Ich war begeistert, als ich erfuhr, dass Gregory Crewdson einen Fotoband über das verfallene römische Filmstudio Cinecitta veröffentlicht hat, weil ich den Stil des Fotografen sehr schätze. Nicht umsonst gehört er zu den besten Fotografen der Welt. Erst kürzlich war eine Ausstellung im Burda-Museum in Baden-Baden zu sehen, wo ein Teil der "Beneath the Roses" Bilder zu sehen war. Und wer einmal vor diesen beinahe 2 Meter breiten ultrascharfen Fotografien stand, muss einfach beeindruckt sein. Das Ganze jetzt auch in Kombination mit einem Thema, das ganz eng mit einem Interessengebiet von mir verbunden ist: Ruinen und Vergänglichkeit.
Der Fotoband imponiert zunächst mit schierer Größe (ca.38x31cm), guter Verarbeitung und hochwertigen Papier (170gr). Nach einer kurzen aber interessanten Einleitung kommen die Bildtafeln, klassisch auf der rechten Seite, die linke Seite bleibt weiß und trägt lediglich klein die Tafelnummer. Die Bilder sind in guter Qualität mit sehr feinem Raster gedruckt. Überraschend das von Crewdson gewählte schwarz/weiß, sonst kennt man ihn nur farbig. Wenn man aber die für Crewdson extrem schnelle Produktion der Bilder berücksichtigt (normalerweise schafft er in dieser Zeit vielleicht ein Bild), erklärt sich vielleicht der Verzicht auf Farbe. Wer 4c fotografieren möchte, muss bei jedem Bild die richtige Lichtsituation erwischen. Bei der Anzahl der Bilder und der vielleicht zu geringen Möglichkeiten, die Motive farblich zu manipulieren, erscheint schwarz/weiß logisch. Der Griff zur Digital-Kamera erfordert ein bewusstes "Entwickeln" der Bilder. Crewdson hat sich für einen sehr gleichmäßigen, durchgezeichneten, detailreichen und oft sehr grauen Bildstil entschieden. Er arbeitet mit natürlichem Licht, das den authentischen Look der Bilder unterstreicht. Er verwendet Wasser, um Spiegelungen und bessere Kontraste zu erzielen. Nebenbei profitiert er von dem in der römischen Hitze verdampfenden Wasser, den einige Bilder haben dadurch neblige, schemenhafte Hintergrunde.
Inhaltlich brauch ich nicht mehr viel sagen. Die Bilder sprechen für sich. Man kann auch nicht wirklich von Ruinen sprechen, den diese Kulissen waren eigentlich nie fertige Architektur. Klar, die Bilder strahlen etwas Unheimliches aus, auch klar, dass der Eindruck Geisterstadt entsteht, es ist schliesslich auch eine Geisterstadt. Die gezeigten Architektur-Fragmente, die so offensichtlich Fassade sein wollen, machen nachdenklich und Zweifel kommen auf: vielleicht ist doch viel mehr in unserer Welt nur Fassade. Crewdson verzichtet auf Menschen was den Szenarien noch mehr Absurdität verleiht. Der eigentliche Star dieses Bildbandes ist jedoch das Gerüst, dass beinahe in jedem Bild eine Rolle spielt.
Ich empfehle dieses Buch jedem, der mit diesem Thema was anfangen kann. Klassischen Crewdson-Liebhabern sei gesagt, dass dieser Band andere Wege geht und dabei die surreal-grotesk-unheimliche Atmosphäre, die vielen Crewdson-Bilden Vielschichtigkeit verleiht, fehlt.