Man mag sich berechtigter Weise die Frage stellen, ob dieser Mann, der mit seiner bereits seit über einem Jahr andauernden Welttournee die jeweils größten Konzerthallen so ziemlich sämtlicher Weltmetropolen ausverkauft und nebenbei einen (exzellenten!) Livemitschnitt eines dieser Konzerte sowohl auf CD wie auch auf DVD veröffentlicht hat, die sich nebenbei erwähnt auch hervorragend verkaufen (nicht unerwähnt soll der außerordentlich faire Preis für die DVD bleiben), es nötig hat nun auch noch eine CD nachzuschieben, die, der Titel legt es nahe, nichts ist als eine Zusammenstellung einiger seiner erfolgreichsten Songs, die auch noch einigermaßen willkürlich aneinandergereiht wirken. Offensichtlich hat er es und es sei ihm von Herzen dafür gedankt. Diese "Greatest Hits" mag dem langjährigen Fan absolut unnötig erscheinen. Nichts neues, die älteren Songs nicht einmal neu gemastered.
Doch anders als die allermeisten Musiker seines Alters hat Cohen nie an Anziehungskraft auch für jüngere Fans verloren. Er ist einer dieser Ausnahmekünstler, deren Publikum ganze Generationen faszinierter Zuhörer umfasst. Vom Studenten über den Kanzlerkandidaten bis zum Rentner. Und wann immer der Meister seine Stimme erhebt herrscht andächtige Stille. Seine Konzerte haben etwas von Gottesdiensten mit höherem Unterhaltungswert, mehr Anspruch und tiefgehenderen Emotionen. Und auch wenn keine Aufzeichnung dieser Welt mit dem Liveerlebnis mithalten kann, ist es ein großartiges Erlebnis in manchen besonderen Stunden seine Platten zu hören.
Nein, dieses Greatest Hits Album ist nichts für diejenigen, die seit 30, 40 Jahren alles zusammengesammelt haben, was Cohen veröffentlicht hat. Aber es ist phantatsisch für all diejenigen, die sich davon überzeugen wollen, dass sich große Künstler über die Dekaden weiterentwickeln, sich verändern, mit ihrem eigenen Stil brechen und dennoch in ihrem Werk immer sie selbst bleiben. Ein Song wie "Suzanne" mag musikalisch weder besonders viel mit "First we take Manhattan" noch mit "Everybody Knows" oder "Closing Time" gemein haben, aber bei aller Unterschiedlichkeit demonstriert diese CD eindrucksvoll, wie sich die Musik dieses größten aller Musikpoeten über fast vierzig Jahre weiterentwickelt hat.