Das im Jahre 1976 veröffentliche Album "Greatest Hits (Vol. 1)" bietet nicht nur die dahin kommerziell am erfolgreichsten Songs der aus Tucson/Arizona stammenden Sängerin, sondern auch einen hervorragenden Querschnitt ihrer stilistischen Möglichkeiten. Mit Ausnahme der LP "Linda Ronstadt", die 1972 zusammen mit den späteren EAGLES als Begleitgruppe eingespielt wurde, bietet "Vol. 1" von jedem der bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommenen 8 Solo-Alben mindestens jeweils einen Track.
Die von Gary White geschriebene Ballade "Long, Long Time," (6) ist die älteste Aufnahme des Albums (Silk Purse - 1970). Als Ronstadts erste Single verbuchte der Song Platz 21 in den US-Charts und brachte ihr 1971 eine Grammy Nominierung in der Kategorie "Best Contemporary Vocal Performance, Female" bei der sie sich jedoch Dionne Warwick geschlagen geben musste. You're No Good (1) stammt von "Heart Like a Wheel", das als erstes Ronstadt Album am 15. Februar 1975 Position 1 der "Billboard Album Charts" und gleichzeitig Platz 1 der "Hot Country Songs Charts" erreichte. Kurz danach erklomm das gelungene Remake eines Clint Ballard Jr. Song (Betty Everett und Swingin Blue Jeans) die Spitze der "Billboard Hot 100" und brachte die Sängerin zum erstenmal auf das "Cover of The Rolling Stone Magazine". Ein weiter (bis heute unzählige Male gecoverter) Knaller war ein rockiges Remake des alten Everly Brothers Hit "When Will I Be Loved" (8), das sich als zweite Singleauskopplung im Juni 1975 zwei Wochen hinter "The Captain's & Tennille's" Megahit "Love Will Keep Us Together mit Platz 2 der "Hot 100" zufrieden geben musste. Auch die B-Seite dieser Auskopplung brachte mit Paul Ankas "It Doesn't Matter Anymore" (11) ein melancholisches Cover (eines Buddy Holly & the Crickets Songs), das in die Top 50 der Pop and Country Charts gelangen konnte.
Vom hierzulande recht schwierig zu bekommenden Longplayer "Don't cry now" (1973), der von Lindas damaligem Lover und EAGLES-Muse John David Souther produziert wurde, gibt es drei Tracks: "Silver Threads and Golden Needles" (2) stammt war im Original ein Hits von "The Springfields" (1962) und wurde bereits 1969 von Linda für "Hand Sown....Home Grown" gecovert. Ein besonderes Bonbon ist Ronstadts Version des im gleichen Jahr veröffentlichten, von Glenn Frey und Don Henley geschriebenen "Desperado" (3). Der langsame Dreivierteltakter "Love Has No Pride" (9) von Eric Kaz sollte zu einem Klassiker werden, der auch von Johnny Cash, Rita Coolidge Bonnie Raitt aufgenommen wurde. Das vom Michael Nesmith (Monkees) komponierte Different Drum (7) wurde von Linda und ihrer damaligen Gruppe bereits 1968 veröffentlicht; die neue Version stammt vom gleichnamigen 1974er Album. Mit drei Songs von der LP "Prisoner in disguise" (1975) zeigt die Wahlkalifornierin einmal mehr die Bandbreite ihrer Repertoires Neil Youngs "Love Is a Rose" (4) ist mit seiner countrybetonten Banjo-, Fiddle- und Mundharmonikabegeleitung geradezu ein "back to her roots". Demgegenüber wandelt sie auch recht überzeugend mit dem Martha Reeves & the Vandellas Hit "(Love Is Like A) Heat Wave" (10) und Smokey Robinsons "Tracks of My Tears" (12) auf Pfaden des 1960er Motown. Bei "That'll Be the Day" (5) vom Album "Hasten Down the wind" (1976) verleiht Frau Ronstadt der alten Buddy-Holly-Nummer neuen Drive und macht einen weiteren Schritt Richtung Rockmusik......
"Greatest Hits (Vol. 1)" ist besonders als Einstieg empfehlenswert, um mit Linda Ronstadts Musik Bekanntschaft zu machen. Ein starkes Stück Musikgeschichte das mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.