, obwohl man sie dazu machen wollte.
Alles in Allem ein aufklärendes und lehrreiches Buch, das ich Jedem, der sich für DDR- Geschichte interessiert, nur empfehlen kann.