Frei nach Kant. So ließe sich das Thema beschreiben. Ich vermeide einmal den Begriff "Thema eingrenzen" ganz bewusst, zum einen wegen des Kalauers, zum anderen, weil dieses Buch gerade versucht, so weit und offen wie möglich zu sein und Bretter vor dem Kopf weitestmöglich zur Seite zu biegen.
Die rund 140 Seiten sind ein bisschen hochpreisig, doch vielleicht hat das auch mit der Auflagenhöhe zu tun. Gestaltet sind sie gut, schwarz-weiß, mit ab und an eingefügten Grafiken oder Tabellen. Der 2010 erschienene Tagungsband bezieht sich auf eine "MinD-Hochschul-Akademie" des Jahres zuvor und stellt 11 Artikel ein, zumeist aus jener Akademie.
Die sind in ihrer Art sehr unterschiedlich. Schade ist, dass niemand einigen der Autoren die 'ubiquitären' (allgegenwärtigen) wie unnötigen Fremdwörter und Manierismen gnadenlos hat austreiben wollen. Das zu tun kostet immer Zeit und Konflikt mit Autoren, gewiss. Die interessanten Artikel wären jedoch dann alle in klarem Deutsch genauso wissenschaftlich und viel besser lesbar gewesen. Holger Lyre z.B. watet im Mustopf des Wissenschaftsdialekts ohne Erkenntnis. Positivbeispiele sind Jasmin Mahadevan zu Interkulturalität und Holger Müller zu Staatsgrenzen (warum wurde nur anscheinend allein die deutsche Seite in seinen Text einbezogen - die Niederländer der Grenze hätten ja sogar zur Not auch Deutsch gekonnt?). Für mich ein Stern Abzug für die einigen unfruchtbaren Texte.
Dreieinhalb bis vier Sterne immer noch für ein anregendes wie vielfältiges Buch.