Great Opera Recordings: Camille Saint-Saens (1835 - 1921): Samson et Dalila. Besetzung: Hélène Bouvier (Dalila); José Luccioni (Samson); Paul Cabanel (Hohepriester des Dagon); Charles Cambon (Abimélech); Chor und Orchester der Pariser Nationaloper; Gesamtleitung: Louis Fourestier. Aufgenommen zwischen dem 17. und dem 27. September 1946 in Theatre des Champs-Elysées, Paris. Erstveröffentlichung 1947 auf 15 Schellack-Schallplatten (30 Seiten) des französischen Labels Pathé (PDT 116-130).
Anhang auf CD 2: José Luccioni singt Arien von Gounod, Bizet und Massenet; Einzelaufnahmen von His Master's Voice aus den Jahren 1936 (Carmen); 1937 (Hèrodiade und Manon) und 1946 (Polyeucte und Roméo et Juliette).
Sämtliche Aufnahmen wurden von Schellackplatten überspielt und digital verarbeitet von Ward Marston. Diese 2-CD-Ausgabe des Labels Naxos Historical erschien 2000. Gesamtspiellänge: 141'49".
In den letzten Jahren hat sich Naxos Historical sehr um klassische Aufnahmen der französischen Oper verdient gemacht, u. a. mit gelungenen Ausgaben von "Carmen" (
Carmen), "Les contes d'Hoffmann" (
Great Opera Recordings - Hoffmanns Erzählungen), "Werther" (
Great Opera Recordings - Werther) und "Manon"
Manon. Zu den allerersten Veröffentlichungen dieser Serie gehörte ebenfalls Saint-Saens' "Samson et Dalila" in einer brillanten Überspielung des blinden Toningenieurs Ward Marston, der es geschafft hat, aus offensichtlich alles andere als optimalen französischen Nachkriegspressungen das Beste herauszuholen: Das Label Pathé, mir sonst nicht bekannt, hatte zwar den Mut und das Können, die erste Gesamtaufnahme von "Simson et Dalila" auf Schellack zu bannen, aber nicht das technische Know-how (oder etwa die finanziellen Mittel?), um das Endprodukt wirklich tadellos hinzubekommen: Ward Marston drückt in seinen Anmerkungen sein Staunen darüber aus, dass 1947 erschienene Platten noch unter dem Anfängerfehler litten, dass sie nicht konstant bei 78 Umdrehungen in der Minute liefen, was zu Verschiebungen der Tonhöhe führte und ein sorgfältiges elektronisches Eingreifen erforderte. Außerdem wurden die Solisten - im Gegensatz zu Chor und Orchester - mit Mikros aufgenommen, die viel zu nahe standen bzw. viel zu laut eingestellt waren, was zu teils unüberhörbaren Verzerrungen führte. Ward Marston ist es zwar gelungen, diese Probleme zu minimieren, aber wer genau - oder laut - die CDs hört, wird zumindest den Umfang dieser Probleme erahnen können. Dass dennoch ein Paar sehr hörenswerter CDs herausgekommen ist, ist sowohl der Sorgfält Marstons zu verdanken als auch der superben Leistung der Sänger. Im Mittelpunkt dieser klein besetzten Oper (sie war ursprünglich als Oratorium konzipiert) stehen natürlich die beiden Titelgestalten. José Luccioni, von Geburt Korse, hat einen kräftigen, durchaus zum Heldenfach neigenden Tenor, der nur gelegentlich ein wenig angestrengt klingt; ein Vergleich der Hauptaufnahme mit den zehn Jahre früher aufgenommenen Arien auf CD 2 zeigt, dass seine Stimme ursprünglich etwas heller war und dass sie im Verlauf der Jahre etwas Härte angenommen hatte - ob einem das gefällt, ist Geschmackssache. Als Dalila hört man hier Hélène Bouvier, eine französische Mezzosopranistin, deren Name mir vor dem Kauf dieser CD-Box nicht bekannt war. Ihre Stimme könnte man als "dramatisch", aber ebenso als "sahnig" und durch ihre Tiefe auch "sinnlich" bezeichnen; ihre klare Aussprache des gesungenen französischen Textes verdient besonderes Lob. Die kleineren Rollen sind alle mit französischen Bässen besetzt; Chor und Orchester liefern unter Louis Fourestier eine tadellose Leistung ab. Selbstverständlich ist der Monoklang, an heutigen Maßstäben gemessen, tonal wie räumlich etwas beengt; dennoch mehr als hörenswert!