Dieses Buch von Bernhard Moestl ist eine Bereicherung in der Kindererziehungsliteratur.
Ich teile selbst einige Gemeinsamkeiten mit Herrn Moestl, ich bin im selben Jahr geboren, ich interessiere mich für Fotografie, für östliche Weisheiten und bin seit nun 18 Jahren Reisebegleiterin und entdecke immer noch neue Sehenswürdigkeiten.
Ich bin zwar keine Reisebegleiterin im herkömmlichen Sinne, aber ich bin Mutter von drei Kindern im Alter von 18, 11 und 8 Jahren. Diese sind keine Gäste, die nach kurzer Zeit wieder ihre eigenen Wege gehen, nein, die gemeinsame Reise dauert nun schon ziemlich lange und ist immer noch spannend und geprägt von neuen Eindrücken. Gerade auf diesem langen Weg habe ich eine Erfahrung gemacht, die mir in diesem Buch zu kurz kommt.
Dies ist das Problem, dass man von den eigenen Kindern ganz deutlich seine eigenen Grenzen und Schwächen gespiegelt bekommt und diese Erfahrung ist bei Gott nicht immer angenehm. Gerade die eigenen Fehler sind es, die man so oft nicht wahrhaben will. Diese Erfahrung machte ich nicht mit anderen Kindern, denn bei anderen sieht man die Situation oft viel nüchterner, weil man nicht in die eigenen Emotionen verstrickt ist.
Ich kann 10 seiner 12 Leitsätze für ein neues Erziehungsbewusstsein aus ganzem Herzen und tiefster Überzeugung unterzeichnen, daher bekommt das Buch von mir nicht die volle Sterneanzahl.
Einer dieser Leitsätze, wo ich anderer Meinung bin, handelt gerade von der Kunst, Grenzen zu setzen.
In diesem Kapitel schreibt der Autor: 'Wer in der Situation ist, andere Menschen zu führen, muss zuallererst professionell sein. Er muss sein Bestes geben und tun, was zu tun ist. Auch wenn das seinem Gegenüber vielleicht im Moment nicht passt. Diese Professionalität ist auch die wichtigste Aufgabe eines Erziehenden.'
Der Autor stellt in seinem Buch immer wieder Fragen an den Leser, durch die man angeregt wird, sein eigenes Leben und seine Einstellungen zu hinterfragen und für sich selbst zu beantworten. Eine Frage möchte ich hier aber gerne auch vor anderen beantworten.
'Was war das Besondere an Ihrem Lieblingslehrer?'
Das Besondere an meinem Lieblingslehrer war, dass er hin und wieder sagte: 'Da bin ich jetzt selbst überfragt. Das muss ich mir selbst genauer ansehen. Da habe ich mich geirrt.'
Und gerade das hat ihn für mich zu einem besonderen Lehrer gemacht. Es war für mich ganz wunderbar zu lernen, dass auch ein Lehrer nicht alles weiß und nicht ein perfektes, ja fast übernatürliches Wesen ist. Gerade sein 'Schwach-sein' konnte ich als eine besondere Stärke empfinden.
Es geht, so glaube ich, auch in der Kindererziehung nicht immer nur darum, perfekt und professionell vor den Kindern zu sein, sondern es ist auch in Ordnung, mal einen Fehler zu machen. Denn man lernt ja bekanntlich auch aus seinen Fehlern. Und ganz, ganz wichtig finde ich auch, den Kinder zu erklären, warum man eine Entscheidung trifft, die vielleicht auch manchmal auf Widerstand stößt. Falsch finde ich die Einstellung: 'Es gibt Dinge, da wird nicht diskutiert!'
Wenn ein Kind spürt, meine Eltern wissen auch nicht immer alles, aber sie lieben mich, so wie ich bin und sie sind bemüht, auch mal neue Wege zu erkunden und gegebenenfalls auch umzukehren, wenn sie einen Fehlern gemacht haben (gerade auch in der Kindererziehung), so sind sie, glaube ich, am besten Wege, ein Vorbild zu werden.