Für das Violoncello ist die Auswahl an Solokonzerten nicht gerade üppig. Darum verwundert es nicht, daß alle Cellisten glücklich sind, daß von Joseph Haydn mindestens zwei authentische Exemplare überliefert sind. Mstislav Rostropovitch hat 1975 die vorliegenden Aufnahmen der beiden Haydn-Konzerte aufgezeichnet, und sie sind bis heute noch immer Maßstab für alle Neueinspielungen. Rostropovitch spielt die Werke mit großem Ton, sehr souverän, ohne jede Übertreibung, aber auch ohne einen Moment die große Linie außer Acht zu lassen. Staunend stellte der englische Musikkritiker Roger Fiske 1976 in der Zeitschrift "Gramophone" fest, der Solist überwinde die enormen Schwierigkeiten im Solopart des D-dur-Konzertes so, daß sie nicht mehr existierten.
Für das erste Konzert C-dur hat sein Freund Benjamin Britten eigens für ihn eine sehr eigenwillige, faszinierende Kadenz geschrieben, die Rostropovitch hier vorträgt. Zum zweiten Konzert D-dur hat der Solist selbst eine virtuose Kadenz beigesteuert, die ebenfalls glänzend gelungen ist. Die Academy of St.-Martin-of-the-Fields begleitet feinfühlig und mit gewohnter Perfektion, vom Solisten unter Assistenz von Iona Brown geleitet.
Der Klang der Originalaufnahmen wurde digital mit besten Resultaten aufgefrischt und genügt auch heute noch selbst gehobenen Ansprüchen. Das Texheft ist, wie bei allen Ausgaben der Serie "Great Recordings of the Century", sehr gut. Der konstruktive Beitrag von Michael Jameson ist besonders hervorzuheben.