Ich kann an dieser Stelle leider nur die Hälfte der CD beurteilen. Ich besitze eine ältere Ausgabe wo neben Schumanns Cellokonzert Schelomo von Ernest Bloch zu hören ist. Wer sich für die CD vor allem wegen Strauss interessiert, sollte also nicht weiterlesen.
Also zu Schumanns Cellokonzert, wenn auch etwas speziell in der Anlage, so doch eines der beliebtesten Werke seiner Gattung. Hier eingespielt von zwei Weltstars am Cello und am Dirigentenpult. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, welche leider bitter enttäuscht werden. Schon bei der viertaktigen Einleitung des Orchesters glaubt man sich im falschen Film, das hört sich an wie eine misslungene Intonationsübung eines Amateurorchesters, leider bleibt es nicht die einzige Stelle wo das "Orchestre National de France" hörbar mit der Reinheit kämpft. Man ist rasch geneigt, diesen Lapsus zu verzeihen, kann doch Rostropovich im gesanglichen Thema mit seiner wunderbaren Klangkultur glänzen. Leider stellt sich aber recht bald Langeweile ein: Das Grundtempo ist klar zu langsam und wird in den Solostellen oft noch auf beinahe die Hälfte (!) gedrückt. Natürlich ist nicht die Metronomzahl allein entscheidend, der Eindruck von Langsamkeit verschärft sich aber dadurch, dass Rostropovich Sforzati und Akzente (wie bei Schumann üblich ist die Partitur reich mit solchen Anweisungen "verziert") ziemlich konsequent abrundet oder ganz missachtet. Damit der zweite Satz überhaupt noch als "Langsam" (Schumanns Anweisung) erscheint, muss das Tempo nochmals runter, so dass das wunderschöne Lied fast zum Stehen kommt. Werden bis dahin zumindest Temporelationen gewahrt, wird nun auch dies über den Haufen geworfen. Bei der Anweisung "Etwas lebhafter" und vor allem beim anschließenden "Schneller" rasen Rostropovich und Bernstein wie vom Floh gebissen davon, was die intendierte Relation zum ersten Satz verschwinden lässt. Als Gipfel des musikalischen Unsinns wird die Überleitung zum letzten Satz nicht wie von Schumann verlangt im Accelerando und Crescendo, sondern im Ritardando und Diminuendo gespielt. Dass im letzten Satz trotz weiterhin fehlender Phrasierung ein gerüttelt Maß an musikalischer Vernunft einkehrt ist ganz einfach zu spät.
Mein Vorschlag: Eine CD kaufen, auf der die Künstler auch wirklich Schumann spielen wollen, ich empfehle Pieter Wispelwey. Da ich die Aufnahme von Strauss "Don Quixote" nicht gehört habe gibt es--in dubio pro reo--trotzdem zwei Sterne.