Rezzori hat, ausgehend von einer hochkritischen Sicht des Kölner Karnevals, in diesem Buch den greisenmurmeligen Versuch gemacht, Machtstrukturen in ihrer gänzlichen Ekelhaftigkeit darzustellen. In eine schöne Metapher gerahmt: "Das negative Charisma des Unmenschen: der Sog, der den anderen das ICH entzieht wie im Märchen der Magnetberg die Nägel aus den Schiffen..." - so und ähnlich sucht Rezzori in vielen Details des bundesrepublikanischen Lebens dem auf die Spur zu kommen, was vom Nationalsozialismus vielleicht noch als unangenehmer Kaffeesatz übriggeblieben ist. Hochsensibel geht er den kleinsten atmosphärischen Schwankungen analytisch auf den Grund: "In der Tat war meine Absicht, mich zu Wort zu melden, schon gelähmt, bevor ich dazu kam, sie zu fassen..." - der kulturelle Fortschritt ist, dass man nicht erst erschrickt, wenn man ein Maschinengewehr vor sich sieht. Andererseits lesen wir bei ihm: "Man sollte das Leben nicht mit zu viel Ernst aufpumpen..." - und da haben wir sicherlich einen Kernsatz Rezzorischer Lebensweisheit, auf die wir in vielen Schattierungen immer wieder in diesem lesens- und liebenswerten Buch stoßen: "Wenn einer nicht schreiben kann wie Kafka, so sollte er wenigstens Ironie beherrschen..." Da Rezzori gottseidank nicht durchgängig gestrickt ist wie Kafka oder E.A. Poe, wie Orwell oder sonst einer, der den Untergang des Abendlandes dicht vor sich sieht, nimmt er uns immer wieder gütlich auf in seine Rettungsinsel des Humors: "Meine einzige Waffe gegen Rilke ist, dass ich ihn auf hamburgisch rezitiere..." - dieser Satz inspiriert zu Varianten: "Meine einzige Waffe gegen G. W. Bush und Saddam Hussein ist, dass ich sie auf hamburgisch rezitiere..." - ein Buch von bleibendem Wert, das uns der 1999 verstorbene Rezzori wie ein Vermächtnis hinterlassen hat ...