„Große Erwartungen", die Verfilmung des Klassikers von Charles Dickens, ist ein bildgewaltiges Werk mit großartigen Schauspielern (Ethan Hawke, Gwyneth Paltrow, Anne Bancroft, Robert de Niro und Chris Cooper).
Der junge Finnegan (Ethan Hawke) verliebt sich unsterblich in die schöne Estella (Gwyneth Paltrow), Nichte der reichen Mrs. Dinsmoor (Anne Bancroft). Er verzweifelt schon bald an ihrer Unnahbarkeit und Kühle und ihre Wege trennen sich. Finnegan fällt danach in ein tiefes Loch und diese unerfüllte Liebe droht sein Leben und seine Malerei zu zerstören. So sucht er Ablenkung in der Arbeit als Fischer und wird erwachsen. Als er durch einen anonymen Mäzen die Möglichkeit erhält nach New York zu gehen, nutzt er die Chance. Als er dort Estella trifft, stürzt er sich, trotz aller Warnungen, wieder in die alten Gefühle...ob es für die Liebe auch eine Chance gibt? Und wer ist der anonyme Geldgeber?
Auffällig an dem Werk von Regisseur Alfonso Cuarón sind die Farben. So ist der Film in „Grün", die Farbe der Hoffnung, gehalten. Viele Pflanzen, grüne Zimmerausstattung und sehr auffällig die grün gehaltene Kleidung der Hauptdarsteller. Das wirkt natürlich auf den Zuschauer, wenn auch nur im Unterbewusstsein. Bei der Story hat man sich sehr stark am Buch Dickens orientiert. Zwar modernisiert, strahlt das Werk das Flair des mittigen 19. Jahrhundert aus. Die Schauspieler bieten eine hervorragende Darbietung. Allen voran Gwyneth Paltrow, welche in der Rolle der unterkühlten, gefühlskalten und verzogenen Estella die Perfektbesetzung darstellt. Aber auch Ethan Hawke, Anne Bancroft („Die Reifeprüfung"), Robert de Niro und Oscarpreisträger Chris Cooper spielen überzeugend und erstklassig.
Nun handelt der Film von der Liebe, einer so starken Liebe, dass man bereit ist, ewig zu warten, zu verzeihen, zu vergessen und alles zu tun für diesen Menschen. Allerdings auch von Enttäuschung durch diese, Unerfülltheit, Hass und Eifersucht. Alledem voran ist aber von Hoffnung die Rede, und dass das Leben weiter geht, egal was passiert. Nach dem ersten Ansehen, war ich trotzdem kurz davor nur drei Sterne zu vergeben. Denn was Ethan Hawke durch seine Wärme und hoffnungsvollen Charakter an Gefühlen aufbaut, macht Gwyneth Paltrow mit ihrer Gefühlskälte wieder weg. Ihre schauspielerische Leistung ist so was von erstklassig, dass ich man sich nur schwer vorstellen kann, wie man sich in so eine Person verlieben kann. Unsensibel, gefühlskalt, verletzend, egoistisch, beleidigend, versnobt, keinerlei charakterliche Stärke, keinerlei positive menschliche Eigenschaften! So scheint fast allein die Optik bei Ethan Hawke, d.h. Finnegan die Liebe ausgelöst zu haben. Schwer verständlich! Oder ist es doch das gewisse Etwas, eben genau das, was Liebe ausmacht und einen veranlasst, sich zu einem anderen Menschen näher hingezogen zu fühlen?! Und genau deshalb hat der Film eine Brillanz - das gewisse Unverständliche und Unerklärliche, wie die Liebe selbst. Mein Tipp: Öfter ansehen, denn erst beim zweiten oder dritten Mal entfaltet der Film seine gesamte Kraft!