Zwei Dinge vorweg: Ich kenne die Comic-Vorlage nicht und kann daher nur den Film als solchen bewerten. Außerdem habe ich den Trailer gesehen, der mir ziemlich blöd vorkam und aufgrund dessen ich den Film fast nicht gesehen hätte. Zum Glück nur fast, denn ich wurde absolut positiv überrascht! Alle, die grüne Weltraum-Laternen spontan albern finden (so wie ich), sollten dem Film eine Chance geben.
Zunächst einmal ist *The Green Lantern* technisch perfekt und wartet mit einem wahren Effekt-Feuerwerk auf; das ist für die Darstellung der Filmwelt, die weit über den Planeten Erde hinausgeht, auch notwendig und setzt die Geschichte hervorragend um. Die Story ist sehr gelungen und vor allem wohl durchdacht und ausgezeichnet erzählt (Keine losen Handlungsstränge oder Logikbrüche, gutes Erzähltempo, toller Aufbau und Spannungsbogen). Es gibt viele witzig-originelle Situationen und es werden ganz bewusst einige lästige Klischees umgangen. Sehr schön!
Auch die Darsteller und die von ihnen verkörperten Rollen haben mich allesamt überzeugt, denn hier wurden sehr menschliche Charaktere mit Ecken und Kanten erschaffen. Obwohl ich Ryan Reynolds bis dato nicht kannte, kann ich mir kaum eine bessere Besetzung des Hal Jordan vorstellen, weil er der Figur viel Leben und Individualität einhaucht, außerdem nimmt er sich nicht so verbissen ernst. *The Green Lantern* ist eben kein *Batman in Grün*, und das finde ich gut so.
Da viele Zuschauer gegenüber Comics manchmal seltsame Erwartungshaltungen haben, möchte ich nochmal erläutern, was ein Comic generell ist bzw. NICHT ist:
Es ist kein Action-Kracher, kein Sozialdrama und kein Psychothriller. Wer auf Knochenbrecher-Fights, Dauer-Explosionen, sozialkritische Gesellschaftsanalysen, intellektuell anspruchsvolle Diskussionen, nervenzerreißende zwischenmenschliche Beziehungen und zerbrochene Seelen steht, geht hier oftmals leer aus und sollte lieber Filme der entsprechenden Genres sehen.
Die meisten Comics haben sowohl optisch als auch inhaltlich einen gewissen Abstraktionsgrad oder Freak-Faktor. Dieser ist nicht nur unterhaltsam, sondern löst die behandelten Themen aus ihrem gewöhnlichen, gesellschaftlichen Kontext und macht sie dadurch universeller. Auch die oftmals bewusst stereotype Auseinandersetzung mit Gut und Böse ist, ebenso wie der gezielte Bruch mit diesen Klischees, für Comics typisch. Da die Story meist unverblümt und direkt daher kommt, empfinden viele Leute Comics als platt; der eigentliche Reiz liegt aber ohnehin eher in der kreativen Umsetzung, die oftmals gewollt trashig wirkt und eher nicht für ein bildungselitäres Publikum gedacht ist. Der oft zitierte *Batman The Dark Knight*, dem allgemein ein gewisser Anspruch zugesagt wird, ist insofern keine gute Referenz, als Regisseur Christopher Nolan sich hier sehr bemüht hat, aus der Vorlage einen Realfilm zu machen und somit viele Comic-Kriterien umgangen ist. Comics wollen in erster Linie kreativ sein und unterhalten. Obwohl vieles unlogisch ist (Superkräfte, Mutanten, Raumschiffe etc.) zeichnen sich gute Comics durch eine in sich logische Story und eine gelungene Erzählweise aus.
In Bezug auf *The Green Lantern* heißt das: Mission erfüllt! Dieses Popcorn-Kino der Superlative lädt den Zuschauer in eine umfangreiche, individuelle und sehr grüne Filmwelt ein. Es gibt viele witzige Szenen, die aber nie in Albernheiten abrutschen oder komödiantisch werden, es gibt ein solides Maß an (sehr ungewöhnlicher) Action und eine unaufdringliche Prise Romantik ist auch dabei. Im Prinzip geht es um die Überwindung der Angst durch die eigene Willenskraft. Klingt etwas nach Coaching und kommt auch mit viel Menschlichkeit und wenig Pathos rüber; hier trommelt sich eben keiner auf die gestählte Heldenbrust. Wen das nicht stört, der kann einen ungewöhnlichen, tollen Film genießen, der nicht eine Sekunde langweilig ist.
Wer *Thor* und auch *Iron Man* gut findet (so wie ich) sollte bei *The Green Lantern* richtig liegen. Viel Spaß!