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Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 21.09.2002
Endlich liegt Helmuth Plessners "Grenzen der Gemeinschaft" in einer Neuausgabe vor, freut sich Rezensent Stephan Schalk. Lange war Plessners "Grenzschrift" ein Geheimtipp, berichtet der Rezensent über die kleine Schrift, die 1924 in "zivilisationsmüder Zeit" zuerst erschienen war. Plessners grundlegende anthropologische Prämisse darin ist, dass der Mensch von Natur aus künstlich sei, weiß Schalk. Der authentische Gemeinschaftswille allein reicht nach Plessner zum Zusammenleben nicht aus, der Mensch bedarf vielmehr sekundärer sozialer Regeln, die ihm ein funktionierendes Zusammenleben garantieren, erläutert Schalk. Wer als Emanzipationsfreund auf ein Formenkleid meine verzichten zu können, mache sich in Plessners sozialen Welt lächerlich. Schalk hebt hervor, dass die ursprünglich vor allem gegen die sozialradikale bündische Jugendbewegung gerichtete "Grenzschrift" von ihrer polemischen Kraft nichts eingebüßt hat.
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Kurzbeschreibung
Plessners Grenz-Schrift galt seit 1924 als Geheimtip. Entlang einer für deutsche Verhältnisse seltenen Limitierung von Gemeinschaftsutopien sucht sie durch die Denkfigur einer »Sehnsucht nach den Masken« ein »Gesellschaftsethos« zu begründen, das sich in den Kernkategorien »Distanz«, »Spiel«, »Zeremonie und Prestige«, »Diplomatie und Takt« verdichtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 zur Emigration gezwungen, entging Plessner in den Niederlanden während des Krieges nur knapp dem Zugriff der Gestapo. Nach 1945 spielte er als Remigrant neben Adorno, Horkheimer, Löwith und Rene König eine bedeutende Rolle in der intellektuellen Konsolidierung der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit.