Mit seinem dritten Recital, in dem er neben Arien von Rossini und Donizetti, Arien von Gluck, Halévy, Cimarosa und Verdi (!) zu Gehör bringt, hat Juan Diego Flórez sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Nach dem ersten Hören war ich wie vom Donner gerührt, habe zwischendurch immer wieder ungläubig den Kopf geschüttelt, Flórez' Stimme scheint jede Zelle des Körpers in Schwingung zu versetzen, er singt mit einer Verve ohne Gleichen und produziert dabei Spitzentöne mit einer Leichtigkeit, die atemberaubend ist. Man könnte meinen, eine Arie wie die des Orpheus als Entrée zu verwenden, sei langweilig und das Ergebnis vorhersehbar, allein, er singt die Arie mit neuer kraftvoller Frische, mit langen, strahlenden acuti und leisen Passagen fühlbarer Sehnsucht.
Die Auswahl der Arien für die vorliegende CD ist spannend, vielfältig, selten zuvor so zu haben gewesen, großes Lob hierfür. Neben dem ihm vertrauten Belcantorepertoire gibt es zwei Arien von Verdi zu hören, unter anderem "La donna è mobile" - kann er das? Oh ja, er kann, sogar so gut, dass am Ende die Luft brennt, wenn er mit schier endlosem Atem "...e di pensier" singt. Die Stimme liegt zu jeder Zeit satt auf dem Atem, auch wenn die Tessitura noch so hoch liegt, mir scheint, die Note, die er nicht erreichen kann, muss erst noch komponiert werden
Seine Stimme ist für mich ein veritables Wunder, sie lebt von einer unfassbaren Kraft, wobei die Spitzentöne sicher die erstaunlichste Reaktion bewirken, mir stockt bei ihnen immer der Atem. Es ist, als drängten zusammen mit seiner Stimme Myriaden kleiner Sonnen ins Ohr, von wo aus sie sich im ganzen Körper verteilen und ihn so in eine äußerst angenehme Form höchster Anspannung bringen. Wer Flórez durch andere Aufnahmen noch nicht kennt, sollte sich unbedingt für diese CD entscheiden. Mit nur 10 Arien ist es zwar eine eher kleine CD, die aber die größten Gefühle zu wecken vermag.. Hut ab!