Puh, das ich das auf meine alten Tage noch erleben darf. Knapp 12 Jahre nach ihrem letzten Full-lenght-Album "Antipop" meldet sich eine der abgefahrensten Combos des gesamten Rock-Bizz wieder zurück zum Rapport. So richtig tot waren PRIMUS wohl in der Zwischenzeit nie. Denn neben den kultigen DVD-Releases "Animals should not try to act like people" und "Hallucino genetics" war die Band zuletzt auch wieder livehaftig auf großer Fahrt...kurze Stippvisite in Deutschland inklusive. Zusätzlich hat sich Front-Quälgeist Les Claypool über die Jahre auch mit einigen Solo-Projekten (u.a. OYSTERHEAD, FROG BRIGADE) bei Laune gehalten, die musikalisch aber nie den ganz großen Glanz entfalten konnten.
Noch kurz vorab: Das Frisco-Trio PRIMUS sind seit Urzeiten eine meiner absoluten Lieblingsbands - weil sie sich immer die Freiheit genommen haben, komplett anders zu klingen. Mit legendären Frickel-Scheiben wie "Sailing the seas of cheese" , "Pork soda" , "Brown album" und dem bahnbrechenden Studio-Debüt "Frizzle fry" (bis heute unerreicht!) erfanden Les Claypool & Co. ihren Band-eigenen Stil einfach selbst, indem sie zirkusreif Rock, Funk, Jazz, Blues, Polka und Hardcore mit krudem Humor vemischten. Drei brilliante Vollblut-Instrumentalisten mit Hang zum freakig-absurden Songwriting, bei dem 99% aller Ottonormalhörer lieber jetzt als sofort den "Aus"-Schalter der Stereoanlage betätigen. Das war schon immer so, und das wird auch fortan wieder so sein.
Das langersehnte Album-Comeback nach einer halben Ewigkeit trägt den Titel "Green naugahyde", auf dem PRIMUS einfach nahtlos dort ansetzen, wo sie vor über 10 Jahren aufgehört haben. Spielerisch zieht das Trio dabei erneut alle Register...begeht jedoch den Fehler, den spontanen Session-Wahnsinn ihrer Konzerte ins Studio transportieren zu wollen. Um nicht misverstanden zu werden: Alle Songs dieses 11-Trackers (Intro u. Outro gibts obendrein) haben den Stempel "saugut" bis "Weltklasse" ausnahmslos verdient. Jedoch weiß die Band oftmals einfach nicht, wann ein Song einfach mal enden sollte. Immer wenn großartige Nummern wie "Extinction burst" , "Last salmon man" , der leichtfüßige Schwermut-Feger "Jilly's on smack" oder "Eyes of a squirrel" (spielen da eigentlich Menschen aus Fleisch und Blut?) ihren Höhepunkt erreicht haben, verlieren sich PRIMUS in viel zu langen Jams, so dass das Album unterm Strich unnötigerweise fast 10 Minuten zu lang ausfällt. Je nach Sichtweise kann dies natürlich auch positiv ins Gewicht fallen. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn die Songs - wie z.B. beim kurzen "Green ranger" - etwas knapper geraten wären.
Aber alles in allem steht hier außer Frage, dass PRIMUS eine verdammt geile Scheibe abgeliefert haben, die (manchmal zuuu abgefahrenen) Alt-Werken wie "Pork soda" oder "Tales from the punchbowl" mal locker das Wasser reichen kann. Mit bandtypischen Hits wie "Moron TV" , "Tragedy's a'comin'" , "Lee van cleef" , "Eternal consumption engine" , "Hoinfodaman" und "Hennepin crawler" (als Opener ideal!) finden sich die drei Paradiesvögel sogar auf "Seas of cheese"-Niveau wieder, ohne das ein Qualitätsverlust hörbar wäre. Textlich gibt es hier den gewohnt surrealen Irrsinn auf die Ohren, dem man als Normalsterblicher am besten garnicht verstehen möchte. Tja, und in Punkto Zusammenspiel werden eh über 50 Minuten sämtliche Bestmarken getoppt. Während Jay Lane hinter seiner Schießbude selbst die unmöglichsten Taktfolgen aneinanderreiht , und Larry Lalonde als schräger Gitarren-Künstler immer wieder neue Farben auf die Leinwand wischt, brennt Band-Chef Les Claypool ein Bass-Feuerwerk der Superlative ab. Kein Zweifel: Anstatt damals im Kinderzimmer mit Autos oder Kuscheltieren zu spielen, hat der gute Les als Dreikäsehoch gewiss schon die ersten Slap-Bass-Figuren runtergezockt. Anders kann man sich diese unglaubliche Fingerfertigkeit nicht erklären.
Fazit: Mit "Green naugahyde" ist PRIMUS eine grandiose Album-Rückkehr geglückt, die mit jedem Hördurchlauf immer mehr Reize entfaltet. Alte Liebe rostet nicht...dieser Spruch passt hier wirklich wie die Faust auf's Auge. Jungs, wie habe ich es blos die letzten Jahre ohne euch ausgehalten ?!