1815 nach der verheerenden Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo an Preußen gefallen, 1920 nach der im Versailler Vertrag besiegelten Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg Belgien unterstellt, 1940 von faschistischen deutschen Truppen besetzt und 1945 wiederum Belgien angegliedert: So wechselvoll wie die Geschichte des Gebietes Eupen-Malmedy gestaltete sich auch das Leben der Menschen in der deutsch-belgischen Grenzregion.
Hier wächst in einem Dorf mit kaum 600 Einwohnern das Mädchen Jacki auf, lernt Jacki ihre große Liebe Jul kennen, die schon bald ein Opfer des Krieges wird, schlägt sie sich mit Kaffeeschmuggel durch's Leben, beginnt eine Affäre mit Henri und bringt ein Mädchen zur Welt. Jacki ist keine Kunstfigur, genauso wie die anderen Menschen, über die Maryanne Becker in ihrem Roman schreibt, tatsächlich gelebt haben. Orte, Namen und Einzelheiten wurden jedoch verändert. Nicht eine Dokumentation, sondern ein Roman erwartet die Leser.
Der Erzählstil ist sachlich, aber nicht emotionslos. So lässt sich mit Jacki mitfreuen und mitleiden. Wiederholt möchte man in die Handlung eingreifen, Jacki ein "Pass auf" entgegenrufen oder sie in ihrer menschlichen Haltung bestärken. Mit ihrer "Grenzlandfrau" ist es Maryanne Becker gelungen, ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte literarisch überzeugend zu gestalten.