Eines vorweg, ich kenne mich mit der Historie Kolumbiens nicht aus, und bewerte daher den Film als das, als was ich ihn sehe. Es dreht sich um Juan Felipe Orozcos "Greetings to the Devil", welcher dem Covertext nach in Richtung "96 Hours" geht, überraschenderweise aber eine gänzlich andere Richtung einschlägt.
Kolumbien erließ 2005 ein Gesetz, nach dem es Guerillas möglich ist, sich zu stellen und Amnestie zu erhalten. Dieses Gesetz nutzten viele, es kam aber nicht zu Lösungen von Problemen, sondern vielmehr zu Neuen. Hier setzt die Geschichte des Films an. Angel war seinerzeit als Guerilla unterwegs. Er mordete und folterte mit seiner Einheit, so wie sie es alle taten im Sinne ihrer Sache. Nun führt er ein normales Leben, hat keine Arbeit und sieht seine Tochter nur an manchen Tagen. Bis sie gekidnapped wird von Leder, dessen Vater Angels Einheit auf dem Gewissen hat, und welcher durch seine Inhaftierung seinerzeit beide Beine verlor. Er will Rache, und schickt Angel los, alle Leute seiner alten Einheit zu töten, sonst sieht er seine Tochter scheibchenweise wieder.
Wer denkt hier setzt die Action ein, liegt falsch! Angel geht zwar sogleich ans Werk, aber es geht hier nicht um große Schlägereien und umherfliegende Kugeln. Angel begibt sich auf eine Reise ins Verderben, und der Augenmerk der Geschichte liegt auf dem Aspekt der Vergebung zwischen Menschen und Menschen, nicht zwischen Regierungen und Menschen. Vergeben kann man nur selbst, das kann keiner für einen tun. Um diese Quintessenz zu erreichen taugt der Film in meinen Augen nur bedingt. Die Handlungsweise Angels ist für mich stellenweise einfach zu straight, was natürlich dem Kontext des Films dient, für einen unterhaltsamen Streifen allerdings jegliche Grundlage nimmt. Die Darsteller sind gut, allen voran wieder einmal Edgar Ramirez ("Che", "Carlos - Der Schakal"), allerdings sieht man am kurzen Making Of auch, dass die Budgetierung nicht sehr hoch war, und auch sonst scheint der Regisseur nicht viel Erfahrung in diesem Bereich zu haben. Hintergründe zu kolumbianischer Geschichte bekommt man hier keine, unterhaltsam ist der Film nicht, für mich persönlich also kein Grund den Film weiter zu empfehlen. Allerdings muss ich zu Gute halten, dass er für die widrigen Gegebenheiten inszenatorisch gut geworden ist, und die Wertung daher nicht ganz so negativ ausfällt, wie der Text oben vermuten lässt. Vielleicht findet der Film ja doch sein Publikum.
Die Blu-ray ansich kam mir stellenweise sehr schwammig und unscharf vor, wohingegen die letzten 15 Minuten, und zwischendurch kürzere Szenen, wiederum ein gutes und kontrastreiches Bild präsentierten. Insgesamt hätte die Qualität also grade mal für eine DVD genügt.An Extras gibt's neben dem 5-minütigen Making Of lediglich ein paar Trailer.