Zu Charles Edward "Chuck" Berry kann oftmals gelesen werden, er habe sich musikalisch nicht weiterentwickelt....
....warum und wozu sollte er dies auch? - denn Rock 'n' Roll muss in mit seinen Gitarrenriffs und -licks in seiner Diktion archaisch und urwüchsig bleiben, denn sonst würde er seine Identität verlieren. Die fortschreitende Technik erlaubt jedoch heutzutage eine vollmundigere Präsentation. "Chuck Berry - Greatest Hits" sind daher nicht nur als Rohdiamanten, sondern auch als zeitlose Matrix des R'n'R anzusehen...
"Maybelline" (ursprünglicher Titel: "Ida Red") ist Berrys erster US TOP5-Hit aus dem Jahre 1955, den er bei seiner anschließenden Tournee mit seinem berühmten "Duckwalk" präsentiert. "Oh Baby Doll" vermittelt dem Zuhörer, warum er auch als "schwarzer Hillbilly" bezeichnet wird. Mit "No Particular Place To Go", der Neuauflage von "School Day", meldete sich Berry 1964 nach seinem dreijährigen Gefängnisaufenthalt zurück, zu dem er wegen eines angeblichen Vergehens gegen den "Man Act" verurteilt worden war. 18 Jahre später sollten George Thorogood & The Destroyers aus dem Song einen wahrhaften Hammer machen. "Rip It Up" ist der einzige Titel auf der CD, der nicht aus seiner Feder stammt, jedoch als Klassiker u.a von seinem "Tastenbruder" Little Richard, den Beatles und sogar von T. Rex. gecovert wurde. Auch von "Brown Eyed Handsome Man" und "Roll Over Beethoven" sollten, neben jenen der Fab Four, bis zum heutigen Tage eine große Zahl von powervollen und bombastischen Neuauflagen folgen (z. B. von "ELO"). "Sweet Little Sixteen" wurde im Jahre 1963 zum "Surfin' USA" der Beach Boys. Der seinem Mitkomponisten und Pianisten Johnnie Johnson gewidmete Titel "Johnny B. Good" wurde als Teil der "Sounds of Earth" und Hymne des R'n'R mit der Raumsonde Voyager I 1977 für die Ewigkeit ins Weltall geschickt. 1960 wurde mit "Bye Bye Johnny" die zwei Jahre zuvor begonnene Geschichte des Countryboys aus Louisiana fortgesetzt. Auch die restlichen Songs sind ein Genuss und kommen dem Zuhörer irgendwie bekannt vor. Kein Wunder! Z. B. "You Can Never Tell" wurde in der frankophonen Version ein Hit für Emmylou Harris ("C`est La Vie", 1977). "Promised Land" das u. a. von so unterschiedlichen Musikern wie Jackie Wilson, The Band, Grateful Death, Meat Loaf und Style Council gecovert wurde, macht ebenso wie das die CD abschließende "Little Queenie" (Versionen der Rolling Stones, REO Speedwagon und Tom Jones) die elementare Bedeutung von Berry Kompositionen und seines E-Gitarrenstils deutlich.
Mit seinen "Greatest Hits" wurde der lebenden Legende, der als erster im Jahre 1986 in "R'n'R Hall Of Fame" Aufnahme fand und am 18.10.2006 das achtzigste (!) Lebensjahr vollenden wird, ein Denkmal gesetzt. Ein Muss für alle an Musikgeschichte Interessierten, Rock 'n' Roll Ästheten und Puristen und höchst empfehlenswert für alle, die des "Techno" und anderen Synthesizertönen überdrüssig sind. Die Höchstwertung: 5 Amazonsterne!