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Grenzgänger
 
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Grenzgänger [Taschenbuch]

Cormac McCarthy , Hans Wolf
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 4 (2. Januar 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349913991X
  • ISBN-13: 978-3499139918
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 140.790 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Billy Parham und sein Bruder Boyd überschreiten noch einmal die Grenze nach Mexiko. Sie sind auf der Suche nach gestohlenen Pferden und den Mördern ihrer Eltern. Abenteuer und den Mördern ihrer Eltern. Abenteuer in der Wildnis, Leben am Rand der Zivilisation - Cormac McCarthys überwältigender Roman ist ein apokalyptisches Epos über die Liebe, den Tod und die Suche nach Identität.

Über den Autor

Cormac McCarthy wurde 1933 in Rhodes Island geboren und wuchs in Knoxville/Tennessee, auf. Für seine Bücher wurde er u. a. mit dem William Faulkner Award, dem American Academy Award, dem National Book Award und dem National Book Crities Circle Award ausgezeichnet. 2007 erhielt er für seinen epochalen Roman Die Straße den Pulitzerpreis. McCarthy lebt heute in El Paso, Texas. „Kein Land für alte Männer“ wurde von den Coen-Brüdern fürs Kino verfilmt.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wildes, raues Land! 9. April 2008
Von Thomas Reuter TOP 1000 REZENSENT
"Grenzgänger" stellt den mittleren und seitenstärksten Teil der "Border-Trilogie" von Cormac McCarty dar, der von All die schönen Pferde" und "Land der Freien" flankiert wird. Zwar lässt sich jeder Band problemlos für sich alleine lesen, in ihrer Gesamtheit stellt die Trilogie jedoch ein imposantes Werk dar, das im Bild der Grenze den amerikanischen Mythos der "frontier" eine poetische Form gibt. Es ist ein Markstein der amerikanischen Literatur, sowohl in poetischer wie auch in philosophischer Hinsicht.
In "Grenzgänger" dreht sich die Handlung wiederum um einen adoleszenten jungen Amerikaner in den 40er Jahren, den 16-jährigen Billy Parham, der mit seinem kleinen Bruder und den Eltern auf einer Ranch in New Mexiko lebt. Ein junger Wolf, aus den Bergen Mexikos eingewandert, zieht durch das Land, Symbol für die vergangene Wildheit des Landes. Billy Parham begibt sich als Fallensteller auf die Jagd und fängt den Wolf lebend und kehrt nicht mehr nach Hause zurück, sondern beschließt den Wolf in seine Heimat jenseits der Grenze zurück zu bringen.
Von nun an nimmt die Handlung, wie es scheinen mag, einen chaotischen Gang. Billy muss sich als junger Mann in dieser völlig fremden Welt Mexikos zurechtfinden. Zunächst trifft er auf einen zigeunerartigen fahrenden Jahrmarkt, der ihm prompt den Wolf entwendet. Als der Wolf droht bei Hundekämpfen zu sterben, erschießt er ihn. Billy verliert sich in den Weiten des Landes. Monatelang irrt er ziellos durch den Norden Mexikos. Er trifft auf Menschen, er ist alleine. Manche Menschen, die er trifft, erzählen ihm ihr Leben wie der Mann, der sich gegen Gott erhob und der Blinde. Diese Geschichten weiten sich aus zu tiefgründigen Binnenerzählungen über Gut und Böse und schicksalshafte Lebensentscheidungen und es gibt keinen Autor, der solch philosophische Themen in solch poetische Sätze gießen kann wie Cormac McCarthy. Ein Beispiel soll für viele andere Passagen des Romans stehen: "The Consequences of an act are often quite different from what one would guess. You must be sure that the intention in your heart is large enough to contain all wrong turnings, all disappointments. Do you see? Not everything has such a value."
Billy kehrt nach langer Zeit zurück nach Hause und findet seine Familie bis auf seinen kleinen Bruder ermordet. Nun machen sich die beiden Waisen gemeinsam auf gen Mexiko auf der Suche nach den gestohlenen Pferden der Familie. Wieder verläuft die Handlung unabsehbar und überraschend. Jahre vergehen. Der kleine Bruder Boyd wird schwer verwundet, verlässt schließlich den Bruder mit einer mexikanischen Frau. Viel später erst kann Billy nur noch das Grab des verstorbenen Bruders aufsuchen. Er birgt den Leichnam aus dem Grab und reitet mit dem Bündel gen Norden, um ihn im heimatlichen Boden zu bestatten.
Man kann hier noch sehr viel zur Handlung sagen. Entscheidend ist aber bei McCarthy vor allem der Ton, der Atem seiner Sprache, die in einen großen, langsamen Rhythmus schlägt. Die Landschaftsbeschreibungen sind von einer grandiosen Schönheit und die Szenerien sind von einer solch oppulenten Metaphorik und Symbolkraft - wie beispielsweise der der einsame Reiter Billy, der den Leichnam seines Bruders über die Grenze nach Norden rettet -, dass man sie nicht mehr vergisst. McCarthys Romane laden ein zum Wiederlesen. Für meine Begriffe gebührt McCarthy der nächste amerikanische Literaturnobelpreis.

Thomas Reuter
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Im Labyrinth der Einsamkeit 29. Dezember 2009
"Grenzgänger" schildert den Überlebenskampf von Mensch und Tier. Und erforscht
dabei die Grenzen zwischen Leben und Tod, Amerika und Mexiko, Gesetz und Gesetzlosigkeit,
Einsamkeit und Gemeinschaft, Sesshaftigkeit und Getriebensein, Reichtum und Armut. Und
den Übergang von archaischer Zeit in die Moderne.

Um die Einsamkeit, das rüde Geworfensein und die Tragik entwurzelter Menschen
kreist die Hauptgeschichte in McCarthys Epos. Mehrere Binnengeschichten bilden ein
ausgeklügeltes Räderwerk existenzieller Themen, philosophischer Betrachtungen
und sogar kulturhistorischer Hintergründe.

Ein unerbittliches Mahlwerk magischer Ereignisse und Zufälle erlauben den Handelnden
kein Entkommen vor dem Schicksal und auch nicht aus dem "Labyrinth ihrer Einsamkeit".
Vergiss es. Rettung ist nicht vorgesehen. Der Protagonist wandert immer weiter in
Richtung Nullpunkt. Dass er am Anfang der Geschichte erst 16 Jahre alt ist und am
Ende der Geschichte auch erst 21 Jahre steigert die Wirkung der geschilderten
Ereignisse auf den Leser.

Wenn es in dieser Geschichte nicht jene Menschen gäbe, die die Welt trotz
allem noch im Lot halten - wie der Arzt, der Sheriff, der Ranchero, der
indianische Gerente, die Zigeuner und die vielen anderen kuriosen Gestalten
am Wegesrand, die unplanbar auftauchen, um die Geschichte vor dem endgültigen
Versinken in den Abgrund zu bewahren. So steckt bei aller Tristesse hier
auch ein Quäntchen Hoffnung. McCarthys zeigt die Welt und die Menschen wie
sie sind und beschönigt nichts.

Ganz trübsinnig könnte man werden, wenn man all die Härten miterlebt,
denen der Protagonist Billy Perham ausgesetzt wird. Man wundert sich,
wie er mit seinem Leben fertig wird ohne zu verzweifeln. Erst auf der
letzten Seite schlägt er die Hände vor das Gesicht und weint. Vielleicht
ist das sein Happy end - "weinen können". Man sagt sich "Gott sei Dank",
er hat es geschafft, irgendwie, irgendwas. Obwohl alles beim Alten bleiben
wird. Die Einsamkeit, die Härte der Welt, die Unentrinnbarkeit des Schicksals.
Vor ihm liegt nun die nackte, regennasse, dunkle Straße. Symbol des modernen
Amerikas. Die Bezwingung der rohen Welt durch ein Netzwerk aus Gas-Stations,
Autobahnen und WalMarts kann beginnen. Doch "Der klimatisierte Alptraum" ist
dann auch nur eine andere Art des Trübsinns. Die man 70 Jahre später nur mit
Hilfe von Prozac und einem Heer von Shrinks im Zaum hält.

Sprachlich und gedanklich ist die Geschichte auf höchstem Niveau angesiedelt.
Kein leichtverdauliches Fast food, sondern eher ein zähes angekohltes Steak
in dem man aber noch die Lebenskraft des getöteten Bullen spürt.

Ich lese jetzt gleich anschließend "Kein Land für alte Männer" - den Film
habe ich schon gesehen und weiß: ohne happy end. Aber das ist genau das,
was ich suche und bevorzuge in einer mediengesteuerten Wohlfühlwelt, die uns
dauernd das Happy end vorgaukelt und das Grauen auftischt.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nie habe ich eindrucksvoller geschildert gefunden, in welcher Tragödie der Mensch sich selbst, seine Mitmenschen und die Mitgeschöpfe zerfleischt und zerquält. Der Roman beginnt mit einer gefangenen und geschundenen Wölfin, die der Held des Romans aus der von ihm selbst gestellten Falle befreit und dann in die mexikanische Sierra zurückbringen will, damit sie dort ihre Freiheit gewinnt. Dieses Vorhaben scheitert auf eine so schlimme Weise, dass etwa Jack Londons "Wolfsblut" dagegen als Rührstück anmutet. Dieser Prolog gibt den Grundton für die gesamte Handlung vor: Während Billy unterwegs war, löschten Banditen seine Familie aus, raubten den Besitz und ließen nur den Bruder übrig, den Billy allerdings am Ende des Romans als mumifizierte Leiche auf einem Schleppschlitten hinter seinem verwundeten Pferd herzieht. Eine grandiose Landschaft gibt die Kulisse ab für eine Tragödie, die als Gleichnis auf den Menschen überhaupt verstanden werden kann. Wer McCarthy liest, erspart sich anthropologische Klügeleien der Philosophie und übt sich tapfer im illusionslosen Blick auf Mensch, Moral und Gesellschaft. Allerdings ein wirklich harter Stoff. Wie als Kind musste ich mich bei der Lektüre selbst trösten: Es ist ja nur ein Buch, nur ein Buch, nur ein Buch ' Der Leser muss die Geschichte eines modernen Hiob aushalten können, die Geschichte eines Menschen, der alles verliert und am Ende seiner vergeblichen Odyssee in trauriger Verzweiflung an irgendeiner tristen Straße sitzt und Tränen darüber vergießt, dass er gerade selbst einen verkrüppelten Hund zu Tode prügeln wollte, vermutlich als letzte Kompensation für alles Ungemach, das ihm selbst im Weg lag. Aber Ungemach ist das falsche Wort: Es geht um ein Schicksal, das nicht mehr zu tragen ist, dass aber als menschliches Schicksal vielfach die Regel darstellt. Dieser Roman schildert die menschliche Katastrophe in einer traurigen Fabel. Wären die Juroren des Nobelpreises Leser, so hätte McCarthy diesen Preis! Seine Prosa nimmt die menschlichen Grundmuster auf, aus denen die Griechen und Shakespeare ihre Dramenkonflikte konstruierten. Nur muss McCarthy nichts konstruieren, ihm genügt das erzählende Zeigen. Ohne Zweifel ein Meister. Und ein Meisterwerk!
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