Im Detail:
Mozarts Klarinettenkonzert bedarf wohl keiner eingehenderen Beschreibung mehr. Es ist eines der großen Monumente der klassischen Musik. Die Interpretin Sabine Meyer muss wohl seit Jahren, mittlerweile bald Jahrzehnten zur Weltspitze gezählt werden. Auch auf dieser Aufnahme gibt es kaum etwas zu beanstanden. Die Intonation ist perfekt, Frau Meyer spielt feinfühlig, vermag die Möglichkeiten ihrer Bassett-Klarinette formidabel auszuspielen. Bei aller Qualität ist es auch sympathisch, dass Frau Meyer keine Solistin ist, der die Selbstdarstellung am Herz zu liegen scheint. Sie ist Mannschaftsspielerin, wobei ich hier den einzigen kleinen Kritikpunkt ansetzen möchte. Manchmal ist mir das Soloinstrument auf dieser Aufnahme zu leise. In wie weit das nur an der Solistin liegt und nicht auch am Orchester vermag ich nicht hundertprozentig trennscharf zuzuordnen. Ich finde es nur schade, dass manchmal kleinere Details des Soloparts im allgemeinen "Getöse" untergehen.
Die Orchesterleistung halte ich eher für einen Schwachpunkt dieser Aufnahme.
Hans Vonk und die Staatskapelle Dresden spielen typischen Durchschnittsmozart im Zuckerbäckerstil der Marke Karl Böhm, wobei sie dessen Qualität dabei nicht erreichen. Es ist ein Mozart ohne Ecken und Kanten mit vollmundigem Orchesterklang. Man kann sich das sehr gut anhören, aber dass es besser geht ohne zu rau oder anderweitig extrem zu werden beweist das Freiburger Barockorchester, dessen Solist Lorenzo Coppola Frau Meyer aber deutlich unterlegen ist. Hinzu kommt bei dieser Aufnahme das bereits erwähnte Problem, dass der bisweilen sehr vollmundige Orchesterklang abschnittsweise die Solistin "zudeckt". Sicher nicht schlecht, aber herausragend ist diese Aufnahme nur wegen Sabine Meyer.
Da
Sabine Meyer mit Claudio Abbado in gleicher Qualität spielt und sie von Abbado vielleicht nicht traumhaft von der Gesamtinterpretationsart, aber doch wesentlich sensibler in Punkto Zusammenspiel begleitet wird, halte ich die Abbado-Aufnahme für die Referenz-Aufnahme.
Sollte die berühmte gute Fee mit den 3 Wünschen tatsächlich einmal mir ihre Aufwartung machen und einschränken, einer der Wünsche müsste die Diskographie von Mozarts Klarinettenkonzert betreffen (sagen Sie jetzt nicht: "Unrealistisch!"), so würde ich mir wünschen, dass Frau Meyer mit einem Orchester der historischen Aufführungspraxis wie z.B. dem Freiburger Barockorchester, dem Orchestra of the 18th century oder fast noch lieber, den etwas gemäßigteren Vertretern wie z.B. dem Basler Kammerorchester oder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ins Studio geht.
Für den Kauf dieser CD spricht allerdings wiederum das zweite Stück: Mozarts berühmte Sinfonia Concertante mit Violine und Viola als Soloinstrumente ist natürlich vielen bekannt. Dass er mit KV 297b auch noch ein Werk, das sich auf Bläser fokussiert geschrieben hat ist wohl weniger geläufig. Schade, das Stück besticht durch herrlich melodiöse Themen. Die verschiedenen Soloinstrumente, hier: Oboe, Klarinette, Horn und Fagott bringen einen großen Farbenreichtum in das Stück. Alle Solisten machen ihre Sache einzeln für sich sehr gut und bewerkstelligen die in diesem Fall sicher extrem schwierige Aufgabe des Zusammenspiels formidabel.
Aber: wenn sie die Sinfonia Concertante KV 297b haben wollen, dann rate ich Ihnen zu dieser
dieser CD, die beide hier publizierten Aufnahmen und noch dazu schöne Doppelkonzert von Krommer enthält.
Fazit: die Sternvergabe ist hier im Grunde willkürlich. Wäre die Alternative, die auch das Krommer-Konzert enthält exakt zum gleichen Preis zu haben wäre diese CD absolut überflüssig, weswegen ich dann nur 1 Stern vergeben hätte. Sabine Meyer hätte aber für das Klarinettenkonzert auch bei dieser Aufnahme 5 Sterne verdient, das Orchester vielleicht nur 3, die Sinfonia Concertante glatte 5 für alle Beteiligten. Ich habe einen Mittelweg gewählt.
Abschließend sei noch erwähnt, dass Sie die Abbado-Aufnahme auch in Kombination mit Stücken von Debussy und Takemitsu erhalten können. Vielleicht findet das jemand reizvoll, ich kenne diese Stück nicht. Hier der
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