Zunächst einmal: Ja, wir haben hier keinen Tolkien, aber wer das bei einem Erstlingswerk erwartet, sollte keine Romane lesen, sondern Sachbücher, da passiert einem sowas nicht.
Ich persönlich fand die Geschichte sehr unterhaltsam und in einem guten Tempo geschrieben - mal flott, dann wieder gemütlich vor sich hin dümpelnd. Hase ist mal nicht der typische Held, Marke allein gegen die Welt und macht eine halbgöttliche Figur dabei, bzw. Allein gegen die Welt und geht daran zugrunde. Stattdessen ist er ein tollpatschiger Pfau, der doch eigentlich nur in Ruhe gelasen werden will, einen Gefallen, den seine Umgebung ihm nicht tut.
Das die Geschichte praktisch von Dialogen getragen wird, und aus Hases Perspektive erzählt wird ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, hat mir aber gut gefallen, zumal ich Hases manchmal doch recht vorwitzige und unüberlegte Klappe sehr mag. Es gibt auch genug Bücher in denen der Held die ganze Geschichte durch vielleicht zwei Sätze rausbringt und sich stattdessen lieber mit der Axt durch Gegnerhorden pflügt, aber wie gesagt, es ist mal etwas anderes, muss nicht jedem gefallen, aber alle denen Helden deren Redebedürfnis und Waffenliebe an den Terminator erinnern zum Hals heraushängen, ist es eine willkommene Abwechslung.
Zum Kritikpunkt das die Orte des Buches und viele Charaktere nicht richtig ausgearbeitet sind bleibt zu sagen: Dieses Buch beschreibt eine recht chaotische Reise, in der es einmal quer über den Kontinent geht, das die Ausarbeitung der einzelnen Gebiete darunter gelitten hat, lässt sich nicht leugnen, lässt mich aber hoffen, dass das in späteren Bänden nachgeholt wird.
Alles in allem finde ich ist der erste Band der Grenzland-Saga ein gelungenes Buch, wenn man mal leichte Kost zur Unterhaltung möchte, sich nicht starr auf toternste Lektüre verbeißt und auch mal mit ein paar veräppelungen der gängigen Fantasy-Klischees leben kann.
Was ich schlussendlich noch nicht nachvollziehen kann, ist die Kritik einiger hier, die der Ansicht sind, nur weil man das Buch als gut befunden hat, hätte man nie zuvor Fantasy gelesen und man solle sich erstmal mit dem Genre auseinander setzen, bevor man ein Fantasy-Buch bewertet.
Ich verschlinge Fantasy-Bücher, seit ich in der fünften klasse war, und das sind mittlerweile doch schon gut zwölf Jahre, mir kann also wirklich niemand nachsagen, ich würde das Genre nicht kennen. Manche Leute sollten einfach akzeptieren, dass es verschiedene Geschmäcker gibt, und manche halt auch gern mal ein nicht unbedingt toternst zu nehmendes Buch zum schmunzeln lesen möchte, statt sich durch epische Schlachten und finsterste seelische Abgründe zu blättern.