Im Gegensatz zu seinem Künstlerkollegen Claude Debussy komponierte Maurice Ravel zwei Klavierkonzerte, und zwar beinahe zeitgleich. Dennoch könnten die beiden Werke unterschiedlicher kaum sein.
Das erste Konzert steht in G Dur und ist verhältnismäßig klassisch aufgebaut. Es eröffnet mit einem naseweisen, bunten Allegramente. Dieser Satz nutzt die volle Palette impressionistischer Farbgebung aus. Viele Momente huschen nur in Klangfetzen vorbei.
Besonders beliebt ist der zweite Satz, ein schlichtes, tiefsinniges Adagio, dessen Lyrik und dessen Wärme sogleich berühren. Zum Abschluss folgt ein flinkes Presto, das voller tänzerischer Elemente steckt, immerhin liebte es Ravel zeitlebens, verschiedenste Tanzformen - vor allem den Walzer - zu arrangieren.
Das zweite Konzerte hingegen - in D Dur - ist nur für die linke Hand konzipiert. Ravel schrieb es für einen Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg. Im Gegensatz zum ersten Konzert konnte es nie recht Fuß fassen in den Konzertsälen der Welt.
Die einsätzige Komposition ist düster und marschmäßig, entwickelt aus einem sinistren Themenkern, der anfangs von Kontrabässen und dem Kontrafagott vorgetragen wird, zahlreiche Komplexe. Auch hier gibt sich der französische Meister von seiner impressionistischsten Seite. Nach einem lebhaften Höhepunkt sackt die Stimmung wieder zusammen. Mit einem Gewaltmarsch endet das Stück.
Als Zugabe gibt's das Klavierwerk "Gaspard de la Nuit", das Ravel insbesondere deswegen komponierte, um das schwierigste Stück für Klavier überhaupt zu schreiben. Es besteht aus drei musikalischen Bildern, dem mysteriösen "Ondine", dem religiösen "Le Gibet" und dem lebhaften und skurrilen "Scarbo".
Der französische Pianist Samson François, der als recht eigenwilliger Künstler galt, drückt den vorliegenden Werken einen allzu individuellen Stempel auf. Die Orchesterleistung des Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire unter der Leitung von André Cluytens ist zwar hervorragend, differenziert und nuancenreich; François' Spiel scheint aber an einigen Stellen nebenher zu laufen. Dabei kann seine Leistung im Konzert für die linke Hand nicht einmal beanstandet werden. Seine Nonchalance verdirbt aber die herrlichsten Momente im G Dur Konzert, besonders im Adagio. "Gaspard de la Nuit" bietet er zwar technisch brillant, aber wiederum zu lax und nachlässig dar, so dass der von Ravel beabsichtigte Kontrast zwischen den einzelnen Sätzen schwindet.
Die Aufnahmequalität ist gut.
Fazit: Ravel platt gebügelt - ich rate zur Einspielung durch den großartigen Krystian Zimerman und das Cleveland beziehungsweise das London Symphony Orchestras unter Pierre Boulez.