... sich von der literarischen Ungeheuerlichkeit stören zu lassen, die die Autorin Suzanne Collins im Buch zulässt: sagte, sagte, sagte, rief, rief, rief,... Die Figuren sagen und rufen nur, manchmal rufen sie zwar entsetzt und manchmal schreien und fragen sie, aber auf mehr Abwechslung der Verben vom Wortfeld "sagen" hält Collins nicht viel. Und das obwohl mir in der Schule eingebläut wird, dass es spannendere Verben gibt. Stattdessen setzt sie darauf, nach einer direkten Rede manchmal Adjektive einzubauen. (entsetzt rufen, erstaunt sagen) Mir ist das nicht genug.
Doch das ist das einzige Manko. Collins schafft es, die Geschichte von Boots und Gregor so spannend zu erzählen, dass ich das Problem mit "sagen" erst viel später bewusst bemerkt habe, denn ihr Schreibstil ist ja wirklich nicht schlecht. Ein bisschen brutal und düster (für Gregor sieht die Geschichte bis fast ganz am Schluss sehr schlecht aus!) ist die Geschichte schon, aber das steigert den Lesegenuss, um ehrlich zu sein, ja eigentlich nur. Es aber erst ab 14 Jahren oder so lesen zu lassen ist aber maßlos überzogen, ich würde es ab 11 empfehlen. Heutzutage kann die Kinder eh nichts mehr so leicht erschüttern. Ich habe das Buch mit 12 gelesen (jetzt während ich diese Rezesion schreibe bin ich 14) und war wirklich begeistert. Den dritten Teil habe ich auch schon gelesen und werde in Kürze auch die letzten beiden Teile lesen.
Fazit: Ein temporeich erzähltes, mit tollen Charakteren (coole Fledermäuse und Ratten) gespicktes Abenteuer, das es an Spannung mit viel niveauvolleren Jugendbüchern aufnehmen kann. Dennoch kann sich Suzanne Collins in allen Bereichen verbessern. Oder aber die Übersetzerin. Ich erwarte im 4. und 5. Teil sprachlich eine Verbesserung. Aber wenn der Spannungsbogen weiter so dauergespannt bleibt, kann ich mühelos darüber hinwegsehen. Der 3. Teil ist auch gut, weil Collins viele Wendungen eingebaut hat.
P.S.: Ich bin der Meinung, die deutsche Ausgabe hat die allerschönste Version des Covers.