In einschlägigen Rock-Lexika liest man ja leider oft, daß Tim Buckley große und innovative Platten in seinen Anfangsjahren machte, mit GREETINGS FROM L.A. jedoch leider seinen Sound "ver-schlagerte" und kommerzielle Konfektionsware in Sachen Blues/Soul/Funk vorlegte, mit einem Auge angeblich auf den finanziellen Erfolg schielend, der ihm bis dato versagt geblieben war. Das ist natürlich vollkommener blöder Quatsch. GREETINGS ist -arguably- seine stärkste Platte. In jedem Fall ist die Platte ein Dokument schierer Entäußerung, das seinesgleichen innerhalb der letzten 50 Jahre populärer Musik sucht. Einen derart intensiven Vortrag über einen gesamten Longplayer findet man nicht so leicht ein zweites Mal (schon gar nicht im Bereich der "weißen" Musik). Seit 26 Jahren begleitet mich die Scheibe bereits und ich krieg immer noch Gänsehaut bei Songs wie "Sweet Surrender" oder "Make it right",-- tiefste Seelenpein, absolut inbrünstig gesungen (geschrieen eher). Daß die Platte textlich im Grunde fast schon pornographisch ist, ist scheinbar nie jemandem aufgefallen. Wer etwas besser Englisch kann, sollte mal genauer auf die Texte achten. Eine deutlichere Beschreibung des Sexual-Aktes (ohne jedwede "dirty words" benutzen zu müssen)ist in diesem Ausmaß meines Wissens einzigartig. Die pumpende Musik und insbesondere Tim's Vokal-Akrobatik (köstlich wie er öckernde Affen in "Devil Eyes" nachahmt!) sind absolut mitreißend. Toll gespielt, fantastische Musiker, große Songs, ein vollendeter Sänger und Seelenentblößung wie es sie nur auf ganz wenigen Platten (sorry, -ich meinte wohl CDs) gibt. Eine ganz unglaubliche Platte ohne einen einzigen falschen Ton. Es mag ja sein, daß Tim Buckley mit dieser Platte weniger musikalisches Neuland betrat als mit manchen seiner unzugänglicheren Werken zuvor. Aber was absolute Inbrunst des Vortrags angeht, ist dies seine mächtigste Scheibe. Kaufen, laut aufdrehen, Flasche Bier dazu trinken, ZUHÖREN (nicht dabei bügeln, telefonieren oder fernsehen): unglaubliches Erlebnis!