"Greatest Hits Vol. 3" knüpft zeitlich erwartungsgemäß dort an, wo "Greatest Hits Vol. 2" aufhörte: aus fast allen Studioalben von "Pat Garrett & Billy the Kid" bis "Under the Red Sky" wurde der jeweils beste, bekannteste, erfolgreichste und/oder zugänglichste Song ausgesucht; nur von "Saved" und "Empire Burlesque" ist nichts dabei.
Der Titel "Greatest Hits" ist allerdings leicht irreführend, wenn man von Chartnotierungen oder Coverversionen ausgeht; in diese Kategorie dürfte wohl einzig Knockin' on Heaven's Door fallen, das neben Eric Clapton und Guns'n'Roses von unzähligen weiteren Bands gecovert wurde. Von "Planet Waves" ('74) war die Hymne Forever young eine logische Wahl, die Eröffnungsnummer von "Blood on the Tracks" ('75), Tangled up in blue, ist ein Klassiker, und Hurricane (in zwei Teilen auch als Single veröffentlicht) war zweifellos der bekannteste Song auf "Desire" ('76).
"Street Legal" ('78) klang im Originalmix immer schon wie ein Pappkarton und ist seit 1999 in einem stark verbesserten Remix erhältlich, den ich dem Original in jedem Falle vorziehe; für Nostalgiker gibt es - nur hier - den '78er Originalmix von Changing of the Guards, immerhin remastert. Für Gotta serve somebody (von "Slow Train coming") bekam Dylan '79 sogar einen Grammy für die beste "Male Vocal Performance" - wer hätte das gedacht?
Witzig, dass mit dem rockigen The Groom's still waiting at the Altar eine Single-B-Seite (!) vorliegt, die man erst Jahre später der CD-Ausgabe von "Shot of Love" ('81) einfügte und die mittlerweile regelmäßig auf Hitsamplern erscheint - als einziger Song aus diesem Album! Zu Jokerman (aus "Infidels", '83) drehte Dylan sein erstes Video, und mit Brownsville Girl aus der unsäglichen "Knocked out loaded" ('86) gibt's hier nicht nur den besten Song aus diesem Album, sondern gar einen der besten Dylan-Songs Mitte der Achtziger überhaupt. Wenn man schon um die ebenfalls nicht berühmte "Down in the Groove" ('88) nicht herumkommt, ist Silvio eine akzeptable Wahl.
Dylans Meisterwerk "Oh Mercy" von 1989 ist im Endeffekt auf "Greatest Hits Vol. 3" passenderweise gleich dreimal vertreten: Ring them Bells wird daraus mittlerweile regelmäßig ausgekoppelt. Das atmosphärische Series of Dreams (von "Bootleg Series Vol. 1-3") und das hier neu veröffentlichte Dignity stammen beide ebenfalls aus den Sessions zu "Oh Mercy"; schade, dass Dylan sie offenbar seinerzeit für nicht passend befand und sie erst in den Folgejahren vollendete! Den Abschluss bildet das kinderliedartige Under the red Sky aus dem gleichnamigen Album ('90), das musste wohl sein.
"Greatest Hits Vol. 3" war 1994 die erste mir bekannte CD, die Dylan-Songs in gutem Mastering servierte und sie bot, auf einer CD komprimiert, einen konzentrierten Querschnitt durch Dylans Schaffen in den Siebziger und Achtziger Jahren, und da Dylan selten zwei Alben hintereinander mit denselben Musikern eingespielt hat, ist diese CD über 77 Minuten auch musikalisch sehr abwechslungsreich ausgefallen.