Das Greatest-Hits-Album von Vanessa Williams spiegelt, wie der Titel bereits vorweg nimmt, die ersten 10 Jahre ihrer Gesangskarriere wieder. Dabei wurden nur Hits draufgepackt, die in den USA mindestens die Top20 erreichten. In Deutschland blieb der Erfolg bislang eher aus; schaffte es "Save The Best For Last" 1992 gerade mal auf Platz 19 und "Where Do We Go From Here" 1996 auf Platz 81. Außer diesen Singles bekam sie hier zu Lande nämlich keinen Hit geschenkt. Dass dies unberechtigt geschehen ist, beweist nicht zuletzt dieses Album.
Angefangen mit Up-Tempo-Nummern der späten 80er und frühen 90er, wie "Running Back To You" oder "The Right Stuff", die irgendwie an die 80er-Hits von Janet Jackson erinnern. "Save The Best For Last" dürfte (als einziger No. 1 Hit in den USA) wohl ihr bekanntestes Stück und sicher auch eines ihrer besten sein. Doch auch die leicht Latin-angehauchte Nummer "Betcha Never" oder die Traumballade "Oh How The Years Go By" überzeugen und zeigen einmal mehr, dass Miss Williams irgendwie das richtige Gespür für die passende Musik hat. Nachdem sie ihre regulären Single-Hits chronologisch vorgestellt hat, folgen mit Tack 10-12 Ihre Soundtracks. Angefangen bei dem wunderschönen Liebesduett "Love Is" mit Brian McKnight aus dem "Beverly Hills 90210"-Soundtrack. Durch die sparsame Instrumentierung kommen die Stimmen der Duett-Partner noch besser zur Geltung, besonders die von Brian McKnight. "Colors Of The Wind" ist mit sicherheit ihr schönster und auch textlich interessantester Hit. Als Soundtrack zu Disney's "Pocahontas" handelt er von dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur - kein übliches Balladen-Thema! "Where Do We Go From Here" aus dem Film "Eraser" imponiert vor allem durch seine markanten Bläser-Sätze - eine typische 90er-Ballade im Stil von "I Have Nothing" (Whitney Houston). Ein (damals) neuer Song folgt als letztes, haut aber nicht unbedingt vom Hocker.
Insgesamt gesehen macht sich Vanessa Williams schon besser als Balladen-Sängerin. Zwar fehlt ihr leider manchmal die Stimme, um eine wahrhaftige Powerballade zum Höhepunkt zu steigern, doch hat sie dafür das nötige Gefühl, um solche Themen glaubhaft rüberzubringen. Außerdem scheint sie ein Gespür für die richtige Musik zu haben, denn trotz der manchmal fehlenden Power, hat man nie das Gefühl, dass sie sich übernimmt. Die Arrangements sind auf ihre Stimme und Fähigkeiten perfekt zugeschnitten, sodass zumindest gezeigt wird, dass sie das was sie da tut auch wirklich gut kann. Alles in allem ein guter Überblick über ihre US-Hits, die allesamt gut und sauber produziert und gesungen sind. Da wünscht man sich, dass sie bald einen Comeback-Versuch startet und damit dann wirklich mal weltweit erfolgreich wird!