In den letzten Jahren erleben Lieder aus der Renaissance einen großen Zulauf. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Einerseits handelt es sich dabei um Stücke von großer Gefälligkeit, die eines gewissen verklärenden Charmes nicht entbehren; andererseits wächst die Diskographie in diesem lange Zeit vernachlässigten Repertoire. Die vorliegende CD enthält eine aussagekräftige Sammlung englischer Lautenlieder, die von der Sopranistin Julianne Baird und dem Lautenisten Ronn McFarlane meisterlich und seriös vorgetragen werden.
Die Sammlung ist in vier Gruppen untergliedert, innerhalb derer sich allerdings kein größerer thematischer oder sonst wie gearteter Zusammenhang erkennen lässt. In der ersten Gruppe sticht besonders Thomas Campions (1567-1620) "Author of Light" hervor. Die Stimmung des Liedes schwankt beständig von tief empfunden zu euphorisch verklärt. Besonders fein sind die Lautensoli, die sich in regelmäßiger Folge mit den Liedern abwechseln. Anthony Holbornes (gest. 1602) "Galliard" ist ein zerbrechliches Stück, das das Potential der Laute voll ausschöpft. McFarlane spielt auf zwei verschiedenen, historischen Lauten. Sein Können ist wirklich atemberaubend. Sein Spiel entrückt und versetzt den Hörer direkt hinein in eine längst vergangene Zeit.
Die zweite Gruppe enthält das anonyme und allseits bekannte "Greensleeves". Dieses so großartige Beispiel englischer Lautenmusik ist immer wieder bewegend. Da sämtliche Texte im hervorragenden Booklet abgedruckt sind, kann der Hörer dem einfühlsam geschilderten Gedankengang leicht folgen. Leider aber wird die Musik der Renaissance häufig vollständig auf "Greensleeves" reduziert. Dass das falsch ist, beweist spätestens "In Darkness Let Me Dwell" vom großen Renaissance Komponisten John Dowland (1563-1626). Dieses Lied ist derart einnehmend und berührend, dass man sich nur schwerlich von der recht düsteren Stimmung lösen kann.
"It Fell on a Summer's Day" von Campion ist ein weiteres Beispiel für das oben angesprochene, stets mitschwingende verklärende Element dieser Musik, das sogleich in seinen Bann zu ziehen vermag. Hier kommt Bairds herrlich klare, melancholische Stimme besonders zur Geltung. Was sie in "Away with These Self Loving Lads" von Dowland leistet, ist wirklich famos. Sie singt nicht nur technisch brillant, sondern meistert es trefflich, sich in die jeweils produzierte, geschilderte Situation einzufühlen und den Hörer zu fesseln.
Die vierte und letzte Gruppe wartet unter anderem mit dem intimen "The Cradle Pavan" von Holborne auf. Auch hier ist McFarlanes Spiel exorbitant und glasklar. Die herausragende Aufnahmequalität dieser Einspielung kommt diesem Umstand noch zu Gute. Zum Abschluss gibt's Dowlands "Time Stands Still". Das Zusammenspiel der beiden Akteure ist bestechend harmonisch. Keiner dominiert, die Laute, die immer wieder aus einer stumpfen Begleiterrolle herauswächst, schmiegt sich sanft an die helle Stimme Bairds an.
Fazit: Musik zum Träumen und Sinnieren. Baird und McFarlane bieten dem geneigten Hörer ein Recital der Extraklasse!