Die Koppelung beider Werke ist zwar alles andere als originell, aber es sind die hier zusammengefügten Interpretationen, die diese CD einmalig und unwiederholbar machen. Der originalen LP-Aufnahme des Tripelkonzertes war seinerzeit ein ausführlicher Aufsatz beigefügt, dem man entnehmen konnte, welche politischen und juristischen Hürden der englische Produzent Peter Andry zu überwinden hatte, ehe er in der Lage war, im geteilten Berlin mitten im Kalten Krieg diese Einspielung mit den drei sowjetischen Meistersolisten Svjatoslav Richter, David Oistrach und Mstislav Rostropovitch und den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan zu realisieren. Das war im Jahr 1969 eine wahre diplomatische und logistische Meisterleistung, von der wir uns heute kaum noch eine rechte Vorstellung machen können. Entstanden ist eine Interpretation von einzigartiger Kultur, die Zeugnis gibt von einem gelungenen, ja geradezu mirakulösen Zusammenspiel aller Beteiligten. Man höre nur das herrliche, entrückte Largo, welches für mich den Höhepunkt dieser einzigartigen Einspielung darstellt.
Einige Monate zuvor, im Mai 1969, entstand in Cleveland, USA, die Aufnahme des Doppelkonzertes von Johannes Brahms. Wiederum beeindrucken die Solisten durch ihr schlackenlos aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel, und George Szell feuert sein Cleveland Orchestra gewohnt souverän und zielstrebig zu einer "Begleitung" an, wie man sie sich besser und werkbezogener nicht denken kann.
Beide Werkdarbietungen bezeugen, daß auch Weltstars nicht unbedingt primadonnenhaft sich in den Vordergrund spielen, wenn der Wille zum "Dienst am Werk" siegt und Dirigenten von Rang es verstehen, Solisten und Orchester zu einer überzeugenden Einheit zusammenzuschweißen.
Die Klangqualität beider Konzerte ist ganz hervorragend; das digitale Re-Mastering mag hier zusätzlich positiv ins Gewicht fallen, und an der Präsentation im Rahmen der "Great Recordings of the Century" gibt es nichts zu bemängeln. Damit haben die Aufnahmen endlich ihren gebührenden Platz gefunden, und dafür sei der EMI an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.